Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Element bis Hebel
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3179976
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3186359
Gipsgiiffß 
Gipskalk 
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Gipsgüffe, plaltilche Darllellungen, hergeftellt aus gebranntem, pulveriliertem 
Gips durch Anrühren mit Wafler und Eingießen der Malle in Formen. Auch durch 
Einftampfen von Gips in metallene Formen und Durchtreiben von Wafferdampf, 
wodurch der Gips abgelöfcht wird, llellt man Gipsgülle her. 
Die Formen lind entweder (ftarre) Gips- oder elaltifche Glyzerinleimformen; letztere lind 
vorzuziehen. da lie umgießbar und unzerbrechlich lind. Beim Gießen werden die Formen mit 
Oel oder Fett ausgeltrichen und der angeriihrte Gips eingegoßen, vor dem Abbinden, kurz 
nach dem Beginn des Erliarrens und vor der eintretenden Erwärmung aus der Form genommen, 
trocknen und erhärten gefallen. Allgemeine Regeln für das Anrühren des Gipfes zum Gießen 
find: 1. das Waller nie auf den Gips zu gießen, fondern diefen ins WaiTer einzurühren; 2. der 
Gips darf nie in zu großer Menge auf einmal eingetragen werden; 3. langes Rühren ver- 
mindert die Bindekraft; 4. je geringer die zum Anrühren benutzte Watlermenge, um fo dichter 
und um fo härter wird der Guß; 5. die Bildung von Luftblafen ill tunlichlt zu vermeiden. 
Richtig angemachter Gips erftarrt in wenigen Minuten; man fucht das Erltarren zu verzögern, 
indem man Borax, gepulverte Eibifchwurzel, Leimwaßer u. dgl. in gewil1'en VerhältnilTen zuletzt. 
Um Gipsgiiffe zu verftärken, verwendet man bei flachen, lchülTelförmigen Gegenftänden 
grobe Leinwand, bei Poftamenten u. dgLEifendrähte, Hanffchnüre, Holzltücke, Blechltreifen. 
Nach Til f ot nehmen Gipsgüfle eine größere Feftigkeit an, wenn lie nach dem Erhärten ab- 
ivechlelnd in Waller getaucht und getrocknet werden. Pan nave wendete Alaunlöfung, 
Dermftädt Barytlöfung an, Heinma nn tränkt aus rohem Gipsllein gefertigte Gegenllände 
mit Löfungen von Chlorkalium und fchwefelfaurer Magnelia. J ulhe benutzt eine Mifchung 
von 6 Teilen Gips und 1 Teil Kalk mit Waffer und behandelt die fertigen Gegenftände in 
einem Sulfat, während Reißig kielelfaures Kali (Kaliwaüerglas) anwendet. 
Zwei Verfahren, befonders harte Gipsabgüüe herzultellen, lind die folgenden, doch lind 
lie nicht für alle Güfle ausführbar. Frifcligebrannter Gips, lofort nach dem Brennen in eine 
Alaunlöfung eingelegt, oder gepulverter Gips mit Alaunlöfung angerührt und hierauf nochmals 
gebrannt (bei einer gleichmäßigen Temperatur) liefert ein Material, das harte, falt marmor- 
artige, an den Kanten transparente Gipsgüffe gibt. Abate wendet zum Löfchen Waffer in 
Dampfform an. Er bringt den gebrannten Gips in eine Trommel, die lich um ihre Achfe dreht, 
leitet Dampf ein, bis der Gips genügend WalIer aufgenommen hat, worauf der noch immer 
feinpulverige Gips in eifernen Formen einem kräftigen hydraulilchen Druck ausgefetzt wird; 
die erhaltene Mafle ifl vollkommen dicht und hart, nimmt Marmorpolitur an. 
Die Herftellung abwafchbarer Gipsgüffe ili längtl angeilrebt worden; Wafferglas ilt gut 
in Verbindung mit Eiweißfubltanz. Reißt , Leuchs und Filfi nger imprägnieren mit Baryt- 
waffer; auch v. Dechand wendet Baryäölung an, läßt die Gegenftände 24 Stunden darin, 
dann 3-4 Tage bei gewöhnlicher Zimmertemperatur trocknen, bringt lie dann in eine heiße 
Auflöfung von Kernleite in Waffer und trocknet nach dem Abfpülen in geeigneten Trocken- 
räumen. Pufcher verwendet eine alkoholifche Löfung von ttearinfaurem Kali. Das iicherlte 
Mittel ill Ueberziehen der GipsabgülTe mit einer Schellacklöfung und hierauf mit Oelfarbe, 
wodurch allerdings Feinheiten der Modellierung verloren gehen; auch Tränken mit heißem 
Leinölfirnis oder mit einer Löfung von Wachs in Terpentinöl führt zum Ziele. Zwecks Un- 
"lchädlichmachung ftärkerer Befchmutzung fpritzte Rathgen erlt farblofen Zaponlack auf, 
dann nach je dreitägigem Warten zwei oder drei durch Lithoponebeimengen hergeftellte weiße 
Ueberzüge von Zaponlack. Geringerer Zufatz fein gemahlenen gelben Ockers gibt wärmeren 
Farbenton. Diefer Ueberzug iFr abwafchbar. 
Die GipsgülTe werden dekoriert, mit Stearin eingelallen, mit Farben (Aquarell- und Oel- 
farben) bemalt, bronziert oder auch einfarbig braun oder weiß geltrichen; bei dickeren Farben- 
lagen gehen die Feinheiten der Modellierung verloren; die GülTe mülIen meilt mit einer Leim- 
löfung oder einer fpirituöfen Schellacklöfung etränkt werden, ehe man lie dekoriert. Terra- 
kottaimitationen werden mit einer aus feinem äcker, Leimwatler und gebrannter Terra di Siena 
zufammengeietzten Farbe hergeltellt; dunkle Holzarten ahmt man mittels einer aus Kaiieler- 
braun, Soda und WalTer neblt Wachsmilch hergeftellten Beize, die nach dem Trocknen ge- 
bürftet wird, nach. Für Elfenbeinimitation wird mit einer fchwach gelb gebrochenen weißen 
Oelfarbe überltrichen und nach volltiändigem Erhärten an den tiefen Stellen des GutTes helles 
Ockergelb aufgetragen und mit einem Lappen wieder ausgewifcht, fo daß die gelbe Farbe nur 
in den tiefften Stellen litzen bleibt. Majolikaimitationen können nur mittels Lalurfarben auf 
weißem Oel- oder Lackfarbengrund ausgeführt werden. Alabafter wird durch Aufltreuen von 
feingemahlenem Glas auf dem noch nicht völlig trockenen Ueberzug von weißer Lacklarbe 
nachgeahmt. Chromopalta ill eing mit roter Erde gemifchte Gußmaüe. 
Literatur: Pedrotti, Gips, Wien 902. J. K. Amtes 
Gipskalk, Stuck gips, das im Handel vorkommende gebrannte Cupsgellein. 
Beim Brennen entweichen bei 128" 15.7010 Waffer, fodaß aus 100 Teilen Ciipsgeilein 
84,3 Teile Stuckgips gewonnen werden. Bei Rotglut (9509) gebranntes Gipsgeliein ergibt den 
Eilrichgips. Das Gipsmehl wird mit Waffer zu einem Brei angerührt, beim Stuckgips lind auf 
100 cm" Waßer 130-180 g, beim Elirichgips 280-360 g erforderlich. Letzterer bindet bedeutend 
langfamer ab, erhält jedoch eine größere Feltigkeit (f. Fußboden, Eltriche). 
Literatur: Bohnagen, A., Der Bildformer u. Gipsgießer, Leipzig 1916.  Der Stukkateur 
u. Gipfer, Leipzig 1914.  Das kleine Gipsbuch, Berlin l90l.- Foerlier, M., Lehrb. d. BaumaL-Kde, 
Leipzig 1905.  l-landb. d. Arch., 1., 1, Leipzig 1905.  Moye, A., Die Gewinn. u. d. Verwend. d. 
Gipfes, Hannover 1908.  DerL, Der Ciipsformer, Berlin 1911.  Müller, Unterfuch. üb. Gips, 
Berlin 1904.  Oedrotti, M., Der Gips u. feine Verwend., Bibl. chem.-techn. 247, Wien 1901. 
        

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