Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bohröle bis Elektrum
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3171668
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3179102
Ezfendzloride 
Eifengießerei 
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Eifenoxydullalzes (Eifenvitriol, efligfaures Eifenoxydul) durchtränkt, darauf mittels Soda- oder 
Aetznatronlöfung auf ihr Eifenoxydulhydrat fällt und die Entwicklung des Eifenhydroxyds 
durch Oxydation (durch Luftfauerftoff) vollendet. Oder man durchtränkt die Fafer mit fogenanntem 
"falpeterfauren Eifen (Rouille, bafifch fchwefelfaurem Eifenoxyd), um durch folgendes Durchziehen 
durch eine fchwache Lölung von Aetznatron, Soda, Kalk- oder Kreidewaffer Eifenoxydhydrat 
direkt aus diefem Salz auf der Fafer abzufcheiden. Bucherer 
Eifenchloride: 1. Eifenchlortir, FeClz, durch Ueberleiten von Chlor bzw. Chlor- 
wafferiioif über glühende Eifenfpane erhalten, bildet weiße, feidenglänzende Nadeln. 
2. Eifenchlorid, FeCla, entlteht in der Glühhitze aus Eifen oder Eifenchlorür bei Ein- 
wirkung von überfchüffigem Chlor. Es bildet in wafferfreiem Zuftande metallglänzende, hexagonale 
Tafeln, die lehr leicht an der Luft zu einer braunen Flüffigkeit zerfließen. ln der Medizin findet 
es in verdünnten Löfungen zur Stillung von Blutungen Anwendung. Mezger 
Eifenerze, alle in der Natur vorkommenden Eifenverbindungen, die ihres 
Eifengehaltes wegen zur Gewinnung von Eifen benutzt werden können. 
Das natürliche Schwefeleifen, der Schwefelkies, Pyrit, wird nicht als Eiienerz betrachtet, 
weil feine technifche Verwendung vorwiegend auf Schwefelläuredarftellung gerichtet ilt. Die 
meift verhütteten Erze find Oxyde, Hydroxyde und Karbonate des Eifens, feltener feine Schwefel- 
und Kiefelfäureverbindungen. Die wichtigiten Eifenerze iind Roteifenerz, Magneteifenerz, 
Eifenoolith (,.Minette'),_ Brauneifenerz, Spateifenliein, Sphärofiderit. Brduhüufer 
Eifenfarbe, Eifenorange, künftlicher Ocker, auch Marsgelb, fehr be- 
fiändig in der Farbe, für Oelmalerei befonders geeignet. 
l-lerilellung durch Fällen einer Löfurig von 2 Teilen fchwefelfaurem Eifenoxydul (Eifen- 
vitriol) in 10 Teilen Wafier mit Zlßprozentiger Kalkmilch, Wafchen des grünen Niederfchlages 
mit Waffer und Ausfetzen desfelben der Luft, bis er intenfiv gelb wird. Durch Erhitzen läßt 
{ich die gelbe Farbe in Rotgelb, Orange, Braun ufw. überführen. J. K. Amtes 
Eifengießerei, die l-lerftellung von Gegenftänden aus Roh- oder Guß- 
eifen durch Gießen oder die Anlage, in der das Gießen ausgeführt wird. 
Die Begriffsfelifetzung flammt aus einer Zeit, in der nur die Verflüfligung des 
Roheifens bekannt war. Seitdem aber auch Stahl und Schmiedeeifen vergoffen 
werden, liegt es nahe, den Begriff Eifengießerei auch auf diefe auszudehnen, 
um fo mehr, als die dabei eingefchlagenen Verfahren im Grunde die gleichen 
find.  Die Gegenwart hält aber noch Eifengießerei und Stahlgießerei aus- 
einander und vertteht unter letzterer die l-lerftellung von Gegenftänden aus 
fchmiedbarem Eifen durch Guß, gleichgültig, 0b das Eifen Flußitahl, d. h. fchmied- 
und merklich härtbares Eifen, oder Flußeifen, fchmied- und nicht härtbares Eifen, ili. 
ln der Eifengießerei wird vorwiegend graues Roheifen verwendet, deffen Eigenfchaften 
den Anforderungen an Gießbarkeit, Felligkeit und Bearbeitbarkeit am betten entfprechen. Das 
graue Gießereiroheifen hat einen Kohlenftoffgehalt von 3, meiii;  ift verhältnismäßig leicht 
fchmelzbar (1150-1250"), ift infolge eines größeren Siliziumgehaltes dünnflüfiig und füllt des- 
halb die Gießformen gut aus. Es befitzt ferner die für Erzielung fcharfer Abgüffe wichtige 
Eigenfchaft, (ich im Augenblicke des Erftarrens auszudehnen. Es ift weit weniger fpröde als 
das weiße Roheifen, läßt lich mit Schneidwerkzeugen leicht bearbeiten und zeigt insbefondere 
eine bedeutende Widerltandsfähigkeit gegen Druckkräfte. Ciußeifen erfährt bei wiederholtem 
Erhitzen bis zur Rotglut eine bleibende Ausdehnung von 3,5-4"l0 nach allen Richtungen 
(Quelle n), die bei der Anfertigung mancher Gegenftände (Roliltäbe, Rofte, Plättbolzen) berück- 
lichtigt werden muß. Alle Maße werden um 1120-15, verkürzt.  Das weiße Roheifen hat 
fail denfelben Kohlenftoitgehalt, weniger Silizium und mehr Mangan, einen etwas niedrigeren 
Schmelzpunkt (1050-1150"), ift gefchmolzen dickflüffiger, füllt die Formen fchwerer aus und 
liefert deshalb, und weil die Ausdehnung im Augenblick des Erttarrens fehlt, weniger fcharfe 
Abgüffe. Es ift ferner fehr hart und fpröde und kann mit den gewöhnlichen Schneidwerkzeugen 
nicht bearbeitet werden.  Für manche Zwecke, z. B. i-lerltellung des fchmiedbaren Eifen- 
gulTes, wird graues mit weißem Roheifen gemengt (halbiertes Ei fen), um die Eigenfchaften 
beider miteinander zu vereinigen. 
Graues und weißes Roheifen kommen im l-landel in verfchiedenen Sorten vor, deren 
Bezeichnung mit Rücklicht auf das Ausfehen des Bruches (lichtgrau, dunkelgrau, Spiegeleifen, 
Weißftrahl, Weißiloß) oder den Urfprung und die Verwendung gewählt ift ifchottifches, eng- 
lifches, rheinifches, Luxemburger, oberfchleßfches Gießereiroheifen), wobei befondere Sorten 
und Klaffen unterfchieden werden (z. B. bei fchottifchem: Coltneß I, ll, Langloan I, II ufw.). 
Das Schwinden des Gußeifens vom Erltarren bis zur völligen Abkühlung iit nach ver- 
fchiedenen Richtungen hin für die Gießerei beachtenswert. Das Schwinden iit um fo kleiner, 
je mehr Kohlenftoff in Gefialt von Graphit ausgefchieden wird, alfo bei dunkelgrauem Eifen 
geringer als bei hellgrauem und bei diefem wieder geringer als bei weißem. Es beträgt das 
Schwinden in einer geraden Linie llß-lfms, im Mittel 1196-1197 der Länge (Schwindmaß). 
Soll das Gußfiück vorgefchriebene Abmeftungen erhalten, müffen alle Maße der Form dem 
Schwindmaß entfprechend vergrößert werden. Ift l eine Länge des Gußliückes, I1 die ent- 
fprechende der Form und p das Schwindmaß, fo folgt llzlllg.  Das Schwinden bewirkt 
ferner nicht felten die Entitehung von Hohlräumen im Gußftück. Nach dem Eingießen des 
Eifens in die Form erltarrt an der Formwand fchnell eine mehr oder weniger dicke Krufte,
        

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