Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Eisenbahnreklame
Person:
Pfeiffer, Heinrich Mesek, Felix Guderian, Paul Gerd
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3537464
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3537901
REKLAME ALS [HBENDIGES BILD 
VQM REICHSKUNSTWART lDRv lRlEDSlLOB 
M) AS Tempo unserer Zeit ist auf Schnelligkeit gestellt, auf Kampf und Entsdiluß: 
kraff. Der beschleunigte Rhythmus zwingt die Menschen dazu, sidm mehr als früher 
auf den schnellsten der Sinne, auf das Auge, einzustellen. Ieder Weg über die Straße 
ist ein ständiges, gleichsam sportlidwes Trainieren des Auges. Diese Wandlung wird 
(lUfCll die Reklame teils gesteigert, teils zur Klärung geführt. An der Reklamebewegung 
nicht teilzunehmen, kann sich daher weder die Kunst nodm das Wirtschaftsleben unseres 
Volkes leisten. Wohl besteht die Gefahr, daß eine zügellos emporsdiießende Reklame 
sich selbst in Willkür zerstört, wohl besteht die andere Gefahr, daß starrer Sdxematis: 
mus die Langeweile und Mißverständnis auch hier auf den Thron hebt. Dennoch und 
umsomehr muß Kraft und Freude des produktiven Willens in die Reklamebewegung 
einmünden und den vom Werbewesen entfachten Wettkampf zwischen Blau, Rot. Grün 
und Gelb, der in vollen Farben zwischen einer grauen Welt aus Zement und Staub 
sein Spiel treibt, zur Freude und Überzeugungskraft steigern. Die Zusammenfassung 
großer Aufgaben, wie sie bei der Verkehrsreklame, Postreklame, oder innerhalb der 
Werbetätigkeit der Messen usw. vorliegen, wird das Schicksal der Reklame sdmeller 
zur Entfaltung bringen. Denn entweder wird die Gefahr der Überwudierung durch 
Einzelheiten, von der die letzten zehn Iahre widerliche Beispiele in Fülle brachten, auf 
die Spitze getrieben, oder es kommt zur Gesundung und damit zu einer Einheit wirt-v 
sdmaftlicher und kultureller Motive, wie wir sie seit Iahrzehnten nicht mehr gesehen 
haben. Die Reklame wird nidit dadurch gesunden, daß man dem einzelnen Blatt 
gegenüber Verbesserungsvorsdiläge oder ästhetisierende Polizei anwendet. Viel wert- 
voller ist die Erkenntnis der sachlich entscheidenden Gesichtspunkte, nach denen 
Reklame zum Bild gestaltet und nadi denen die vorhandenen Bildtafeln angebracht 
werden, um sich innerhalb des Ganzen behaupten zu können. überwunden werden 
muß vor allem bei der Außenreklame der Eindruck, als ob wahnsinnig gewordenes 
Papier die Fassaden überwuchern wolle. Planmäßiges Zusammenfassen zu freier und 
bunter Wirkung ist hier entsdieidend. Anwendung wetterfester Materialien, wie Mosaik, 
Verglasung, wird in vielen Fällen die Lösung bringen. Vor allem muß innerhalb der 
großen Werbetätigkeit gelernt werden, das einzelne Plakat so anzubringen, daß es als 
 Trumpf, nicht aber als Störung auffällt und Freunde wirbt. Blickrichtung, Höhe, Farb: 
wirkung, Auseinandersetzung mit der Umgebung, Maßstab, Größenverhältnisse: das 
werden entscheidende Gesichtspunkte sein. Es gilt, sidx in den Dienst dieser Bewegung 
zu stellen, weil sie die während der letzten Iahrzehnte angestrebte Verbindung des 
kulturellen und wirtsdiaftlidxen Lebens in Dcutsdtland und den Bund zwisdien Künstler 
und Kaufmann in hohem Maße zu fördern geeignet ist. 
        

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