Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hebelarm bis Mass
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3188643
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3190953
212 
Kalkjiein 
Luft wird er gelblich und bräunlich, und zwar je lchlechter die Politur, delto rafcher. Die zweite 
Qualität (Statuario Carrara) ift weiß, aber etwas gefleckt, etwas glimmerhallig, gegen Atmo- 
lphärilien empfindlich. Die dritte Qualität (Statuario ravaccione) ilt weiß, grau gefleckt oder 
geädert, undurchfcheinend, ziemlich wetterbelländig und bleibt weiß. Andere Arten lind: Bar- 
diglio fiorito, blaugrau mit fchwarzen Adern; Biancha chiaro, weiß mit bläulichen Adern; Pa- 
vonazzo, weiß mit violetten Adern.  Aelinliche Marmore wie Carrara liefern die Umgebungen 
von Laas und Sterzing in Tirol, Saint Beat (Hautes Pyrenees) und Gabas (BalTes-Pyrenees) in 
Frankreich, Ruskicza im Banat, Sarhegy in Siebenbürgen ulw. 
ll. Dichter Kalkftein. Die Kalkfpatkörnchen, die ihn zulammenfetzen, lind lo klein, daß 
lie lich mit unbewaifnetem Auge nicht mehr unterlcheiden lallen. Die Bruchflächen lind matt, 
nicht fchimmernd, flachmulchelig oder lplittrig.  Farbe: hell, meilt hellgrau. Färbende Bei- 
mengungen: Eilenoxyde und -hydrate (gelb, rot, braun), Kohle (lchwarz), Eilenkies (grau und 
blau). Die Färbung ilt teils gleichmäßig, teils in Flecken, Wolken, Adern ulw. angeordnet. 
Kalkfteine, die viele Verlteinerungen (Korallen, Mufcheln, Schnecken, Krinoideen ulw.) ent- 
halten, lind verlchiedenfarbig. Dichte Kalklteine lind undurchlcheinend. Der lithographilche 
Kalkltein von Solnhofen zeichnet lich durch ein gleichmäßiges Korn aus. In andern wechleln 
gröbere kriltalline Teile mit dichten. Die geringlte beobachtete Korngröße ilt 0,0015 mm. Als 
Sedimente lind lie lehr oft vermengt mit Ton, Sand, Dolomit ulw. Bei der Löfung in Salzfäure 
bleibt daher oft großer Rückftand. Lumachellen heißen Kalkfteine, die aus Bruchltücken 
oder Ueberrelten von Mulcheln und Schnecken bellehen. Die dichten Kalklteine treten belon- 
ders in den marinen Schichten des Mittel- und Oberdevons, des Kohlenkalks, des Zechfteins, 
Mufchelkalks, der alpinen Trias und der Juraformation auf. Die Bezeichnungen Alpenkalk, 
.lura-, Mulchelkalk ulw. nennen die Herkunft, bedeuten aber keine bellimmte Belchaffen- 
heit. Abänderungen des dichten Kalklteins: 1. Dolomitilcher Kalkltein, mit Gehalt an 
kohlenfaurer Magnelia. Höheres lpeziiilches Gewicht als Kalkftein, zuweilen porös, gelblichgrau. 
2. Kiefelkalk, mit hohem (bis 4805) Gehalt an Kielelfäure, die teils gleichmäßig, teils in 
Neltern und Adern von Hornltein oder Chalzedon auftritt. Mit bloßem Auge oft nicht erkenn- 
bar, verleiht die Kielelfäure dem Geltein einen bis 6 lteigenden Härtegrad. Bei der Löfung in 
Säure bleibt die Kiefelläure zurück. Solche Kalke lind zu Baulteinen und als Straßenfchotter 
gut zu verwenden. Eine gleichmäßige Politur nehmen lie wegen der weit auseinanderliegenden 
Härlegrade  nur dann an, wenn der Kiefelfäuregehalt gleichmäßig im Geltein verteilt ilt. 
3. Toniger Kalkltein, mit kiefellaurer Tonerde (bis 250,10), meilt gelb oder grau, ziemlich 
weich, oft erdig, in Mergel übergehend. Für die Bodenbildung, auch für Herltellung von Zement 
oft lehr geeignet, dagegen lellen polilurfähig. 4. Flaferkalk (Nierenkalk), dichte Kalklinlen 
oder -nieren, mit Tonlchiefer wellig durchflochten und verwachfen. Bei der Löfung des Kalks 
bleibt der Tonlchiefer netzarlig zurück. Sind Kalk und Schiefer verfchieden gefärbt und das 
Geftein alfo bunt, gleichzeitig felt, fo werden lolche Flalerkalke als Marmore verfchliffen und 
poliert-ö. Stinkkalk, an Bitumen reicher, beim Anlchlagen brenzlich riechender Kalkltein, 
meilt grau oder gelblich und braun. Meilt ift Ton beigemengt. Manche bitumenreiche Stink- 
kalke werden zur Alphaltgewinnung benutzt.  Dichte Kalklteine, die lich polieren laffen, gelten 
in der Technik auch als „Marmore". Ihre Verwendung, vornehmlich für Wandverkleidungen, 
Bodenbelag, Geßmfe ulw., ilt lehr ausgedehnt. Die Farben lind oft nicht wetterbelländig; da- 
her vorwiegend für lnnenausltattung geeignet. Man unterlcheidet: Lichten Marmor. Hierher: 
Marmo cipolazzo, weiß und violett; Marmo fior di Persico, weiß und grau mit roten Flecken; 
Untersberger Marmor (vom Untersberg bei Salzburg), hellrötlich mit weißen Flecken; Adneter 
Kalk (von Adnet bei Hallein), lichtgelb. Roter Marmor: Marmo rosso antico (Aegypten), 
dunkelrot mit fchwarzen Punkten, lehr wertvoll. Grüner Marmor, ziemlich leiten: Marmo 
verde. Blauer Marmor: Marbre bleu des Grisons et du Valais (Schweiz). Grauer Marmor: 
in Steiermark, in Nalfau, am Harz, Aachen, in Südbayern, lehr felt, hellgrau; Granit Beige 
von Mons in Belgien, dunkelgrau, falt ganz aus Gliedern von in hellgrauen Kalklpat um- 
gewandelten Krinoideen beltehend; Marmor von Maubeuge, lchwarzgrau, mit weißen Adern 
und Flecken, zu Tifchplatten und Wandverkleidungen viel gebraucht. Schwarzer Marmor: 
Marmo nero d'Egitto von Lesbos (antiker Marmor), Mulchelmarmore (Lumachelle) und 
Breccien- oder Tr üm m erma rm o re mit größeren, und Brocatello, Scherbenkalk mit kleinen 
Fragmenten: Solothurn, Carrara. Die Mulchelmarmore erhalten ein außergewöhnliches Farben- 
lpiel, wenn die Perlmutterlubttanz der verkitteten Schalen noch erhalten blieb. Breccienmarmore 
zeichnen [ich nicht lelten durch abwechllungsreiche, bunte Töne aus. Ruinen-Marmor 
heißt ein dichter, gelblich-grauer Kalkltein, der an Ruinen oder Fellen erinnernde, durch fein- 
verteiltes Brauneilenerz erzeugte Zeichnungen auf den Schliffflächen zeigt. 
lll. Oolithifche Kalkfteine. Runde, radialfalerige, hirle- bis erblengroße Kalkkörner lind 
durch eine dichte Kalklleinmafle verkittet. Die Bindemalfe kann bis zur Berührung der Körner 
zurücktreten.  Sie lind meilt hell gefärbt und deutlich gelchichtet und treten vorzugsweife 
in der Trias- und Juraformation auf. Werden die oolithilchen Kalkkörner aufgelölt, lo tritt an 
ihre Stelle ein ebenlo geftalteter Hohlraum. Der Kalkltein erhält dann ein feinblalig-poröles, 
fchaumiges Ausfehen (,Schaumkalk'). Treten die Oolithkörner gegen die Zwifchenmalle zurück, 
lo werden Uebergänge zu dichtem Kalk erzeugt, wie in dem lehr felten Hornkalk. Der 
englifche Foreftmarmor (weißer Jura) ilt gelber bis rötlicher, aus Schalenbruchltücken be- 
ltehender, mitunter oolithilcher Kalkliein. Rogenltein heißen die Oolithe mit mergeligem 
oder kalkiglandigem Bindemittel. Die Oolithe (Regen) lind meift lehr gleichmäßig (Größe bis 
2 mm), radialtaferig und oft anders gefärbt als die Zwifchenmafle. Felle Rogenlteine werden 
wie Marmore gelchliffen und poliert. 
IV. Poröfe Kalkfteine lind meilt Abfätze aus füßem Waller, befonders von Quellen: 
Kalktuffe. Sie lind meift hellgrau oder gelblich, mitunter erdig, vielfach zellig mit Pflanzen-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.