Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Masse bis Schiffbau
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3198731
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3206992
Sdzall 
805 
Wert 8:9 hat, ein großer ganzer Ton, wenn 9:10, ein kleiner ganzer Ton, wenn 15:16, 
ein halber Ton; die Oktave teilt lich demnach in fünf ganze und zwei halbe Tonintervalle. 
Das Bedürfnis, zu jedem Ton der Reihe als Grundton nicht bloß die Oktaven, fondern auch 
die andern harmonifchen Intervalle bilden zu können, führt zur Einfchaltung weiterer Töne in 
die Tonreihe, zu den erhöhten und erniedrigten Tönen, die durch an die Tonbezeich- 
nung angehängtes is bzw. es ihre Bezeichnung finden. Da man bei den mulikalifchen Inliru- 
menten mit fefter Stimmung und befchränkter Tonzahl dieien Anfprüchen der Harmonie nicht 
voll genügen kann, wendet man die temperierte Stimmung, die Tonreihe der gleich- 
lchwebenden Temperatur an, bei der nur die Oktaven vollkommen rein, die übrigen 
Intervalle lo ausgeglichen lind, daß die Oktave in 12 vollkommen gleiche Tonintervalle zerfällt. 
Zufammenwirkende Inltrumente müffen auf denfelben Grundton geftimmt fein. Durch einen 
internationalen Kongreß zu Wien 1886 wurde eine N ormalftimmung eingeführt, bei welcher 
der Ton a, die Schwingungszahl 435 belitzt. 
Alle tonerzeugenden Inftrumente erzeugen nicht einzelne Töne beltimmter Schwingungs- 
zahl, fondern jedes wohl einen vorherrfchenden Hauptton, aber begleitet von mehr oder 
weniger vernehmbaren Nebentönen, teils höheren, den Obertönen, teils manchmal tieferen, 
den Untertönen, die den Klang des Tones bedingen, die Klan farbe und Klangfülle. 
Ill. Die Schallerzeugung. irgendwelche Urfachen, die in der iuft Wellen erzeugen, die 
als kurze Verdichtungsfiöße das Gehörorgan treffen, erzeugen den Schall. Der Sturm, der lich 
an den Kanten von Fellen und Gebäuden bricht, gibt Anlaß zu mehr oder weniger regel- 
mäßiger Wellenbildung in der Luft, die wir als Heulen des Windes wahrnehmen. Es lind 
hauptfächlich Körper im Zuftand freier Elaltizitätsfchwingungen, die dazu geeignet lind, Töne 
zu erzeugen. Die wichtiglten tonerzeugenden Inftrumente können wir unterfcheiden in Saiten, 
Stäbe, Platten, Membranen, Pfeifen. 
Zur Demonftration der Gefetze der Saitenfchwingungen dient das Monochord 
(Einfaiteninltrument). Es geltattet, entfprechend der Formel n z  Vä, die Abhängigkeit der 
Schwingungszahl n bzw. der Tonhöhe des Grundtons der Saite von der Länge l durch Erregen 
verfchieden langer Abfchnitte, die Abhängigkeit von dem fpannenden Gewicht S durch Anhängen 
verfchiedener Gewichte, die Abhängigkeit von der Maffe m der Längeneinheit der Saite durch 
Vergleichung von Saiten verfchiedenen Gewichts zu prüfen, bei Erregung von Schwingungen 
aliquoter Teile der Saite die Knotenpunkte durch aufgefetzte Papierreiter lichtbar zu machen, 
insbefondere das Mitfchwingen einer Saite zu zeigen, wenn in der Nähe deren Grundton oder 
deffen Oktave oder Quinte ertönt, indem an den Schwingungsbäuchen die Papierreiter abge- 
worfen werden. Stäbe geben entweder höhere Töne bei Erregung von longitudinalen oder tiefere 
bei transverfalen Schwingungen. Ein an einem Ende eingeklemmter Stab lchwingt entweder als 
halbe ftehende Welle mit einem Schwingungsbauch am freien Ende oder er teilt lich in lllz, 
21], ulw. ltehende Wellen. Ein beiderfeits freier Stab gibt bei palIender Unterltützung in den 
zu bildenden Knotenpunkten und beim Anlireichen mit einem Violinbogen Transverfal- 
lchwingungen unter Bildung einer oder zweier oder dreier ufw. ganzer ftehender Wellen. 
Bei den Stimmgabeln liegen die Knotenpunkte in der Nähe der Bafis der Zinken in 
etwa einem Viertel der Länge derfelben. Während die Zinken gleichzeitig aus- und einfchwingen, 
macht auch der Bogen Transverfalichwingungen, und der Stiel wird daher in Längsfchwingungen 
verletzt, die beim Auffetzen auf einen Tifch oder Refonanzkatien durch Refonanz eine Ton- 
verftärkung bewirken. 
Platten aus Glas oder Mellingblech von quadratifcher oder kreisrunder Form geben, 
in der Mitte fefigeklemmt, beim Anltreichen des Randes mit dem Violinbogen, je nachdem der 
Rand an paffender Stelle feftgehalten wird, Töne verfchiedener Höhe, wobei lich die Platten 
unter Bildung von Knotenlinien in einzelne ftehende Wellen teilen. Durch aufgellreuten Sand, 
der von den Schwingungsbäuchen abgeworfen wird, werden die Knotenlinien als chladnifche 
Kla ngfiguren lichtbar. Die Glocken lind Platten, die beim Anfchlagen in Transverfal- 
fchwingungen verletzt werden, unter Bildung von fenkrecht zum Rande fiehenden Knotenlinien, 
die den Rand in eine gerade Zahl von Teilen, 4 oder 6, einteilen. Die Membranen machen 
entweder freie Schwingungen, deren Zahl von ihrer Spannung, Größe und Maffe abhängt, oder 
unfreie Schwingungen, wie die Platte des Telephons oder die Membran des Phonographen oder 
auch das Trommelfell des Ohrs. 
Pfeifen lind Röhren, deren umfchloffene Luft in longitudinale Schwingungen verletzt 
werden kann. Man unterlcheidet, je nach der Erregungsart, Zungen- und Lippenpfeifen. 
Bei beiden wird die Luft der Röhre in liehende Longitudinallchwingungen verletzt, deren Ton- 
höhe von der Pfeifenlänge abhängt. Bei den erfteren wird durch den erregenden Luftftrom eine 
metallene Zunge und mittels dieler durch Wirkung der Refonanz die Luftfäule der Pfeife zum 
Schwingen gebracht, wobei die Zunge, auch wenn lie nicht genau auf den Ton der Pfeife ge- 
iiimmt ift, lich diefem anpaßt. Bei den Lippenpfeifen erleidet der Luftftrom an einer fcharfen 
Kante der Lippe eine Spaltung unter Bildung von Wellen, deren Schwingungszahl lich dem 
Wechfel von Verdünnungen und Verdichtungen der Luft anpaßt, die aus dem lnnern der Pfeife 
von den Schwingungsknoten aus reflektiert werden. Für die Art der Bildung der ftehenden 
Wellen in einem Rohre hat man gedeckte und ungedeckte Pfeifen zu unterlcheiden. Bei 
erlteren, die an einem Ende gefchloffen lind, hat man ftets vor dem offenen Ende einen 
Schwingungsbauch (Ort hin und her gehender Luftbewegung ohne Verdichtung), am gefchlollenen 
Ende einen Schwingungsknoten (Ort abwechfelnder Verdichtung und Verdünnung). Durch 
Löcher in der Rohrwand, die nach Belieben geöffnet oder gefchloffen werden können, ilt die 
Bildung der Schwingungsknoten regulierbar, damit die Wahl des Pfeifentons ermöglicht, weil 
an Stellen offener Löcher im Innern lich nur Schwingungsbäuche bilden können. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.