Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hebelarm bis Mass
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3188643
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3192668
Kläranlagen 
383 
Abnahme des Oxydationsgrades um 60-800], und mehr bewirkt werden. Wefentlich ift es, daß 
in die biologifchen Körper (auch Oxydationskörper, Oxydationsfilter und Brockenkörper [131] 
genannt) reichlich Luft zutreten kann, wodurch allein eine Gewähr dafür gegeben ift, daß die 
in denfelben zurückgehaltenen Schmutzftoffe zerfetzt, mineralitiert und löslich gemacht werden. 
Wo befonders forgfältige Reinigung erforderlich ift, können zwei Abteilungen biologifcher 
Körper hintereinander gefchaltet werden. Wird in einen von dichten Wänden umgebenen bio- 
logifchen Körper von in der Regel l-1,3 m Höhe das Waffer 'eingefüllt (Verteilungsriiinen), 
dies hierauf 1-3 Stunden ruhig ftelren gelaffen und dann in einer etwa ljz-l ttündigen Ent- 
leerungszeit zum Ausfluß gebracht, fo haben wir es mit einem Füllkörper zu tun, und man 
fpricht vom künftlichen biologifchen Fiillverfahren. Wird das Wafier jedoch, im 
Gegenfatz zu dem  aus Kleinmaterial von 3-15 mm Korngröße beltehenden  Füllkörper 
über einen aus Stücken von Grobfchlacke von Hiihnerei- bis Straußeneigröße, oder von Koks 
u. dgl. bettehenden biologifchen Körper derart aufgebracht, daß es tropfenweife verteilt durch 
den l-2,5 m, im Mittel 1,5 m hohen Körper hindurchfickert, fo fpricht man vom kün ftl i c hen 
biologifchen Tropfverfahren (Tropfkörper). Die tropfenweife Verteilung des Walters 
auf den Tropfkörper läßt {ich entweder durch infolge Antriebes oder felbfttätig kreifende, ge- 
lochte Rohre (Sprinkler)  [l48], ferner durch vor- und rückwärts bewegte gelochte Rinnen 
[154] oder durch befonders konftruierte Tropfrinnen (Stoddard-Rinnen) [83] oder auch, wie es 
Dunbar empfohlen hat, dadurch bewerkftelligen, daß unter Anordnung einer vermittelnden 
Zwifchenfchicht auf den Tropfkörper eine Feinfchlackenfchicht von 0,30-0.50m Stärke auf- 
ebracht wird, welche dem Durchfluß des aufttrömenden und durch Rinnen verteilten Waffers 
ä) viel Widerftand entgegenfetzt, daß das Waffer unter geringer Anftauung {ich gleichmäßig 
auf der Oberfläche des Feinmaterials verbreitet und durch dasfelbe hindurchfickernd die darunter- 
liegenden Schichten gleichmäßig durchtropft. In Fig. 3, 3a und 3 b {ind die genannten drei 
biologifchen Reinigungsverfahren dargeftellt.  Gegen dauernde Ueberlattung lind die biologifchen 
Anlagen fehr empfindlich. Der Reinigungseffekt geht dann rafch zurück. Man follte unter 
mittleren Verhältniffcn lmß Füllkörper täglich mit nicht mehr als 15m3 Schmutzwaffer bei 
täglich zwei, mit möglichft langen Zwifchenpaufen voneinander getrennten Füllungen belaften. 
Auf 1 m3 Tropfkörper follte man gleichfalls in der Regel täglich nicht mehr als V2 m3 Schmutz- 
waffer aufbringen, wobei aber im Gegenfatz zum Fiillkörper ein ununterbrochener Zulauf des 
Schmutzwaffers {lattfinden kann. Ein ftoßweifer, intermittierender Wafferzulauf ift dabei zu 
empfehlen. Bei Tropfkörpern iti die Anlage einer mechanifchen Nachklärung empfehlenswert, 
durch welche die aus den Tropfkörpern vom Waffer mitgeriffenen, von der Oberfläche der 
Schlacken {ich ablöfenden, aber gewöhnlich nicht mehr fäulnisfähigen Schleim- und Belag- 
teile zur Sedimentierung gelangen. 
Um die Einführung und die witlenfchaftliche Unterfuchung der künftlichen biologifchen 
Reinigung haben {ich u. a. namentlich Dibdin in England, die Verfuchsftation zu Lawrence 
in Maffachufetts (Amerika), Du n b a r, P ro skau er, die Verfuchs- und Prüfungsanftalt für Waffer- 
verforgung und Abwäfferbefeitigung (Schmidtmann, Günther und deren Mitarbeiter) her- 
vorragend verdient gemacht (vgl. Literatur). S. a. [13l]. Ueber englifche biologifche Kläran- 
lagen geben Näheres   [108], [127], [130]. S. a. [113], [114], [116], [126]. 
Das Vferfaäirerär nfalghft lmEhrfoff[ in] Effen  Nr. l877ä3) wird 
von der Em cher eno en c a in en 110 im großen angewendet( mfcher- g-n-i" 
brunnen). Das Prinzip if't folgendes (vgl. die Quertchnittikizze Fig. 4): In einem   l 
Faulraum ift durch fchräge Zwifchenwände ein Abfitzraum hergeltellt. Der T_f j? 
Schlamm rutfcht durch Oeffnungen in den Faulraum. Das Waffer fließt nur   j   
durch den Abfitzraum, aber nicht durch den Faulraum. Das Verfahren ilt  fuw":  
alfo eine Verbindung vonAbfitz- und Faulverfahren in der Art,     
daß die Nachteile beider vermieden und die Vorteile beider vereinigt werden. X    
Das abfließende Waffer bleibt frifch wie bei einem guten Sedimentier- oder  
Abfitzverfahren; der Schlamm dagegen ilt ausgefault, an Menge verringert S" 
fowie leicht zu trocknen. Dabei ift der Betrieb einfach. Das Verfahren kann Fig_4_ 
fowohl als felbltändiges mechanifches Klärfyftem als auch in Verbindung mit 
biologifchen Körpern zur Ausführung gebracht werden. Das an {ich gleiche Prinzip der ge- 
trennten Behandlung von zu klärender Flüffigkeit und {ich abfetzendem Schlamm verfolgte 
Travis bei feinem Klärfyltem nach D.R.P. Nr. 173766 (f. u. XII). 
Vl. Elektrlfches Verfahren. 
Bei dem elektrifchen Klärungsverfahren wird ein fchwacher Strom von einigen 
Volt Spannung durch das Kanalwaffer geleitet, wobei Eifenplatfen als Elektroden dienen. Das 
Verfahren {gelit {ich teuer und hat keine praktifche Bedeutung erlangt. Näheres vgl.   
 34 1  
[32] l 1' l vu. Desinfektion der Abwäffer. 
Da immer mehr der größte Wert auf die durchgreifende Desinfektion am Krankenbett 
gelegt wird, fo wird in der Regel eine Desinfektion der gefamten Abwäffer auch im Falle des 
Auftretens einer Typhus- oder Choleraepidemie kaum mehr gefordert. Als geeignetftes und wirk- 
famftes Desinfektionsmittel wird Chlorkalk empfohlen. Näheres f.       
  [lll], [139], [153]. Neuerdings aber wird das Chlor in Gasform zugefetzt [156]. 
Vlll. Riickftände bei der Klärung. 
DieBefeitigung des Rückftandes der Sandfang- und Siebanlagen bietet 
in der Regel keine Schwierigkeiten, da es {ich nicht um große Mengen handelt und die Stoffe 
gewöhnlich zu brauchbarem Kompottdünger verarbeitet werden können     Eine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.