Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schiffbauhölzer bis zyprische Erde
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3207626
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3212674
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Telegraph 
Faktoren jedoch nur während des veränderlichen Zuftandes, d. h. während der Dauer des An- 
fteigens und Abfallens der Stromitärke. Die zum glatten Betrieb von Telegraphenleitungen erfor- 
derliche Stromttärke beträgt für Morfe-, Klopfer- und neutrale Relais 10915 Milliamp, für 
Hughes-Apparate 3-98, für polariiierte Relais 298 und für I-Ieberfchreiber 0,02f'0,05 Milliamp. 
Einfluß der Ableitungen bei Arbeitsftrombetrieb. Die telegraphifchen Zeichen 
im Amte II werden durch Stromfendung vom Amtel aus erzeugt. Da an den Stützpunkten der 
1 5 Leitung über die lfolatoren hinweg oder bei Kabeln durch die lfolier- 
ü       1, hülle hindurch ltets ein Stromverluft Itattfindet, fo itt der beim AmteII 
E;    ankommende Strom J, immer fchwächer als der von I abgehende 
im   M Strom Jl. Das Maß der Schwächung hängt von dem [folationszuttande 
  der Leitung ab, der, abgefehen von Ifolatigngfehlefn, bei Luft- 
 leitungen vorwiegend durch die Witterung, bei Kabelleitungen 
durch die Temperatur verändert wird. Die Stärke des ankommen- 
den Stromes läßt {ich durch unmittelbare Strommeffung und durch WiderltandsmetTungen be- 
itimmen. Bezeichnet I-Il (Fig.2) eine Leitung mit ungleichmäßig verteilten Ableitungen ver- 
fchiedener Größe, an die im Amt I eine Batterie mit der elektromotorifchen Kraft E und im 
Amte II ein Empfangsapparat angelegt ift, und wird der gefamte Widerftand vom Punkte l durch 
die Batterie hindurch bis zur Erde mit rl, der Widerftand vom Punkte ll bis zur Erde mit rz 
bezeichnet, I0 itt: .12: .11 :V WzüXfl-Rl) : (M  rg). Wenn die BatterieE aus dem Amtel nach 
dem Amte II verlegt wird, ohne daß die Widerilände rl und rz eine Aenderung erfahren, fo 
ift entfprechenderweife das Verhältnis des in I ankommenden Stromes J'1 zu dem in II ab- 
gehenden Strome  1', : J'2 : V  J,- rl). In diefen Formeln itt R1 der von I aus 
gemeffene und R2 der von II aus gemeffene Leitungswiderftand, ferner W, der von l aus und 
W, der von lI aus gemeffene Ifolationswiderltand. 
Einfluß der Ableitungen bei Ruheftrombetrieb.  Die Betriebsbatterie ilt 
auf die Aemter l und II verteilt; das Telegraphieren erfolgt durch Unterbrechung des Strom- 
kreifes. Der im Ruhezultand vorhandene Strom J, fetzt {ich aus dem abgehenden Strom der 
eigenen Batterie und dem ankommenden Strom der fernen Batterie zufammen. Bei Unter- 
brechung des Stromkreifes im Amt II finkt die Stromilärke dafelbft auf Null, im Amtl dagegen 
auf den Wert il des Ifolationsttromes. Die Differenz Jl-i, iit die nutzbare Stromftärke, die in 
Wechfelwirkung mit der Abreißfeder des Morfeapparats die Zeichen hervorbringt. 
Einfluß der Selbftinduktion.  Die Selbitinduktion wirkt beim Telegraphieren 
als Hemmnis, indem iie fowohl das Aniteigen wie das Abfallen des Stromes verzögert. Sie 
kann bei Kabeln gegenüber deren Ladefähigkeit vernachläffigt werden und ift auch bei ober- 
irdifchen Leitungen nur gering, beträchtlich dagegen in den Elektromagneten der Empfangs- 
apparate. Der Selbilinduktionskoeffizient beträgt z. B. 
für l km Kupier- oderBronzedraht 0,003 Henry (f. Bd. 5, S. I2) 
, l , Eifendraht 0,016 „ 
, den Elektromagnet eines Morfeapparats 13918 „ 
„ „ , , Hughesapparats 26929 , 
Einfluß der Ladungstähigkeit.  Jede Telegraphenleitung hat eine beitimmte 
Ladefähigkeit oder Kapazität C, die ihrer Länge 1 proportional ift. Sie beträgt für eine im Ab- 
"Itande h über dem Erdboden geführte blanke Leitung von der Drahtltärke d: Czäzü 
und für ein einadriges Kabel, deffen Leiterquerfchnitt den Radius r und deffen lfolierhülle die 
Dicke R-r hat:  In diefen Formeln bedeutet k die Konftante des Dielektri- 
kums, die für Luft: l, für Guttapercha:4,2 und für Kautfchuk:2 zu Ietzen ift. Die Kapa- 
zität beträgt für l km bei 698 m hoch über dem Erdboden geführten blanken Leitungen bis 
0,0l Mikrofarad und bei Telegraphenkabeln etwa 0,28 Mikrofarad. 
Verbindet man eine Leitung mit einer Stromquelle, fo wird Iie von dem in {ie hinein- 
fließenden Strom zunächft elektroitatifch geladen. Die hierzu hergegebene Elektrizitätsmenge 
bewirkt eine Schwächung des weiterfließenden Stromes und demnach ein verzögertes Antleigen 
des Stromes beim fernen Amte. Beim gebenden Amte wirkt die Ladeiähigkeit der Leitung im 
umgekehrten Sinne. Sobald die Stromgebung unterbrochen wird, fließt die Ladung der Leitung 
nach beiden Aemtern zur Erde ab. Die Richtung diefes Entladungsltromes iil beim empfangen- 
den Amte jener des urfprünglichen Stromes gleich, beim gebenden ihr entgegengefetzt. Beim 
gebenden Amte fließt der Entladungsltrom durch den in der Regel am Ruhekontakte der Tafte 
liegenden Empfänger und bringt ihn unter Umitänden zum Anfprechen. Diefe Erfcheinung be- 
zeichnet man als ,Rückfchlag'.  
Erdftröme. Sie werden vermutlich durch erdmagnetifche Störungen verurfacht, treten 
häufig zufammen mit den Sonnenflecken -auf und ftören den Betrieb in eindrähtigen Telegraphen- 
leitungen. Durch befondere Erdttromfchaltungen, für die Hin- und Rückleitung erforderlich ift, 
wird der Betrieb auf-recht erhalten. 
ll. D1e Telegraphenapparate. 
Wir unterfcheiden 1. Schreibtelegraphen, 2. Drucktelegraphen, 3. Sprechtelegraphen, 
4. Mafchinentelegraphen, 5. Mehrfachtelegraphen, 6. Telautographen und 7. Bildielegraphen. 
1. Schreibtelegraphen  Sie liefern meift Schriftzeichen in vereinbarter Schrill, doch 
lind auch Buchflabenfchreibtelegraphen und Telegraphen zur formgetreuen Nachbildung des 
Originals  Kopiertelegraphen oder Telaulographen und Bildtelegraphen (vgl. unter 6.)  
konftruiert worden. Die wichtigften Schreibielegraphen lind: a) der Morfefchreiber; b) der
        

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