Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Masse bis Schiffbau
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3198731
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3200201
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Modellierwadzs 
Modelljdzleppverfudvsanjialt 
kurzes Stück als Modell aus und fertigt die Form danach. Sollen Rohre, Wangen u. dgl. kürzer 
als ein vorhandenes Modell ausgeführt werden, {o fetzt man am Modell nur einen neuen Flanfch 
patiend auf und überläßt es dem Former, die Form ,abzudämmen'. 
Abweichungen von der Konftruktionszeichnung find bei den Modellen in 
mehrfacher Hinlicht nötig. Mit Rücklicht auf die Schwindung des Eifens beim Erllarren um 
rd. 1 "[0 der Länge werden alle Abmeffungen nach dem Schwindmaßftab ausgeführt, der 1010 mm 
{latt lm lang ift. Stahlguß hat 20A), Metall im Mittel 1,5010 Schwindung. Die Seitenflächen 
werden um 17504-17200 fchräg gelegt (konifch gemacht), fo daß {ich das Modell leichter aus der 
Form herausheben läßt. Wangen mit dickem Rande werden an der Wulftkante durch eingeleimte 
Keile zu lang gemacht, damit {ie bei der Abkühlung gerade werden. Soll das Modell in der 
Ebene des größten Umfanges geteilt werden, damit es {ich auf dem ebenen Lehrbrett einformen 
und aus jeder Formhälfte für {ich ausheben läßt, fo wird da ein Blatt Papier eingeleimt und 
nach der Vollendung des Modells durch Eintreiben eines Stechbeitels das Papier in ganzer 
Fläche gefpalten. Zwei oder drei f-lolzdübel oder eingefchraubte Metalldübel mit Gegenhülfe 
{ichern die gegenfeitige Lage der Teile aneinander. An den zu bearbeitenden Stellen werden 
am Modell 5210 mm zur Bearbeitung zugegeben. Wo Kerne aus dem Innern vorltehen, lind 
die Kernmarken am Modell aufzufetzen; ebenfo wird es mit dem „verlorenen Kopfe" und den 
niedrigeren Angüffen verfehen. Unterfchnittene Teile, wie ichräge Leiften, feitliche Augen und 
Randleiften, werden lofe am Modell angefetzt und durch von der Teilfläche zugängliche Nägel 
oder Holzfchrauben angeheftet. Für {eitliche Einkehlungen werden „Kernftücke' oder ,falfche 
Kerne" mit Kernmarken am Modell vorgefehen. 
Vgl. a. Dampfzylinder, Bd. 2, 5.331, Eifengießerei, Bd. 2, 8.729, Gießerei, 
Bd.3, S. 619, Gipsgüffe, Rohrherftellung. 
Literatur: Hantzfchel-Clairmont, Modelltifchlerei, Leipzig 1920. Lindner 
Modelllerwachs befteht aus einem Gemenge von Paraffin, Zerefin, Oelfäure, Kreide 
und Talk oder aus diefen mit Beigabe von ölfaurer Tonerde, gefärbt mit Teerfarbfloffen oder 
ungiftigen Körperfarben. J. K. Andes 
Modellfchleppverfuchsanftalt, beitehend aus einem Kanal von 100 bis 
350 rn Länge, 5 bis 16m Breite und 3 bis 7,25 m Trete mit Vorrichtungen zum 
Schleppen von Schiffsmodellen und Meßvorrichtungen für den Wafferwideriiand 
derfelben für verfchiedene Schleppgefchwindigkeiten. 
Diefelbe bezweckt, Schiffsformen von geringftem Widerfiand durch Verfuche zu ermitteln 
und mit Hilfe des von F ro u d e ausgebauten mechanifchen Aehnlichkeitsgefetzes von N ewton und 
des Reynoldfchen Zähigkeitsgefetzes den Schiffswiderftand (f. d.) aus den Vergleichs- 
verfuchen mit ähnlichen Schiffsmodellen zu bettimmen. Da das Newtoniche Problem der 
Mechanik über die korrefpondierenden Größen nur unter der Annahme gilt, daß {ich die Körper 
ohne Reibung in einem flüfligen Medium bewegen, {o {teilte Froude durch befondere Ver- 
{uche den Reibungswiderltand von dünnen Brettern im WalTer fett und zog den hiernach be- 
rechneten Reibungswiderftand von dem Gefamtwiderftand des Modells ab. 
Das- Froudefche Gefetz der korrefpondierenden Gefchwindigkeiten lautet: 1. Korre- 
{pondierende Gefchwindigkeiten ähnlicher Schiffe verhalten {ich wie die Quadratwurzeln des 
Aehnlichkeitsverhältniffes. 2. Bei korrefpondierenden Gefchwindigkeiten verhalten (ich die 
Widerftände ähnlicher Schiffe wie die dritten Potenzen des Aehnlichkeitsverhältniffes. 3. Bei 
korrefpondierenden Geichwindigkeiten ähnlicher Schiffe verhalten {ich die Maße der bei beiden 
Schiffen auftretenden Wellen wie die Maße der Schiffe felbit. Itt das Schiffsmodell im Maß- 
{iab 1:25 ausgeführt und bei der Modellgefchwindigkeitv der Widerftand w, {o erfährt das 
Schiff bei der Gefchwindigkeit 511 den Widerltand 253w:l5625w     
Zur Beltimmung des Widerltandes des Schiffsmodells wird dasfelbe unter einen Wagen 
gebracht, der auf Schienen über dem Schleppkanal entlang bewegt werden kann, und mit dem- 
{elben unter Einfchaltung befonderer Dynamometer verbunden. Das Modell wird nacheinander 
mit abgeftufter Gefchwindigkeit gefchleppt und wird bei jeder Fahrt vom Dynamometer der 
Widerftand des Modells fowie durch befondere Apparate der zurückgelegte Weg fowie die 
aufgewandte Zeit auf einer Zeichentrommel regil'triert[2],   Neuerdings hat Wellenkamp 
die Schleppmethode dadurch verbeffert, daß er das Modell mit Hilfe eines dünnen Stahldrahts 
durch ein frei fallendes Gewicht direkt antreibt und die Gefchwindigkeit des Modells auf einer 
Trommel, über die der Draht läuft, mit Hilfe einer {chwingenden Stimmgabel regittriert  
In den Modellfchleppttationen {ind meift auch Apparate vorgefehen, um am Modell Verfuche 
mit Schrauben {owie Vergleichsverfuche mit Propellern verfchiedener Konltruktion, Steigung 
und Umdrehungen auszuführen  Neuerdings werden die von Froude eingeführten Modell- 
{chleppmethoden in Verbindung mit dem Schraubenantrieb durchgeführt, indem die arbeitenden 
Schrauben hinter dem Schiffsmodell in ihrer richtigen Lage am Schiff nachgeführt oder vom 
Modellboot {elbfi aus von innen angetrieben werden. Auf diefe Weile wird der beim wirklichen 
Schiff zwifchen Schraubenfchub und Schiffswiderttand {ich einltellende Gleichgewichtszuiland 
durch Regelung der Umdrehungen des Modellpropellers hergeftellt. Die fo gewonnenen Meß- 
ergebniffe liefern ein wertvolles Material, um eine Gefetzmäßigkeit von Sog und Nachitrom, 
d. h. des Strömungszuttandes am Schiff und feines Einfluffes auf den Schiffsantrieb, zu erforfchen. 
Dazu kommen die Unterfuchungen von Leitvorrichtungen hinter und vor den Schrauben {owie 
die Erforfchunig des Einflulies der Ruderkonftruktion auf den Sog. Neuerdings wird eine Wellen- 
erzeugungsma chine hinzugefügt, um den Einfluß der Wellenbewegung auf See auf den Schiffs- 
widetltand voraus zu bellimrrren, ebenfo wie man die Schleppkraft und das Verhalten der 
Schiffe auf feichtem Waffer und in Kanälen ermittelt. Schließlich geben die Modellverfuche 
Auffchluß auf die Ruderwirkung und Steuerfähigkeit der zu erbauenden Schiffe.
        

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