Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Element bis Hebel
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3179976
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3182484
234 
Fette und fette 
Oele 
angeordnet werden. Ift die Maueraußenfläche tichtbar, fo werden die Schräglagen durch Block- 
oder Kreuzverbandlagen verkleidet (f. die Figur), wodurch tich fpitzwinklige Stücke a, tog. 
.Klampt'teine', ergeben. 
Literatur: S. Backtteinverband. senm 
Fette und fette Oele find dem Tier- und Pflanzenreich entttammende 
Produkte mit folgenden gemeintamen Eigentchaften: Sie fühlen tich fchmierig 
an; tie hinterlaffen auf Papier einen durchtichtigen Fleck, der auch bei längerem 
Liegen oder Erhitzen nicht verfchwindet; üe find leichter als Watter und darin 
unlöslich, dagegen löslich in Aether, Schwefelkohlenttotf und den flüchtigen 
Oelen; mit Ausnahme des Rizinusöles iind die Fette und Oele in Alkohol un- 
löslich; tie find nicht flüchtig, fangen bei 300-320" an zu tieden, erleiden aber 
dabei Zertetzungen; tie brennen für {ich nur tchwierig, mit Docht aber mit leuch- 
tender Flamme. Sie werden nach ihrer Kontiftenz untertchieden als fette oder 
Talgarten, halbfette oder Butter- und Schmalzarten und flüttige 
oder Oele und Trane. 
Die fetten Oele tind fehr leicht fchmelzbar und werden tchon unter 100" flüttig, während 
die Oele bei niederen Temperaturen in fette Fette übergehen. Die Oele ertcheinen bei gewöhn- 
licher Temperatur dickflüttig. Sie dehnen {ich bei der Erwärmung ttärker aus als tontiige 
Flüttigkeiten. Werden Oele mit Watter, dem durch Auflöfen von Eiweiß oder Gummi eine 
fchleimige Betchaffenheit erteilt itt, gefchüttelt, fo bilden tie eine Emultion (f.   Eine 
Gruppe von technifch wichtigen Oelen betitzt die Eigenfchaft, an der Luft unter Aufnahme von 
Sauerttoff einzutrocknen, tie werden ,Trocknende Oele" genannt. Eine fcharfe Trennung 
zwitchen trocknenden und nichttrocknenden Oelen itt aber nicht vorhanden. Vorteilhafter und 
korrekter it't, die Oele nach der Art ihrer Trockenprodukte einzuteilen in leinölartig. mohnölartig, 
olivenölartig utw. trocknende Oele  Eine andere Art der Veränderung der Oele unter dem 
Einfluß von Licht und Luft itt das Ranzigwerden, das tich durch einen charakteriftitchen Geruch 
und kratzenden Gefchmack erkennen läßt. Chemitch find die Fette und Oele Efter der ver- 
fchiedenen Fettfäuren mit dem dreiwertigen Alkohol Glyzerin (Triglyzeride); tie find daher im 
Gegentatz zu den Mineralölen, die nur aus Kohlenftoff und Wattertioff bettehen, tauerttoffhaltig. 
Die wichtigften Fettfäuren tind die Palmitinfäure, die Stearinfäure, die Oeltäure, die Erukatäure, 
die Linoltäure und die Linolenfäure; in gewitten Fetten findet man auch noch für diete charak- 
terittitche Säuren, wie die Buttertäure in dem Butterfett, die Kaprin- wie evtl. die Kapronfäure 
im Kokosfett, die Arachintäure im Erdnußöl. Die wlchtigtte Eigenfchaft aller Fette und Oele itt 
ihre Spaltbarkeit in Glyzerin und die betreffenden Fettfäuren. Diete Spaltung gefchieht durch 
Watteraufnahme unter dem Einfluß von Säuren, Baten oder gewiffen Katalytatoren bzw. Fer- 
menten (Lipafe) oder fchon durch Watter allein bei höherer Temperatur unter Druck. Die 
ältefte Art diefer Spaltung itt die mit Bafen, welche zu den Salzen der betreffenden Fettfäuren 
führt, die als Seifen bekannte technifch wertvolle Produkte find; daher wird auch der ganze 
Vorgang meitt kurz Verfettung genannt. 
Die Gewinnung der Fette und Oele erfolgt durch Austchmelzen bei den tierifchen 
Fetten, durch Auspreffen bei den ölhaltigen Samen und Früchten. ln beiden Fällen kann man 
aber eine Extraktion mit Hilfe fettlöfender leichtflüchtiger Extraktionsflüttigkeiten ausführen. 
Das Ausfchmelzen getchieht über freiem Feuer oder mit Watterdampf, evtl. unter 
Druck; hierher gehört die Gewinnung des Schweinefetts, der vertchiedenen Talgarten utw. 
Das Auspreften erfolgt in Oelpretten, wobei die Samen zuvor zerkleinert werden 
mütten. Die Pretfen tind äußertt vertchieden, man findet in den Produktionsländern zum Teil 
noch primitive Handpretfen, während man tich bei uns allgemein der hydraulitchen Preffen 
bedient; eine Walzenpreffe betonderer Konttruktion itt die Anderfonpretfe. Aber auch beim 
ftärktten Drucke wird das Oel nicht vollftändig ausgepreßt. Man preßt daher unter Erwärmen 
aus, doch hat dies den Nachteil, daß das warm gepreßte Oel dem kalt gepreßten an Güte 
nachtieht, da in dem __ert'teren tich gewitTe färbende und fchmeckende Subttanzen der Samen 
leichter löten und dadurch Farbe und Gefchmack beeinträchtigen. Man wird daher zur Ge- 
winnung von Speifeölen bei möglichft niederer Temperatur pretfen oder Jchlagen", wie der 
Fachausdruck lautet; das kalt getchlagene Oel führt gewöhnlich den Namen ,Jungfernöl'. In 
vielen Fällen wird der Samen bei der ertten Prettung kalt getchlagen, um ein möglichtt hoch- 
wertiges Oel zu erhalten, die zweite Prettung erfolgt dann bei höherer Temperatur. Die ertie 
Prettung heißt Vortchlag, die zweite Prettung Nachfchlag. Je nach der Art der Oel- 
früchte wird aber verfchieden gearbeitet. 
Das Extraktionsverfahren gefchieht in betonderen Extraktionsanlagen, die verfchiedene 
Bauart aufweiten. Man untertcheidet im Prinzip zwitchen ftehenden und liegenden Extraktions- 
anlagen, wobei im letzteren Falle noch eine dauernde Bewegung des Extraktionsguts möglich itt. 
Als Extraktionsmittel werden verwendet der Schwefelkohlenftoft, das Petroleumbenzin, das Benzol 
und in neuerer Zeit das billig erhältliche Trichloräthylen. Auch das Extraktionsverfahren hat 
neben dem Vorteil einer nahezu rettloten Gewinnung des Oeles den Nachteil, daß dastelbe durch 
andere Bettandteile der ölführenden Samen, wie Farbtfolfe, Getchmackftoffe utw., verunreinigt 
itt, und daß es mitunter äußertt tchwierig iit, die letzten Rette des Extraktionsmittels zu ent- 
fernen. (S. Oelfabrikation und  
Die gewonnenen Fette und Oele find nie vollkommen rein, tie bedürfen daher für viele 
Zwecke noch einer Raffinierung. Sie wird bei den betreffenden Oelen betchrieben (f. Baum- 
wollfamenöl, Leinöl utw.). Dastelbe gilt auch für die Bleichung, wozu meitt Luft und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.