Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hebelarm bis Mass
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3188643
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3193376
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Kompaß 
rofe R in Verbindung fteht. Der Schwimmer S ifl in einem Queckfilberbad Q angeordnet, das 
den unteren Teil des Kompaßkeffels K, der wie der Magnetkompaß cardanifch aufgehängt ift, 
ausfüllt. Der Kreifel mit Schwimmer und Rofe bildet daher ein fchwimmendes Syflem, das 
{ich fowohl um feine fenkrechte Achfe drehen als auch beliebig neigen kann; dabei liegt der 
Syftemfchwerpunkt etwas unter dem Auftriebsfchwerpunkt, fo daß ein {labiles Gleichgewicht 
vorhanden ift. Der Kreifel felbft itt als Kurzfchlußanker eines Drehftrommotors mit 20 000 UmLfmin 
und 1], PS Leiflung ausgebildet. Die Dampfungseinrichtung von Anfchütz wird durch Fig. 10 
erläutert. Sie belleht darin, daß der durch die Rotation des Kreifels im Gehäufep entftehende 
Luftltrom unten durch die Oeffnung c ausftrömt, die durch eine am Pendel d hängende Klappe 
teilweife gefchloffen ift. Wird beim Neigen der Kreifelachfe die freie Oeffnung a oder b mehr 
geöffnet bzw. gefchloffen, fo erzeugt der Rückftoß des ungleich verteilten Luftftroms ein Dreh- 
moment, das den Schwingungsausfchlag des Kreifels abdämpft    Später brachte 
Anfchütz die erwähnte Flüffigkeitsdämpfung nach Art der Schlingertanks unterhalb der Rofe an. 
Wenngleich die Konllruktion des Meridiankreifelkompaffes wohl gelungen war, fo lag 
doch eine gewiffe Gefahr vor, daß der Kreifelkompaß durch ftoßähnliche Schiffsfchwingungen 
aus feiner Richtung gebracht werden konnte. Anfchütz ging daher 1911 zum Dreikreife1- 
kompaß über (Fig.ll u.l2). Derfelbe belteht aus einem in einem Quecklilberbad beweg- 
lichen kugelförmigen Schwimmer, der an drei um 1200 verfetzten Armen drei um eine vertikale 
Achfe in Kugellagern drehbare Gehäufe trägt, in denen je ein Kreifel derart gelagert ift, daß 
die drei Kreifelachfen in einer Horizontalebene liegen. -Die Rofe ift unterhalb der Arme an 
dem Schwimmer befeftigt. Ein Kreifel ift im Süden der Rofe angeordnet und wird feine Achfe 
durch zwei Spiralfedern in der Nord-Südrichtung feltgehalten. Die beiden andern Kreifel 
{ind auf NW und NO aufgehängt und bilden ihre Achfen einen Winkel von 30" mit der Achfe 
des Südkreifels. Die Achfen diefer Seitenkreifel lind durch Schubftangen mit einem Winkel- 
hebel verbunden, der durch zwei Federn in feiner Mittelltellung gehalten wird. Bei einer 
Präzeflion der Kreifel infolge Kantungen des Schwimmers drehen {ich die Achfen der beiden 
feitlichen Kreifel im entgegengefetzten Sinne, fo daß ihre Fehlweifungen {tändig einander auf- 
heben. Durch diefe Konltruktion wird die zufammengefetzte Richtkraft der beiden Seitenkreifel 
riluf die Rofe übertragen, während die Achfe des Südkreifels ihren Einfluß der Rofe mitteilt 
11],    
Da die Richtkraft des Kreifelkompaffes um ein Vielfaches größer ift als die des betten 
Fluidkompaffes, fo kann feine Weifung durch elektrifche Uebertragung auf beliebig viele 
Tochterkompaffe ferngeleitet werden. Die Uebertragung der Weifung des Mutter- 
kompaffes gefchieht mit Hilfe des Wendemotors, der eine Verteilerwelle dreht, welche die 
Schrittmotoren der Tochterkompaffe und den Nachdrehmotor am Mutterkompaß mit Stromimpulfen 
befchickt. Der Mutterkompaß befindet {ich in einem hermetifch verfchloffenen, mit Wafferfloff 
gefüllten Gehäufe, wodurch die Oberflächenreibung der Kreifel geringer wird und die rotierenden 
Teile weniger abgenutzt werden. Die Tochterkompaffe arbeiten nach dem Prinzip der elek- 
trifchen Uhren, nur daß die Drehung einmal nach rechts, einmal nach links ift; lie erhalten 
da, wo {ie als Steuerkompaß Verwendung finden, in der Mitte der Gradrofe eine fog. Minuten- 
rofe, die bei einer Kursänderung von 100 eine ganze Umdrehung macht, fo daß der Mann 
am Ruder das geringfte Gieren des Schiffes leicht erkennen und das Ruderlegen nicht allein 
nach der Kursänderung, fondern fogar nach der Winkelgefchwindigkeit des gierenden Schiffes 
bewerkftelligen kann    
ß, Den Gipfel der Vollkommenheit erreicht in diefer Be- 
 ziehung das autornatifche Anfchütz-Selbftfteuer, 
   durch welches das Schiff bei fchwerem Seegang beffer 
 auf Kurs gehalteg wisrd, alä dles {der gefchickteftfehRuger- 
 78V " än er verma  as elbfl eueri eine mechani c e er- 
   ginäung eine? Kreifel-Tochterkompaffes mit der Ruder- 
ä  L   E.     
 g  „ mafchine des Schiffes. Das gerrngfteAusfcheren des Schiffes 
   t I i , löft an der Tochterkompaßrofe einen elektrifchen Kontakt 
   aus, der ein Relais betätigt, das einen entfprechend ftarken 
  Elektromotor einfchaltet, der das Ruderrad dreht. 
 K,   Durch Verbindung des Wendemotors der Kreifelkom- 
 "xx  paßanlage mit einem Kursfchreiber kann unter gleich- 
 t, 3  zeitiger Aufzeichnung der Zeiten und der Ruderlagen der 
 Q rh-  jeweils gelteuerte Kurs des Schiffes aufgezeichnet werden, 
   während unter Zuhilfenahme eines Fahrtmeffers oder Logs 
 [f  "   auf dem Anfch ütz-Kop peltifch der vom Schiff durch- 
 !    laufene Weg und demnach der jeweilige Schiifsort fett- 
 Q   geftellt werden kann  
 In den Vereinigten Staaten hat der Kreifelkompaß von 
  Sperry gleichfalls günltige Refultate erzielt (Fig. 13). Sperry 
 verwendet nur einen Kreifel von 8600 UmLfmin, der in 
   einem luftleeren Gehäufe b läuft. Das Gehäufe ift in einem 
Flg. 13. Ring d um zwei horizontale Achfen c drehbar gelagert und 
lind diefe Achfen um 90" gegenüber der Kreifelachfe a 
verdreht. Der Ring ift an einem Metallfaden e aufgehängt und von einem äußeren Ring g, von dem 
Erfinder „phantom' genannt, umgeben, der oben einen röhrenförmigen Auffatz h trägt, der durch 
ein Kugellager von den kreuzförmigen Armenj des Kompaßgehäufes getragen wird. Am oberen 
Ende des röhrenförmigen Auffatzes ift zugleich der Metallfaden einftellbar befetligt. Der Phan- 
tomring trägt innerhalb des Kompaßgehäufes, das an dem Cardanringk aufgehängt ift, die
        

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