Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Element bis Hebel
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3179976
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3186844
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Glyzerinleim 
Gßrzerirzwäjfer 
als Zuckerfirup anzufehen; Glyzerinol für kosmetifchen Gebrauch, ein Pflanzenfchleim, 
mittels Borfäure konferviert; Glyzerinora aus Chlorkalzium, milchfaurem Kalzium und 
Pflanzenfchleim beftehend; Glykol, Togoglykol, nach patentiertem Verfahren hergeftellt, auch 
für pharmazeutifche Zwecke; Lempelin, Abkochung von Karragheenmoos mit Borax und 
Formaldehyd, für kosmetifchen Gebrauch; Mollohorus, eine hochprozentige flüftige Raffi- 
nade, Invert- und Rohrzucker enthaltend, für kosmetifchen und technifchen Gebrauch; Nova- 
glyzerin nur technifch verwendbar, eine leicht verderbende Leimlöfung; Perglyzerin, 
eine Löfung von milchfaurem Natron, und Perkaglyzerin, ein Kaliumlaktat; Proglyzerin , 
eine flüflige Lanoliriemulfion; Protolglyzerin für Heereszwecke; fynthetifch es Gly- 
zerin, überall dort brauchbar, wo die Aufnahmefähigkeit oder die Mifchbarkeit mit Waffer 
und die Schlüpfrigkeit in Betracht kommt, {ind höhere Alkohole der gleichen aliphatifchen 
Reihe, fo das Erythrit, Pentahydrit, Arabinofe und Xylofe. Erythrit, ein dem Glyzerin zunächft 
{lebender Alkohol, kann aus Algen und Flechten oder auf fynthetifcliem Wege gewonnen 
werden; fynthetifch kann man es aus Leuchtgas herftellen; es ift wie Glyzerin nitrierbar. 
Pentahydrit wird durch Einwirkung von Formaldehyd und Azetaldehyd auf ein Gemifch von 
Aetzkaik und Waffer hergetlellt. Arabinofe durch Kochen von Kirfchgummi mit Schwefelfäure, 
Xylofe durch Behandlung von Sägefpänen und Strohmehl mit Schwefelfäure. J. K. Amtes 
Glyzerlnleim, zähe, plattifche, nicht übermäßig klebende, in der Wärme 
erweichende und {ich verflüftigende Maffe aus Leim oder Gelatine (auch Agar- 
Agar, chinetifche Pflanzengelatine), Glyzerin und teilweife aus Sirup. 
Die Maffe dient zu Stempeln, Druckplatten, Buchdruckwalzen, elaflifchen Formen für 
Gips- und Zementguß, auch als Maffe für Vervielfältigungsapparate (Hektogiaphen). Sie kann 
mehrmals umgefchmolzen werden, ohne {ich zu verändern; Tannin und andere Chemikalien 
machen {ie in Waffer unlöslich. J. K. Andes 
Glyzerinphosphorfäure,  findet {ich als ein Haupt- 
beftandteil der Gehirnfubttanz, ferner im Eidotter als Lezithin, an Cholin und 
höhere Fettfäuren gebunden; außerdem kommt {ie im Nervengewebe, in der 
Galle, in den Blutkörperchen und weit verbreitet im Pflanzenreich vor. 
Die Glyzerinphosphorfäure kommt als 20- und öOoloige Löfung in den Handel; ihr Natrium- 
falz gibt weiße, in Waffer lösliche Kriftalle. Das Natrium- und das Kalziumfalz werden für 
medizinifche Zwecke häufig verwendet. Hergeftellt wird die Glyzerinphosphorfäure durch 
Erhitzen von gleichen Teilen Glyzerin mit giatiger Phosphorfäure auf etwa 110"; an Stelle 
von Phosphorfäure können auch Kalziumphosphate unter Zufatz von Schwefelfäure verwendet 
werden. 
Literatur: Ullmann, Enzykl. d. techn. Chemie, Berlin l9l4ff. Mezger 
Glyzerinfeifen waren urfprünglich Toilettefeifen mit Zufatz von Glyzerin. 
Auch heute kommen noch folche Seiten, und zwar fowohl pilierte wie auf kaltem 
Wege hergeitellte (f. Seite), unter diefer Bezeichnung im Handel vor. Haupt- 
fächlich bezeichnet man aber hiermit transparente Seifen, die teils mit, teils 
ohne Zufatz von Glyzerin, Sprit oder Zuckerlöfung hergeftellt werden. 
Ein Rezept zur Hertlellung von transparenter Glyzerinf ife itt z. B.: 30 kg Kokosöl und 20 kg 
Talg werden gefchmolzen, dann 10 kg Rizinusöl und 12 kg Glyzerin von 28" Be zugefetzt und 
diefe Maffe auf 80" erwärmt. Hierauf gießt man 30 kg Natronlauge von 38" Be, vorher erwärmt 
auf 62 0,zu und vermifcht die Fettmaffe mit 24 kg Qöprozentigem Spiritus, unter tüchtigem Rühren, 
worauf unter Aufkochen die volittändige Verfeifung eintritt; eine erkaltete Probe wird {ich 
fett und transparent zeigen.- Fiüffige Glyzerinfeife ift eine Auflöfung von Kalifeife in Glyzerin. 
Literatur: [1] Deite-Schrauth, Handb. d. Seifenfabrik, 5. Aufl., Bd. 2, Berlin 1921. Bauer 
Glyzerinwäffer. Dies {ind die bei der Spaltung von Oelen und Fetten 
anfallenden, das Glyzerin neben andern Verunreinigungen enthaltenden Abwäffer. 
Glyzeringehalt und Verunreinigungen {ind je nach dem Spaltungsverfahren und 
der Art des betreffenden Fettes verfchieden. 
 Glyzerinwätter aus der Autoklavenverfeifung. Dichte 4-5 B6, aus 2500 kg Fett 
1200-15001 Glyzerinwäffer. An Verunreinigungen enthalten {ie emulgierte Fetteilchen, lösliche 
Fetffäuren fowie lösliche Salze diefer Säurtn mit dem jeweiligen Spaltmittel und Eiweißkörper. 
Reaktion fauer. Die Verarbeitung zur Reinigung ift verfchieden. Empfohlen wird Aufkochen 
unter Zufatz von Schwefelfäure, Abfchöpfen der Fettfäure und Eindampfen auf 415, Zufatz von 
Kalkmilch bis zur aikalifchen Reaktion, und Filtriereri. Filtrat mit fchwetelfaurer Tonerde genau 
neutralifieren und erneut filtrieren. Vorteilhaft itt es, die Kalkfalze reftlos zu entfernen, hier-- 
für kann Zufatz von Oxalfäure oder oxalfaurem Ammonium oder Behandlung mit CO, emp- 
fohlen werden  Andere Verfahren {ind von Verb eek  Zipfer  Benz I4]. 
Beim Twitch ell- Verfah ren enthält das abgezogene Glyzerinwaffer, wenn zur Spaltung 
gut gereinigte Fette gelangten und Kondenswaffer verwandt wurde, nur freie Schwefelfäure und 
Sulfofettfäuren, die entfernt werden müffen. Man läßt das Glyzerinwaffer gut abftehen, fchopft 
die obenauf fcliwimmenden Fettfäuren gut ab und kocht unter Zufatz von fein gepulvertßm 
Bariumkarbonat, bis das Glyzerinwaffer nur noch fchwachfaure Reaktion zeigt, die durch vor- 
{ichiige Zugabe von in Cilyzerinwaffer gelöttem Bariumhydroxyd befeitigt wird. Man läßt nun 
abfitzen, zieht das klare Glyzerinwaffer ab und dampft ein. 
Die Glyzerinwäffer von der fermentativen Fettfpaltung enthalten freie Schwefel- 
fäure und Mauganfulfat und werden mit Kalkmilch gekocht. Es fcheiden {ich Manganhydroxyd,
        

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