Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Element bis Hebel
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3179976
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3187638
Gutta-Gentzfdl 
Guttapenha 
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Hin und wieder werden Gütezahlen, wie die Summe von Zugfeftigkeit K; und Bruchdehnung 6, 
oder das Produkt aus Zugfeltigkeit und Einfchnürung lp verwendet; lie haben keine phylikalifche 
Bedeutung; zutreffenderweife ill ihnen zufolge ein Werklloff um fo beffer, je größer bei gleicher 
Felligkeit {eine Zähigkeit ö oder u) ilt; nicht aber ilt der Werkltoff mit höherer Gütezahl (KZ-l- ö) 
oder Kz- 1;: immer der beffere. Das letztere gilt auch von der Arbeitskapazität als Güteziffer. 
Die zweckmäßige Beurteilung der Güte des Werkftoffes im Hinblick auf einen beliimmten 
Gebrauchszweck oder auch auf die Wahl des zweckmäßigften Werkltoffes verlangt, daß die tech- 
nifchen und wirtfchaftlichen Anforderungen an den Werkltoff im einzelnen Verwendungsfall klar 
erkannt lind und ebenfo die zur Feltltellung der erlteren geeigneten Prüfverfahren die dann 
unmittelbar praktifch übertragbaren Gütezahlen ergeben. 
Ueblicherweife wird die Güte des Werkltoffes auf Grund des Zerreißverfuches nach Fettig- 
keit und Bruchdehnung beurteilt; diefe bilden vergleichende Gütezahlen für die Fettig- 
keit und Zähigkeit bei ruhendem Zug. Die beiden Gütezahlen, wie auch" die übrigen oben 
erwähnten, lind nur dann vergleichbar, wenn einheitliche Prüfverfahren und Probekörper be- 
nützt werden. Man glaubt, mit Hilfe der Feftigkeit und Bruchdehnung einen erprobten Werk- 
ltoff wieder erkennen (indentifizieren) zu können. Eine unmittelbare Uebertragbarkeit ilt nicht 
immer vorhanden, z. B. wenn für eine Kolbenltange Tiegelftahl von bettimmter Feltigkeit, Dehnung 
und Einlchnürung vorgefchrieben wird. Im Stahlhandel werden die Gütezahlen, Feltigkeit und 
Dehnung, nicht felten in einerWeife benützt, die mit der Gebrauchsfähigkeit des Stahles nichts 
mehr zu tun hat. Bei der praktilchen Handhabung der beiden Gütezahlen K: und ö und bei 
Beurteilung der Werkltoffgüte wird vielfach der Bruchdehnung ein übertriebener Wert beigelegt. 
Zähigkeit ilt wertvoll bei Dampfkeffelblech, Tiefziehblech, Draht, Betoneifen, das gebogen werden 
muß, bei verwickelt geformten Stücken, die gehärtet werden und die beim Abfchrecken ent- 
ltehenden Härtefpannungen belTer vertragen; lie bietet auch befonders bei Stoß eine zweite 
Sicherheit gegen Bruch, der erlt nach bleibender Verformung eintritt. In den zahlreichen Fällen 
der auf Schwingungsfeftigkeit beanfpruchten Mafchinen- und Bauteile (Wellen u. a.) ilt iie von 
untergeordnetem Wert (f. Arbeitsfeftigkeit); nach der Stribeckfchen Regel lind Streck- 
grenze und Feltigkeit maßgebend und bei gleicher Feltigkeit hochgelegene Streckgrenze. Der 
Streckgrenze fcheint neuerdings bei zähen Werkttoffen mehr Bedeutung beigelegt zu werden 
als der Felligkeit. 
Behörden und Verbände haben Gütevorfchriften für Werkltoffe weitgehend ausgearbeitet, 
fo die Eiienbahn, Heer und Marine, die an dem Bau und Betrieb von Land- und Schilfsdampf- 
keffeln, ferner von Bau- und Eifenkonftruktionen beteiligten Kreife, der Verein deutfcher Eifen- 
hüttenleute (Vorfchriften für die Lieferung von Elfen und Stahl, 1. Aufl. 1889: „zur Erleichterung 
des Verkehrs zwifchen Herltellern und Verbrauchern, um der Ausführung mangelhafter Lie- 
ferungen und einfeitigen übertriebenen Anfprüchen vorzubeugen'); auch zahlreiche Firmen der 
Werkttoff verbrauchenden Indulirie haben Giitevorichriften und abgekiirzte Werklloffbezeichnungen 
aufgehellt. Für handelsüblichen Werkftoff hat der Normenausfchuß der deutfchen Indulirie unter 
Mitwirkung der Herlteller und Verbraucher, des Handels und des deutfchen Verbands für die 
Materialprüfungen der Technik Werkltoffnormen aufgeltellt (DIN 1600  der Fortfchritt liegt 
in der Aufftellung einheitlicher Begriffe Stahl, Stahlguß, Gußeifen, Temperguß, einheitlicher 
Werkltoffbezeichnungen in den Stückliften, in vereinfachter Lagerhaltung, Ueberlicht über den 
Gefamtbedarf in den einzelnen Grundforten, in der erzieheriichen Wirkung auf den Konltrukteur, 
der z. B. ltatt früher zwifchen ,Flußeifen' und „Flußltahl' nunmehr zwifchen den genormten 
Stahlforten zu wählen hat. In fchwierigen neuartigen Fällen wird empfohlen, daß der Werkftoff- 
verbraucher dem Herlteller den Verwendungszweck mitteilt. 
Literatur: [l] Wöhler, Die Klaflifik. v. Elfen u. Stahl, Deutfche Bauztg. 1876, Nr. 89.  
[2] Denkfchr. üb. d. Einführ. einer ttaatl. anerk. Klaflifikation v. Eifen u. Stahl, Organ f. d. Fortfchr. 
d. Eifenbahnw., 7. Suppl.-Bd.; Die Eigenfch. v. Eifen u. Stahl, Wiesbaden 188O.- [3] Tetmajer. Zur 
Frage d. Qualitätsbeftimm. v. Eifen u. Stahl, Eifenbahn 1881, II, S. 16,92; 1882, I, 5.109.  
[4] Wedding, Ueber d. Beding. d. Deutfch. Eifenbahnverw. f. d. Lief. v. Schienen ut'w., Glafers 
Ann. 1882, X, S. 63, 137, 149 (Vortr. u. Disk., vgl. .Stahl und Eil'en' 1881, 1882, 1889).  [5] Tet- 
majer, Die angew. Elaltiz.- u. Feftigkeitslehre, Leipzig u. Wien 1904, S. 27, 218.  [6] Krohn, Ueb. 
d. Dimenf. v. Eifenkonftr. u. üb. Wertziff., Zeitfchr. d. Ver. deutfch. lng. 1885, S. 153. Enßlm 
Gutta-Gentzfch, künltliche Guttapercha, mit Kautfchuk und Wachs mit hohem Schmelz- 
Eunkt durch inniges Durchkneten hergeltellt. Das Wachs kann auch durch Afphalt, Teer oder 
ech erfetzt werden, deren Schmelzpunkte durch Eintropfen von Waffer erhöht werden. Jentfdr 
Guttalin, Kautfchukerfatz aus Manilagummi, Bitumen, I-Iarzöl und Schwefel, 
Auch Bezeichnung für ein Lederglanzmrttel. 
Guttapercha, Gummi gettania, Gutta Pertscha (Gettania, Tuban), eine mit 
Kautfchuk und noch mehr mit Balata nahe verwandte Subltanz. 
Neben Palaquium gutta (Ho0k.) Burck (Isonandra gutta Hook.), Sapotaceae, früher der 
wichtigften Guttapercha liefernden Pflanze, heimifch in Urwäldern auf Singapore, jetzt völlig 
ausgerottet und nur noch in Kulturen vorhanden, lind als Stammpflanzen zu nennen: Palaquium 
oblongifolium Burck (Isonandra gutta var. oblongifolia de  heimifch auf Malakka, Riouw, 
Sumatra, Borneo, liefert die bette Droge. Palaquium borneense Burck auf Borneo, Palaquium 
Treubii Burck auf Banka und mehrere andere Palaquiumarten. Payena Leerii Benth. et Hook. 
auf Malakka, Sumatra, Borneo, Banka und Amboina liefert eine vorzügliche, hellfarbige Gutta- 
percha, die aber leicht faferig wird. Zur Kultur kommen Palaquium gutta, P. oblongifolium 
als die wichtigften, ferner P. oxyleganum, P. obovatum, P. Treubii und Payena Leerii zumeift 
in Betracht. In Neuguinea liefert Palaquium Stupfianum Schlecht. ein brauchbares Produkt.
        

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