Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Element bis Hebel
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3179976
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3185745
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Gefdzütze 
letzterem Fall unterfcheidet man den am Patronenlager beginnenden fchwachen ,Anfangsdrall' 
und den fcharfen ,Enddrall', der aber kurz vor der Mündung gleichförmig wird. 
Je größer die relative (in Kalibern ausgedrückte) Länge des Gefchofies, je weiter fein 
Schwerpunkt hinten liegt und je geringer die Mündungsgefchwindigkeit ifi, defto fchärfer muß 
der Drall fein, um dem Gefchoß eine Kreifeldrehung zu geben, welche genügt, feine Längs- 
achfe während des Gefchoßflugs kippficher zu erhalten. Beifpielsweife lind für Gefchoffe von 
gleicher Schwerpunktslage und 4Kalibern Länge bei großen Mündungsgefchwindigkeiten (Ka- 
nonen) Drallwinkel von etwa 5 bis  bei kleinen Mündungsgefchwindigkeiten (Mörfern) 
folche von etwa 7,5 bis 12" anzuwenden. 
Die Beziehungen zwifchen der Zahl der Züge (n) und der Seelenweite (d) laffen fich- 
annähernd durch 11:41! ausdrücken. Die Felderbreite ift ftets geringer als die Zugbreite; für 
jene genügen im allgemeinen 2mm. Die Zugtiefe wird zweckmäßig zu ungefähr 101„ der 
Seelenweite befiimmt. 
Die Einrichtung des gezogenen Teils erfordert ganz befondere Sorgfalt, weil von ihr nicht 
nur die Schußleiftung des Gefchützes, fondern auch die Lebensdauer des Rohres zum erheb- 
lichen Teil abhängt; werden doch Rohre fchwerfier Kanonen infolge der ttarken Beanfpruchung 
der Felder durch die Verbrennungswärme der Pulvergafe und die Reibungswiderftände während 
der Gefchoßbewegung nach weniger als 100 Schüffen unbrauchbar. 
Zur Steigerung der Feuergefchwindigkeit tind die meiften Gefchütze als Schneilfeuer- 
gefchütze ausgebildet. Schnelles Feuer erfordert fchnelles Laden und Abfeuern und eine 
möglichft feftftehende Lafette. Die Gefchütze lind deshalb mit Verfchlüffen ausgeftattet, die 
mit einer kurzen Drehung einer I-landkurbel geöffnet (Auswerfen der leeren Pafronenhülfe) und 
nach dem Laden ebenfo fchnell gefchloffen werden; hierbei wird die Schlagfeder der Abfeuer- 
vorrichtung gefpannt. Das Abfeuern gefchieht mittels eines Abzugs. Vielfach  befonders 
bei Gefchützen zur Bekämpfung von Luftzielen  wird das Oeffnen bzw. Schließen des 
Verfchiuffes beim Rücklauf bzw. Wiedervorgleiten des Rohres felbfitätig beforgt. Bei Mafchinen- 
gefchützen ifi mit diefer Einrichtung noch eine Patronenzuführung derart verbunden, daß das 
Rohr beim Rücklauf mit geöffnetem Verfchluß auf eine zugeführte Patrone gleitet. Sobald der 
Patronenboden den hinteren Rand des Patronenlagers berührt, wird eine Feder frei, welche 
den Verfchluß fchließt, bevor das Rohr wieder in die Schußfiellung vorgleitet.  Damit die 
Lafette beim Schuß fich nicht bewegt, befteht fie aus einer Unterlafette und einer Oberlafette. 
Die Unterlafette gräbt fich mit einem Sporn in den Boden, die Räder werden mittels einer 
Seilbremfe gebremft. Die Oberlafette ift mittels einer Richtfohle auf der Unterlafette in der 
fenkrechten und in der wagrechten Ebene fchwenkbar, um die Richtung nehmen zu können. 
Die Oberlafette trägt das Rohr, die Rückftoßhemmung und die Vorholeinrichtung fowie die 
Richtmittei. Der Rückfioß des Rohrs wird durch die Flüffigkeitsbremfe aufgehalten, das 
Rohr, fobald die Rückftoßarbeit beendet itt, mittels Feder- oder Luftdruckes wieder vorgefchoben 
(Rohr-Rücklauf); Verfuche mit Rohr-Vorlauf, bei welchem im Augenblick des Abfeuerns zu- 
fammengepreßte Vorftoßfedern gelöft werden und das Rohr nach vorne fchnellen, während die 
hierbei zufammengepreßte Luft bzw. Flüffigkeit das Rohr wieder in die Schußlage bringt, haben 
fich nicht bewährt (zu große Streuungen). 
Bei den Steilfeuergefchützen muß der Rücklauf des Rohrs um fo mehr verkürzt werden, eine 
je fteilere Richtung das Rohr für den Bogenfchuß bekommt, damit das hintere Ende des Rohrs 
nicht auf die Erde aufftößt.  Bei diefen Gefchützen verwendet man den felbfitätig fich ver- 
ändernden Rohrrücklauf (die Durchflußöffnungen in der Flüffigkeitsbremfe werden um fo mehr 
verengt, je fteiler das Rohr gerichtet wird). Er wird bisweilen mit nach hinten verlegten wag- 
rechten Schildzapfen der Oberlafette (Wiege) verbunden, d. h. die Oberlafette liegt nicht mit 
etwa der Mitte ihrer Länge in der Unterlafette, fondern mit ihrem hinteren Ende. In diefem 
Fall muß das liarke Vordergewicht der Oberlafette mit Rohr durch einen „Ausgleicher", d. h. 
eine gefederte oder mit Luftdruck arbeitende Stütze getragen werden. 
Die Feuerhöhe, d. i. die Höhe der wagrechten Seelenachfe über dem wagrechten Gefchütz- 
fland, wird möglichfi niedrig gehalten: Verringerung der Zielhöhe und der fenkrechten Treff- 
fläche. In Verbindung mit einem flachen Lafettenwinkel, d. i. die Neigung des Lafettenkörpers 
zur wagrechten Unterlage, gibt fie der Lafette größere Standfefiigkeit. Zur Erzielung eines 
geringen Lafettenwinkeis wurden telefkopartig ausziehbare Röhrenlafetten gebaut, fanden aber 
im Weltkrieg keine Verwendung. Um ein möglichfi großes Höhen- und Seiten-Richtfeld bei 
fefiftehender Lafette zu erhalten, wendete Italien die Spreizlafette (Syftem Deport) an. 
Sie hat fich im Weltkrieg bewährt; Frankreich ift neuerdings in Verfuche mit einer ähnlichen 
Bauart eingetreten. 
Die Richteinrichtungen dienen dazu, das Rohr in die für die beablichtigte Gefchoß- 
bahn erforderliche Lage zu bringen. Die Unterlafette wird in die ungefähre Seitenrichtung 
gefchwenkt (f. a.Radbettung). Die genaue Seitenrichtung wird der Oberlafette mit Rohr 
mittels einer Seitenrichtmafchine gegeben (bei Pivot- und Kraftwagenlafetten wird die Ober- 
lafette auf dem Pivot gefchwenkt). Für die Höhenrichtung muß die Oberlafette einmal um 
den .Geländewinkel'  Winkel zwifchen der Wagrechten und der Linie Gefchütz  Ziel  
ferner um den ,Vifierwinkel'  Winkel zwifchen Linie Gefchütz  Ziel und der Seelenachfe, 
der je nach der beablichtigten Schußweite wechfelt  geneigt werden. Die Schußfolge wird 
befchleunigt, wenn beide Eintieliungen unabhängig voneinander gleichzeitig vorgenommen 
werden können: ,Unabhängige Vifierlinie". Hierzu dienen befondere Höhenrichtmafchmen. 
Bei fchweren Steilfeuergefchützen, bei welchen die Oberlafette mit Rohr nach jedem SChlIß 
aus der (teilen Schußftellung in die wagrechte Ladefiellung und wieder zurück gebracht werden 
muß, ruht die Oberlafette auf einer befonderen Richtwiege, von welcher fie mittels eines Lade- 
hebels abgehoben werden kann.
        

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