Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bohröle bis Elektrum
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3171668
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3173590
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Chlorkohlenoxyd 
Chlorophyll 
durch die Einwirkung der Kohlenfäure wird Chlor frei. Explotionsartige Zerfetzungen wurden 
auch fchon beobachtet, die vermutlich auf das Vermifchen von Chiorkalk mit verfchiedenem 
Waffergehalt zurückzuführen find, er muß daher vor der Verpackung gut durchgemifcht werden. 
Technifche Herftellung: Als Ausgangsmaterial dient kohlenfaurer Kalk, der in 
befonderen Oefen gebrannt wird, z. B. dem Hoffmannfchen Ringofen. Der rohe Kalk- 
Itein foll möglichll frei von Eifen-, Silikat- und Manganverbindungen fowie Ton und Sand fein. 
Das Ablöfchen des gebrannten Kalkes wird in den Chlorkalkfabriken felbit vorgenommen, und 
zwar meilt in befonderen Kalklöfchapparaten, von denen die Konftruktion Schultheß, 
Paris, befonders erwähnenswert ifi. Diefelbe befteht aus einem Löfchzylinder mit Transport- 
und Mifchflügeln fowie Wafferfpritzrohren. Nach dem Ablöfchen wird das entltandene Kalzium- 
hydroxyd geliebt in fogenannten Desintegratoren oder Dismembratoren (f.  Zum 
Sieben werden auch Trommelliebe verwendet, z. B. S ech ska ntfi ch ter, wie fie die Rheinifche 
Mafchinenfabrik Neuß a. Rh. baut. Zur Chlorierung dienen meilt Bleikammern. Der gefiebte, 
abgelöfchte Kalk wird abgekühlt in gleichmäßiger Schicht in die Kammer eingefahren und meiit 
in ununterbrochenem Arbeitsgang bis zu ßöoloigem Chiorkalk chloriert. Das Chlor gelangt 
durch befondere Bleileitungen nach der Chlorkalklabrik und wird mittels l-lartblei- oder Ton- 
ventilatoren bewegt. Für die einzelnen Kammern lind befondere Verteilungsapparate konliruiert, 
bei denen als Abfperrflüfligkeit Chlorkalziumlöfung dient. Das Chlor felbft läßt man durch die 
Decken in die Kammern eintreten, und zwar das friicheite Chlor immer in diejenige Kammer, 
die falt fertig chlorierten Chiorkalk enthält. Wegen der Giftigkeit des Chlors müffen die Arbeiter 
Refpiratoren tragen, wie (ie z. B. von Gebrüder Merz in Frankfurt a. M. gebaut werden. Das 
früher notwendige, unangenehme Arbeiten in der Chlorkammer felbft wird dadurch vermieden, 
daß befondere Apparate konitruiert wurden, z. B. von Hafenclever, in denen Chlor und Kalk 
im Gegenftrom aneinander vorbeigeiührt werden, ohne daß Umfchauflung ufw. erforderlich ilt. 
Verwendung: Für Bleichereizwecke in der Papierfabrikation und bei der Baumwoll- 
verarbeitung, als Desinfektionsmittel (insbefondere für Abortgruben,Tierleichen), zur Entkeimung 
von Trink- und Badewaifer. 
Analyfe: Die Beltimmung des Gehaltes an wirkfamem Chlor im Chiorkalk erfolgt auf 
titrimetrifchem Wege mit alkalifcher Arfenitlöfung. 
Handelsbezeichnung des Chlorkalks: Man unterfcheidet englifche und fran- 
zölifche (Gay-Luiiac) Grade. Die franzöfifchen Grade geben an, wieviel Liter Chlorgas aus 
l kg Chiorkalk erhalten werden. 1 Liter Chlorgas bei 0" und 760 mm Druck entfpricht 3,1776 g Chlor, 
bei einem Atomgewicht des Chlors von 35,48.  Die englifchen Grade geben den Gehalt 
an bleichendem Chlor in Gewichisprozent an. Durch Multiplikation der franzölifchen Grade 
mit 0,322 erhält man die englifchen Grade. 60 franzöfifche Grade entfprechen z. B. 19,07 "I0, 
115 franzöfifche Grade 36,54 "[0 wirkfamem Chlor. 
Literatur: Lunge, Handb. d. Sodainduftrie, Braunfchweig 1909; Ullmann, Enzyklopädie 
d. techn. Chemie, Berlin 1914 ff. Mezger 
Chlorkohlenoxyd, Kohlenoxychlorid, Karbonylchlorid, Phosgen, COClz, 
iit ein Gas von erttickendem, die Atmungsorgane angreifendem Geruch, das 
aus einer Mifchung von Kohlenoxyd und Chlor unter der Einwirkung des Sonnen- 
lichtes enttteht und {ich leicht zu einer farblofen Flüffigkeit kondenfieren läßt. 
Es wirkt ttark giftig und dient in der Technik zur I-leritellung der Triphenyl- 
methanfarbltoffe.  Mezger 
Chlorkohlenfäureelter, Chlorameifenfäureelter, lind Verbindungen der all- 
gemeinen Formel Cl- CO- OR, in welcher R ein organifches Radikal (z. B. Alkyl) 
bezeichnet. Sie entitehen durch Einwirkung von Alkoholen (Phenolen) auf Phosgen. 
Chloroform, Trichlormethan, CHCla, ift eine fchwere, klare, farblofe, flüchtige 
Flüfügkeit von eigentümlichem Geruch und füßlichem Gefchmack. 
Die Dämpfe wirken, eingeatmet, betaubend; es löft {ich wenig in Wafler, ift dagegen 
mifchbar mit Alkohol und Aether, tiedet bei 61" und hat ein fpez. Gewicht von etwa 1,5. Es 
findet arzneiliche Anwendung zur Narkofe, wobei auf größte Reinheit des Produktes Wert gelegt 
wird. Hergeftellt wird es aus Alkohol und Chiorkalk durch Deftillation oder aus Azeton und 
Chiorkalk; auch aus rohem l-lolzgeilt und auf elektrolytifchem Wege kann es hergeftellt werden 
bei gleichzeitiger Gegenwart von Alkalichlorid, Alkohol, Azeton oder Aldehyd. Da {ich das 
Narkofechloroform unter Bildung von Phosgen zerfetzen würde, wird ihm zur Konfervierung 
ein kleiner Zufatz von Alkohol beigegeben. Mezger 
Chlorol, Desinfektionsmittel; beileht aus 5 Teilen Sublimat, 5 Teilen Natrium- 
chlorid, 5 Teilen Salzfäure, 3 Teilen Kupferfulfat und 1000 Teilen Waffer. 
Chloropal, ein zeifiggrüner Nontronit (Mineral der Allophangruppe), der 
innig mit Opalmafie durchmengt ilt und fchließlich in verfärbten Opal übergeht. 
Kommt meitt aus Ungarn, findet {ich auch im Diabasgebiet von Sternberg m 
Mähren, bei Wolkenitein in Sachfen, bei Palfau u. a. a. O. Brüuhdrzfer 
Chlorophan (Pyro f mar a  grüne Varietät des Flußfpates von Nertfchmsk, 
ausgezeichnet durch ftarkes Phosphoreszieren beim Erhitzen.  
Chlorophyll, Blattgrün, Pflanzengrün (f. Farb f toffe, pflanzliche), grüner 
Farbitoff, zum Färben von künltlichen Blumen, Spielwaren, Konditorwaren, auch
        

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