Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3170583
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Blitz 
Blitzableiter 
Fig. 1. Weißes Blinkfeuer, innerhalb Fig. 2. Feftfeuer mit Fig. 3. Gruppenblinkfeuer, jede 
30Sekunden ein Blink von 6 Sekunden. Blinken. Minute drei rafch aufeinander- 
folgende Blinke von je 3Sekunden 
Eine Abart {ind die Feftfeuer mit Blinken (Fig.2), Dauer. Verduqkelunz Iwifßheg 
bei welchen zwifchen den Blinken von gleicher oder abweichender gfßffflgi" d]; iggziffgifldoegpgg, 
Farbe keine völlige Verdunkelung eintritt, fondern {ländig ein 4a Sekunden. 
fchwaches Feuer zu fehen iit. Blinkfeuer, die nach den Dunkel- 
paufen Gruppen von zwei oder mehr durch kurze Verdunkelung gleichlanger Dauer getrennte 
Blinke zeigen, heißen Gruppenblinkfeuer (Fig. 3). 
Literatur: Verzeichnis d. Leuchtfeuer u. Signalllellen aller Meere, Berlin. von Nieffen 
Blitz, elektrifcher Entladungsfunke, meilt von großen Dimenlionen (102 bis 
103 m Länge), hervorgerufen durch Spannungsunterfchiede in der Atmofphäre. 
J. H. Winkler in Leipzig, 1746, vermutete zuerlt elektrifche Urfache. Franklin 
ftellte ihn experimentell dar. 
Durch Hinftellen einer geöffneten Kamera bei Nacht erhielt man Photographien des Blitzes, 
durch zwei parallel geftellte Kameras in einigen hundert Metern Abftand für Blitze, die in 
etwa der zehnfachen Entfernung {ich entluden, Raum- oder Stereofkopbilder. Durch {eitliche 
Drehung einer Kamera zerlegt man das Blitzbild und erhält die Zufammenfetzung und die 
Entladezeiten. Letztere betragen V10], bis W100], Sekunden. Erftere zeigt, daß der Blitz {ich eril; 
mit zahlreichen Teilentladungen, die gewiffermaßen taftend in der Nähe vergreifen, eine Bahn 
vorbereitet, dann aber ohne Verältelungen und Teilentladungen die vorbereitete Bahn benutzt. 
Diefe Erfcheinung, daB der Blitz eine Bahn mit Vorliebe wieder benutzt, ift auf die Ioniüerung 
der Luft durch den erften Blitz zurückzuführen. Die Stromllärke größter Blitze wird nach 
elektromagnetifchen Wirkungen und Schmelzungen auf 20000 Ampere gefchätzt. 
Ueber Flächenblitze und Kugelblitze ift die Unterfuchung noch nicht ganz abgefchlolien. 
Nach den Unterfuchungen von Walter (Hamburg) icheinen die Kugelblitze darauf zu beruhen, 
daB fchwache Blitzentladungen in einer ionitierten Bahn [ich {iill und unfichtbar vollziehen, 
während {ie am Ende der Bahn aufleuchten und fo die ionilierte Bahn zugleich allmählich 
verlängern. Die Kugelblitze lind in einem fchwedifchen Wafferkraft-Elektrizitätswerk künttlich, 
anfangs unablichtlich, erzeugt worden. 
ln den Funkenblitzen zeigt {ich das Linien-, in den Flächenblitzen das Bandenfpektrum 
der die Luft bildenden Gafe. 
Gewitter an der Kiifte {ind meilt Randwirbel (V-förmige Depreflionen) der Tiefdruckgebiete 
und treten zu allen Jahreszeiten ein. Im Binnenlande treten diefe Gewitter ebenfo ein wie an 
der Küfte. Dazu aber kommen im Binnenlande die häufigeren Wärmegewitter, die auf der Er- 
hitzung der Luft am Boden in den warmen Monaten beruhen und {ich auf die Monate Juni, 
Juli, Auguft befchränken. Dem jahreszeitlichen Unterfchiede entfpricht es, daß im Binnenlande 
die rneiften Blitze nachmittags auftreten und an der Küfte nachts. 
Die Blitzgefahr im Freien ift größer als an jedem andern Platz. Auf die verfchiedenen 
Holzarten und Rinden der Bäume übt der Blitz fehr verfchiedene Wirkung aus. In Mitteleuropa 
wird nach Hellmann im Waldland auf je 50 ha erlt ein Baum jährlich vom Blitz getroffen. In 
den Tropen (Samoa) dagegen kommt auf etwa 114 ha jährlich ein Blitzfchlag, der in den 
Pflanzungen meift 2-3 Palmen zugleich köpft. 
Die verbreitete Vorlteliung, daß in den Tropen trotz der größeren Häufigkeit und Heftig- 
keit der Gewitter die Zahl der ßlitzfchläge geringer fei als bei uns, beruht vermutlich auf der 
größeren Häufigkeit der Waldkulturen, die dem darunter befindlichen Menfchen relativ Schutz 
gewähren. Nur der einzelnftehende oder befonders hohe Baum ilt gefährlich. 
Getötet werden jährlich durch den Blitz von einer Million Menfchen in England 1, Belgien 2,1, 
Frankreich 3, Schweden 3,1, Preußen 4,4, Steiermark und Kärnten 10,6. 
Literatur: [1] Hann, Lehrb. d. Meteorol., 4. AufL, Leipzig (im Erfcheinen), ebenfo im Handb. 
d.K1imatologie, 3. Aufl., Stuttgart 1916.  [2] Hellmann, Beitr. z. Stat. d. Blitzgefahr, Zeitfchr. 
d. Preuß. Star. Bureaus, Berlin 1886.  [3] Hartig, Fortlauf. naturwiffenfchaftl. Zeitfchr. 1897, 
S. 97 ff.; Jahrbücher d. K. K. Zentralanftalt, Wien; Report of the Chief Weather Bureau, Wa- 
fhington.  [4] Steffens, 0., Ueber die Blitzgefahr in Deutfchland, Differtation 1901.  [5] Van 
der Linden, La foudre et les arbres, Brüffel 1907; Annales Meteorologiques de Fobservatoire 
de Beigique.  [6] Fege, Blitzfchläge i. d. Waldbezirk Lippe-Detmold.  [7] Hiftorifches in 
Hellmanns Neudrucke, Berlin 1898; Einzelunterfuchungen von Gockel, Das Gewitter, Köln 
1905.  [8] Pockels Phyfik. Zeitfchr. 1901.  [9] Obermaier und andere, Met. Zeitfchr. 1912.  
[10] Pickering, Astrophysical Journal 1901.  [11] Toepler (Kugelblitze), Ann. d. Phylik 1900. 
 [12] Walter, Ann. d. Phylik 1903 ff.; Ueber Kugelblitze, MeLZeitfchr. 1909.  [13] All- 
gemeines: Mache u. Schweidler, Atmofph. Elektrizität, Braunfchweig 1909. Kurt Wegener 
Blitzableiter, Vorrichtung zur Abwendung der zerllörenden Wirkungen des 
Blitzes. Von Franklin 1752 angegeben. 
Der Gebäudeblitzableiter betleht aus den Auffangvorrichtungen, den Gebäude- 
leitungen und den Erdleitungen. 
Die Auffangvorrichtungen lind Metallftangen, die an den erfahrungsgemäßen Blitz- 
einfchlagftellen (den Turm- und Giebelfpitzen, Firllkanten des Daches, hochgelegenen Schorn- 
fteinköpten und andern emporragenden Gebäudeteilen) oder in der Nähe derfelben und fie
        

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