Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bohröle bis Elektrum
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3171668
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3175452
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Derbholz 
Derbyrot 
B, E,  auf den Horizont von A felblt als Horizontdepreflion anfehen. Der Erdzentriwinkel 
von l" entfpricht einer Strecke von lll km auf der Erdoberfläche, und da Sichtweiten von 
folchem Betrage nur in den feltenften Fällen vorkommen, fo kann man die horizontalen Strecken 
AEI, A132   mit den Bögen Aßlzal, AB2:a2  vertaufchen und erhält, wenn R der 
Krümmungshalbmeffer (Erdradius nahe gleich 6380 km) ift, für die Depreffion allgemein 
2 
den Ausdruck -2aRA(Parabelordinate). Das itt alfo auch der Betrag, welcher als Einfluß der Erd- 
kriimmun an den Höhenunterfchied zwifchen zwei Punkten, die um a voneinander entfernt 
g 
lind, bei trigonometrifchen Höhenmeffungen anzubringen itt. 
Diefer Einfluß der Erdkrümmung erleidet aber noch eine Korrektion infolge der ter- 
reftrifchen Refraktion, die der Erdkrümmung ,entgegenwirkt', indem {ie im allgemeinen 
die Gegenftände etwas „gehoben", einen entfernten Punkt unter 
Ä __Ma_thlHPT'l197ll-1lt 11m4 etwas zu großem l-löhenwinkel (zu kleiner Zenitdiftanz) erfcheinen 
 m, , ä  läßt: ein Punkt E oder D, der in der Abfehlinie eines im Punlät A 
"Ü. d. jii genau horizontal gerichteten Fernrohrs erfcheint, gehört nicht em 
 l IMm-gl mathematifcheri Horizont von A an, fondern ein folcher Punkt 
RF k '53 an liegt im allgemeinen etwas tiefer, und zwar im Durchfchnitt 
Fig 2 um etwa V8 der Strecke BE (vgl. Fig. 1). lft k der fogenannte 
  Refraktionskoeffizient, im Mittel auf dem Feltland etwa 0,13, aber 
Itarken Aenderungen unterworfen, in Ausnahmefällen 0, felbft negativ, anderfeits oft 0,2. 0,3, 
ja felbft bis zu 0,4 (vgl. Refraktion, terreftrifche; Höhenmeffungen, trigonometrifche), 
fo daß R1 :  den Halbmeffer der Krümmung der phytifchen (optifchen) Horizontalen durch den 
Punkt A bedeutet, fo ilt der tatfächliche Betrag der Horizontdepreffion ftatt des mathematifchen 
erags  geic  -k. 
B r "z i n a2 (1 ) 
2R 2 R 
Die Beträge egäü  k) der Depreftion des Horizonts lind für Entfernungen bis zu 10000 m 
in der folgenden Tabelle enthalten, bei einigen verfchiedenen Annahmen über den Refraktions- 
koeffizienten k und der Annahme 10g R (km) z 6805; die Tabelle zeigt, daß der (zufällige wirk- 
liche) Betrag von k um fo gleichgültiger ift, je kleiner die Entfernung itt, daß feine Unkenntnis 
bis zu a:3000 oder 4000 m felbtt für feinere Meffung fo lange wenig zu fürchten ift, als nicht 
ganz ungewöhnliche Refraktionsverhältniffe vorhanden lind. 
Depreffionen in Metern: 
 
a (in Metern) 11500  1000i 15001200013000140001500016000; 7000i 800019000110000 
kzogdkuggi a1lein)T0,0'2  OIJEWTXIÜ 0310010031011 35  011560 JZÄE; 35,67 "ßfäitfk;  
         
                
                  
Es liegt alfo z. B. ein XPunkt, der am Horizontalfaden leines genau horizontal gelegten Fern- 
rohrs erfcheint und 3000m von diefem entfernt iß, nicht auf derfelben Kugelfläche mit dem 
Beobachtungspunkt, fondern 0,6l m höher. Für noch größere Entfernungen gibt die folgende 
zweite Tabelle (a in Kilometern, k:0,13 angenommen, auf 1 m abgerundet) die Größe der 
Depreffion des Horizonts: akm:  10  12  14  16  13  29  30 49 
(2 Depreftion in m:l 7  9  13  17  21  26  60 310a 
x" Stern In der Nau ti k, in der aitronomifchen Navigation, bei Küften- 
aufnahmen ufw. heißt Depreftion des Horizonts (beffer Depreftion 
 des Meereshorizonts oder Depreffion der Kimm, Kimmtiefe; engl. 
"f"   d i p [of the h0rizon]) der in einem beftimmten Beobachtungspunkt A 
"j-fitjjx auf dem Schiff erfcheinende Tiefenwinkel zwifchen der Horizontalen 
;  fä durch A und der von A aus fichtbaren „Kimm" (oder dem „Meeres- 
' horizont") K, alfo in Fig. 3 der Winkel a (n: ift abhängig von der 
Figß Erhebung des Auges über die Meeresfläche; der Sehftrahl AK ift 
wieder mit feiner Krümmung durch die terreftrifche Refraktion ein- 
getragen). Der in der Nautik gebräuchlichfte Ausdruck für u ift „Kimmtiefe" (f. Kimm). 
Literatur: Nähere Erläuterungen zum geodätifchen Teil enthalten die Lehrbücher der 
Geodäfie (Jordan, Bauernfeind ufw.), zum zweiten die Handbücher der Navigation oder der aitro- 
nomifchen Ortsbeftimmung. Für die Meffungen der Nautik, Höhenbeftimmungen von Geftirnen 
oder fcheinbare Höhen von Schiffen u. dgl. iit namentlich die große Variabilität der Refraktions- 
wirkung und die damit in Zufammenhang Rehende ftarke Verfchiedenheit des Depreflionswinkels 
von befonderer Bedeutung. Dazu ift zu vergleichen: Korvettenkapitän Koß und Graf Thun- 
Hohenftein, Kimmtiefenbeobacht. zu Verudella, Denkfchriften der Wiener Akademie, Mathem.- 
naturwiffenfchaffLKlaffe 70, 1901, und Veröffentlichung des Hydr. Amtes der Kriegsmarine, 
Pola 1904; Kohlfchütter, E., Folgerungen aus den Koßfchen Kimmtiefenmeffungen, Annal. d. 
Hydrogr. und Marit. Meteor. 31, 1903.  Bezüglich der Apparate zur Meffung der Kimmtiefe 
Vgl. Kimm. L. Ambronn 
Derbholz, Bezeichnung für alles oberirdifche Holz von mehr als 7 cm Stärke. 
Derbyrot, rote Körperfarbe für Oel und Waffer; vgl. Chromfarben.
        

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