Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bohröle bis Elektrum
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3171668
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3178259
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Eifenbahnbetrieb 
Richtungen eintreffenden Güterzüge ebenfo wie die von den Ladettellen des Ortsverkehrs zu- 
geführten Wagengruppen in ihre Teile zerlegt. Die für den Ortsverkehr beltimmten Wagen 
werden den Lade- und Entladeftellen zugeführt, die übrigen für die Fahrt bzw. Weiterfahrt nach 
Richtungen und Bahnhöfen geordnet und zu neuen Zügen zufammengefetzt, die dann nur noch 
der Hinzufügung je eines Packwagens bedürfen. Im weiteren Sinne gehört zur Bildung der 
Züge ihre Verforgung mit Zugkraft und ihre Befetzung mit Perfonal. 
Bei der Bildung der Züge itt außer dem Verkehrsbedürfnis die Befchaffenheit der Wagen 
zu beachten, die für die Betriebsficherheit zuläftige Zugltärke nicht zu iiberfchreiten und für 
die betriebsfichere Ausrüftung der Züge zu forgen. 
A. Die Bildung der Perfonenzüge. 
Aus dem Zugbildungsplan einer Eifenbahnverwaltung pflegt hervorzugehen (vgl. [2] I, 5.155), 
[3] ll, S. 107), wie die vorhandenen Wagen auf die Bahnhöfe verteilt tind, und in welcher Weite 
aus den einem Zugbildungsbahnhofe zugeteilten Wagen die Züge hergeftellt werden. Ein 
Wagenfatz, d. h. eine zur Bildung irgendeines Zuges ausreichende Gruppe von Wagen (Per- 
fonenwagen verfchiedener Klaffen, gewöhnlich auch ein Packwagen, ein Poflwagen, unter Um- 
ftänden außerdem nach Bedarf Schlafwagen, Speifewagen ufw.), dient in der Regel nacheinander 
zur Bildung zweier oder mehrerer fahrplanmäßiger Züge, indem er in einem, zwei, drei Tagen, 
je nach der Länge der Fahrftrecke, ein oder mehrmals auf derfelben Strecke hin und her fährt, 
bisweilen auch nacheinander verfchiedene Strecken befährt, wobei man Leerfahrten (Fahrten 
der Wagenfätze als Leerzüge) tunlich vermeidet. Immer aber gilt (mit wenigen Ausnahmen) 
jeder Wagenfatz als auf einem Bahnhof zu Haute, feinem Zugbildungsbahnhof, zu dem er 
immer wieder zurückkehrt, und der in befonderem Maße für die Ueberwachung und Inttand- 
haltung der darin befindlichen Wagen zu forgen hat. Befonderes ift zu tagen über Kurswagen 
und Verltärkungswagen. Kurswagen gehen in folchen Verkehrsrichtungen durch, in denen zwar 
ein Bedürfnis für eine durchgehende Verbindung, nicht aber ein folches für den Durchgang 
ganzer Züge vorhanden ilt. Solche Kurswagen werden auf ihrem Wege von dem Ausgangs- 
zum Zielbahnhofe (z. B. von Berlin nach Rom, von Wien nach Hamburg) der Reihe nach in 
anfchließende Züge verfchiedener Bahnen eingeftellt. Im Wagenumlaufplan (f. unten) werden 
Iie wie felbliändige Wagenzüge behandelt. Das gleiche gilt von Schlafwagen und Speife- 
wagen, die die Stämme der Züge nur nachts oder am Tage begleiten, fowie von den Ver- 
ftärkungswagen, die regelmäßig an bettimmten Tagen, z. B. an Markttagen, oder zu gewiffen 
Tageszeiten oder auf gewiffen Teilltrecken liarken Verkehrs den Stämmen der Züge beigefügt 
werden. Der Zugbildungsplan beiitzt auf den deutfchen Eifenbahnen zwei Hauptabfchnitte. Der 
,Wagenumlaufplan' weilt, nach Zugbildungsbahnhöfen gegliedert, den Umlauf der Zugttämme, 
Kurswagen, Verftärkungswagen ufw. räumlich und zeitlich nach. (Wegen des Durchlaufs von 
Wagen über Bahngrenzen f. unter  Der ,Ordnungsplan' zeigt die hiernach tich ergebende 
Zutammenfetzung und die Reihenfolge der Wagen aller planmäßigen Züge ftreckenweife. Außer 
den hiernach für die regelmäßige Zugbildung erforderlichen Wagen muß auf jedem Zugbildungs- 
bahnhofe ein beträchtlicher Ueberfchuß an Wagen vorhanden fein (Bereitfchaftswagen), um 
ausbefferungsbedürftige Wagen zu erfetzen fowie bei Verkehrsfteigerungen Verftärkungswagen 
in die Züge einttellen und in befonderen Fällen Sonderzüge bilden zu können. Bereitfchatts- 
wagen, die übrigens auch auf andern Bahnhöfen liehen, wo eine Verltärkung von Zügen ttatt- 
finden kann, fendet man in der Regel, fobald iie entbehrlich werden, nach dem Heimat- 
bahnhofe zurück. 
Die zulaftige Zugftärke (Zugbelaltung) pflegt frch nach der Zuggefchwindigkeit zu 
richten und betragt beiipielsweife in Deutfchland für Hauptbahnen bei durchgehender Bremle: 
bis zu 50 km    nicht über 120 Achten 
von 51-80 km    „ „ 80 „ 
, mehr als 80 km  „ „ 60 , 
wobei fechsachfige Wagen in gewiffen Grenzen als vierachfige gerechnet werden. Bei Hand- 
bremfung beträgt die zuläftige Zugttärke auf Hauptbahnen: 
bis zu 35 km    nicht über 120 Achten 
von 36-50 km    „ „ 80 „ 
Die Gattung, Befchaffenheit und Ausrüftung der Wagen muß der Zuggattung, dem Verkehrs- 
umfang in den verfchiedenen Klaffen, der Zuggelchwindigkeit, dem Bremsfyftem ufw.entfprechen. 
lnsbefondere müften in Schnellzüge Wagen befonders guter Befchaffenheit eingeftellt werden. 
Für die Sicherheit der Reifenden befonders wichtig find die Beftimmungen über Schutzwagen 
und Schutzabteile. Nach der B. O. ift in den zur Perfonenbeförderung beftirnmten Zügen von 
Reifenden freizuhalten: a) die vordertte Abteilung des erften Wagens auf Hauptbahnen bei 
den handgebremften Zügen mit 40-50 km Gefchwindigkeit und bei den durchgehend ge- 
bremtten lügen mit 50-65 km Gefchwindigkeit, auf Nebenbahnen bei Zügen mit mehr als 
40 km Gefchwindigkeit; b) der ertle Wagen bei den (auf I-Iauptbahnen) mit mehr als 65 km 
Gefchwindigkeit fahrenden Zügen. Im Dienlie befindliche Eifenbahn-, Pott- und Zollbeamte 
fowie Begleiter von Leichen und Tieren gelten nicht als Reifende im Sinne diefer Bettimmungen. 
In Oetterreich wird auf Hauptbahnen bei Verwendung von Nachfchiebelokomotiven auch am 
Schluffe ein Schutzwagen verlangt. Im übrigen müffen leichte Wagen hinter fchweren in den 
Zug eingetiellt werden, da tie fonft beim Bremfen leicht von den folgenden Wagen zur Ent- 
gleifung gebracht werden. Zweckmäßig bildet man aber fchnellfahrende Züge nur aus annähernd 
gleichfchweren vier- oder fechsachtigen Drehgeltellwagen. Im befonderen wird die Reihenfolge 
der Wagen oft dadurch bedingt, daß einzelne Wagen als fogenannte „Kurswagen' (f. oben) aur 
irgendwelchen Knotenpunktbannhöfen in andere Züge übergehen und hierfür tunlich bequem 
iienen tollen, oder daß der Zug irgendwo geteilt wird. Außerdem können Rücktichten auf die
        

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