Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hebelarm bis Mass
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3188643
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3191316
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K ammerjdzleu je 
Treffen verfchiedenartige Wafferwege, wie Kanal, Fluß oder die See, an der Kammer- 
fchleufe zufammen, fo werden deren Häupter auch als Binnen- bzw. Außenhaupt bezeichnet. 
Statt der in Fig. 1 gekennzeichneten zweiflügeligen Tore (Stemmtore) können auch andere 
Tore angewendet werden; f. Schleufentor. Wenn der Wafferftand bald auf der einen, bald 
auf der andern Seite höher ift, kommen in einem oder in beiden Häuptern einer Kammer- 
fchleufe Doppeltore vor, d. h. zwei Torpaare, die nach entgegengefetzten Seiten aufgehen 
oder kehren (Fig. 2); dies wird z. B. an der Abzweigungsttelle eines Nx 
Kanales von einem Fluffe nötig, wo nur das l-lochwaffer desfelben  9)  
höher als der Kanalfpiegel itt, fo daß hier das hinzukommende g a S; 
Hochwaffer vom Eintritt in den Kanal abzuhalten ift, alfo die   XXXXNX 
Aufgabe einer Scliutzfchleufe (f. d.) zu erfüllen hat. I   V3?- 
Das Füllen oder Entleeren der Kammer erfolgt bei 1ßli   ' "F 
Schleufen älterer Konftruktion nur mit Hilfe der Tor- Ii f! u: 
fchützen, fpäter wurden in den Häuptern nur kurze, die f. i  ä  
Tore umgehende Umlaufskanäle angeordnet, die fchließ-  F    . F:  
lich durch die in Fig.l dargeftellten Längsumläufe k I l.  uli 
mitlStichkanälen m erfetzt wurden, um während der      
Fül ung bzw. Leerung der Kammer den Schiffen fchäd-    
liche Wafferbewegungen zu vermeiden. In neuerer Zeit  
hat man die koftfpieligen Längsumläufe zuguntten der  
kurzen Torumläufe wieder aufgegeben, nachdem Modell- Fig- 2-  
verfuche gezeigt haben, daß auch bei diefen durch  
anfängliches langfames Anheben der Schützverfchlüffe fchädliche Wellenbewegungen  
in der Schleufenkammer vermieden werden können   
Als Verfchlußvorrichtung für die Umlaufkanäle dienen Schützen, und man unterfcheidet 
je nach der Anordnung und Konttruktionsart derfelben vertikale, feltener horizontale Zug- 
fchützen, die zur Erleichterung ihrer Bewegung häufig als Rollfchützen und zur Sicherung 
dichten Abfchluties meilt als Rollkeilfchützen ausgeführt werden. Andere Formen der 
Umlaufverfchlüffe itellen die Dreh-, Klapp- und S egmentfchützen dar, wozu in neuerer 
Zeit eine Abfperrvorrichtung mittels Hebern (Syftem Hotopp) getreten ift. Befonders bevorzugt 
find auch die Zylinderfchützen in offener oder gedeckter Form, da tie fehr leicht be- 
weglich find; durch Zacken am unteren Ende (Zackenfchütz) ermöglichen fie einen anfänglich 
fehr geringen Wafferzulauf  
Erweitert man eine Schleufenkammer für die Aufnahmeimehrerer Schiffe, fo enttteht die 
Keffelfchleufe. Früher erhielten folche gegen die Längsachfe verfetzte Häupter, damit 
das zuertt eingefahrene Schiff auch zuertt ausfahren kann. Verlängert man die Schleufenkammer, 
fo daß ganze Schleppzüge mit oder ohne Dampfer in ihr Platz finden können, fo enttteht die 
Zugfchleufe, die bei großer Länge oft ein Zwifchenhaupt erhält, um bei einzeln 
fahrenden Schiffen nur einen Teil der Schleufe benutzen zu brauchen und dadurch Zeit und 
Waffer zu erfparen. 
Wird das Schleufengefälle fehr groß, fo nimmt die Kammer die Gettalt eines Schachtes 
an, und es entfteht die Schachtfchleufe. Bei diefen und andern Schleufen mit größerem 
Gefälle kann man durch Anordnung von feitlich neben den Schleufenmauern oder auch bei 
großer Höhe in diefen vorgefehene Wafferbecken einen großen Teil des zur Kammerfüllung 
gebrauchten Waffers bei der Entleerung der Kammer auffparen und bei der nächtten Füllung 
wiederverwenden. Durch diefe S pa rb e c k en entfteht die S p a rfch l eu fe (größte Ausführungen 
in Deutfchland bei Henrichenburg am Dortmund-Ems-Kanal und bei Minden am Mittelland- 
kanal für den Abftieg zur Wefer für 14-15 m Gefälle). 
An Stelle einer Schachtfchleufe kann man mehrere Kammerfchleufen dicht hintereinander 
mit nur kurzen Zwifchenhaltungen anordnen, dann enttteht die Schleufentreppe, wie z. B. 
am Großfchiffahrtsweg Berlin-Stettin bei Liepe mit 4 Schleufen von 9 m Gefälle und Zwifchen- 
haltungen von rd. 260 m. Weniger zu empfehlen ilt die Kuppelfchleufe, bei der die 
Zwifchenhaltungen ganz fortfallen und die Schleufen fo zufammengefchoben werden, daß je- 
weilig das Unterhaupt der oberen Schleufe das Oberhaupt der nächttfolgenden bildet, z. B. 
bei (jatun am Panamakanal. 
Wenn bei größerem Verkehr zwei Schleufen nebeneinander angelegt werden, fo entttehen 
Zwillings- oder Doppelfchleufen, bei unficherem Baugrund werden fie beffer völlig 
getrennt anftatt mit gemeinfamer Mittelmauer ausgeführt. Im Senkun sgebiet des Kohlenberg- 
baues hat man die beiden Schleufen einer Stauftufe des Rhein-Herneianals Jußtapfenförmig" 
um 75 m gegeneinander verfchoben, damit Senkungen der einen Schleufe die andere nicht in 
Mitleidenfchaft ziehen (Fig. 3 u. 4). 
Selten vorkommende Schleufenarten wie Weichen- oder Kreuzungsfchleufen 
werden bei Kanalabzweigungen oder Kanalkreuzungen angewendet, fie erhalten je nach Bedarf 
3 bzw. 4 Schleufenhäupter und entfprechend ausgebildete Kammern. 
An Stelle der bereits erwähnten Dammbalken als Notverfchlüffe für Ausbefferungen der 
Schleufen werden in neuerer Zeit häufig Nadelwehre oder auch andere Formen beweglicher 
Wehre und bei fehr großen Schleufen Schwimmpontons bzw. Schwimmtore benutzt. 
Die Abmeffungen der Kammerfchleufen richten {ich nach der Größe und der Tauch- 
tiefe der durchzufchleufenden Schiffe. Wohl die größte Binnenfchiffahrtsfchleufe wird zur Zeit 
am Mittellandkanal bei Anderten mit 225 m Länge, 12 m Breite, 3 m Waffertiefe und 15 m Ge- 
fälle als Schachtfchleufe mit Sparbecken errichtet. Von den Seekammerfchleufen waren bisher 
die neuen Schleufen am Kaifer-Wilhelm-Kanal mit 330 m nutzbarer Länge und 45 m Weite bei 
rd. 14 m Waffertiefe die größten Schleufen der Welt, länger und weiter als die Schleufen des
        

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