Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3169593
Bewäfferzzng des Bodens 
mittelgutem Waffer und nicht fpärlicher Aufleitung desfelben genügt eine Bewäfferungszeit von 
insgefamt 30 Tagen für jedes einzelne Grunditück, um den Erfolg der düngenden Herbft- 
bewätferung zu fichern. Die Friihjahrsbewäfferung bezweckt zugleich den Schutz der 
Pflanzen vor Kälte {owie die Erhöhung der Bodenteniperatur und erfordert große Vorlicht, um 
nicht Schaden anzurichten. Sie beginnt nach dem Auftauen des Bodenfroites früheftens im 
März und {oll im Mai, wenn das Gras herangewachfen ift, zeitig aufhören. Regel iit, die 
Wäfferung in kurzen Perioden und nur dann auszuüben, wenn die Temperatur des Wäfferungs- 
waffers höher iit als die der Luft; deshalb wäffere man vorwiegend bei Nacht, {onft nur an 
rauhen Tagen und bei bewölktem Himmel, nicht aber bei Sonnenfchein, und vermeide die 
Verwendung von Schneewaffer. Die Sommerwäfferung dient wefentlich zur Anfeuchtung 
des Bodens in der trockenen Jahreszeit, um dem {tarken Wafferbedürfnis des Oehmdgrafes zu 
entfprechen. In vielen Fällen ift der günitige Ertrag des zweiten Schnittes (Oehmd oder Grummet) 
durch die Möglichkeit einer Sommerwäfferung bedingt. Die Verwendung großer Waffermengen 
verbietet {ich hierbei in der Regel {chon durch den niedrigen Sommerwafferitand der fließenden 
Gewäffer. Die Bewafferung gefchieht während des Juli und Augutt in kurzen Zeitabfchnitten 
mit öfterem Abftellen und wird mit dem Heranwachfen des Oehmdgrafes und beim Eintritt 
kühler, taureicherer Nächte gefchloffen. 
Die düngende Bewäfferung wird um {o befferen Erfolg haben, je größer der Gehalt des' 
Wafiers an den für die Pflanzenernährung wichtigen Mineralfalzen und an fonitigen düngerartigen 
Beimengungen iit. Dabei kommen ebenfowohl die im Waffer {uspendierten als die im gelöiien 
Zuftand in ihm enthaltenen Pflanzennährltoffe in Betracht, da nach angeltellten Unterfuchungen 
 f. insbefondere [32]  die einen wie die andern bei der Bodenbewäfferung für den Gras- 
wuchs nutzbar gemacht werden. Als für den Bewäfferungszweck befonders geeignet haben 
{ich die aus der Urgebirgsformation kommenden Gewäfier erwiefen, während die den Sandftein- 
formalionen entftammenden arm an Pflanzennährftoffen Iind; dazwifchen ftehen die Waffer der 
Kalkformationen. An fuspendierten Dungftoffen befonders reich {ind die Abflüffe aus Städten 
und Dörfern, von gedüngten Feldern, aus gewiffen induftriellen Betrieben u. dgl. Zur Be- 
wäfferung nicht verwendbar find Abwäffer mit fchädlichen Beimengungen. Als äußeres Kenn- 
zeichen für die Beurteilung der Tauglichkeit eines fließenden Waffers zur Bodenbewäfferung 
gilt der am Wafferlauf {icnfindende Pflanzeiiwuchs: auf ein gutes Waffer laffen fcliließen 
Nasturtium officinale, Veronica Beccabunga, Glyceria aquatica u. a., wogegen Arundo Phrag- 
niites, Juncus, Carex ein {chlechtes Riefelwaüer anzeigen. 
Ueber den Wafferbedarf der düngenden Bewäfferung gehen die Anlichten ziemlich 
weit auseinander. Die große Verfchiedenheit der vorhandenen Angaben mag vornehmlich daher 
rühren, daß der Bedarf naturgemäß in weiten Grenzen i'chwankt, je nach der Güte des Waffers 
und nach der Befchaffenheit des Bodens. In letzterer Hiniicht kommt wefentlich die größere 
oder geringere Durchläftigkeit in Betracht. Kiefige oder {andige Böden verbrauchen {chon 
infolge ihrer mechanifchen Konftitution größere Waffermengen, abgefehen davon, daß die tonigen 
Bodenarten durch ihr ftärkeres Abforptionsvermögen für Pflanzennährttoffe den Düngergehalt 
des Riefelwaffers beffer ausnutzen. Die zu einer erfolgreichen Bewäfferung nötigen Zufluß- 
mengen werden von Vincent [6] für Norddeutfchland zu 60-1201 pro Hektar und Sekunde 
angegeben, von Dünkelberg [3] dagegen _für Mittel- und Süddeutfchland nur zu 17-53 l, 
je nachdem eine bloß genügende oder reichliche Wäfferung bezweckt werden foll; nach Keel- 
hoff [25] ift für die ewäfferungsanlagen der belgifchen Campine ein Zufluß von 301 pro 
Hektar und Sekunde erforderlich; nach Debauve [14] für die Wiefen der Vogefen 20-501 
und für die Normandie 161 pro Hektar und Sekunde. Alle diefe Angaben beziffern den tat- 
fächlichen Zufluß, den das Grundftück erhält, folange es wirklich bewäffert wird. Wie lange 
Zeit aber die (nach den Grundfätzen der Wäfferungstechnik nicht kontinuierlich, {ondern mit 
Unterbrechungen betriebene) Bewäfferung im ganzen zu währen hat, um den Erfolg der Düngung 
zu Iichern, iit dabei nicht getagt; infofern {ind alfo die obigen Angaben unvollltändig und zur 
Berechnung des wirklichen Bedarfes für ein gegebenes Areal ungenügend. Bei den zahlreichen 
ßewätferungsanlagen in Baden hat man die Erfahrung gemacht, daß der Düngungszweck einer- 
feits und die erforderliche Lüftung des Bodens anderfeits unter gewöhnlichen Verhältniffen am 
heften erreicht wird, wenn ein Grundttück im Herbft während 30, im Frühjahr während 20 Tagen 
bewäffert wird (für den Sommer {ind 10 Tage angenommen, doch ermöglichen die niedrigen 
Wafferitände der Flüffe und Bäche meitt nur eine anfeuchtende Bewäfferung von kürzerer Dauer). 
Da unter unferen klimatifchen Verhältniffen die Herbitwäfferung durchfchnittlich 90 Tage, die 
Frühjahrswäfferung 60 Tage lang betrieben werden kann, {o ergibt {ich nach obigem ein drei- 
facher Wäfferungsturnus, bzw. eine beitimmte Waffermenge genügt für eine dreimal größere 
Fläche, als {olche {ich aus dem verfügbaren Zuflußquantum und der Bedarfsziffer pro Hektar 
berechnet. Unter Zugrundelegung eines mit der Güte des Waffers wechfelnden Zufluffes von 
2Q-60l pro Hektar und Sekunde berechnen {ich für einen Boden von mittlerer Durchläffigkeit 
die zur düngenden Bewäfferung erforderlichen Gefamtwaffermengen und Stauhöhen wie folgt: 
Herbitwäfferung : 30  86400  0,02 (bis 0,06) : 52 000e-156000 m3 pro Hektar; Frühjahrs- 
 (bis  m3 pro Hektar; zufammen 87000 bis 
250000 m3 pro Hektar, entfprechend einer Stauhöhe von 8,7 bis 26,0 m. Zur Feftfetzung des 
Jghresquantums wäre hierzu noch die für die anfeuchtende Sommerwäfferung erforderliche 
Waffermenge zu rechnen. 
Da die in den natürlichen Wafferläufen vorhandenen WatTermengen bei der vielfachen 
lnanfpruchnahme des fließenden Waffers zudandwirtfchaftlichen, gewerblichen und Verkehrs- 
Zwecken erfahrungsgemäß meift nicht ausreichen, um zu allen Zeiten den Anfprüchen voll- 
nändig zu genügen, muß auf eine fparfame Verwendung des Wafiers auch bei der Boden- 
bgwäfferung gefehen werden. Ein Mittel hierzu bietet die wiederholte Benutzung des Waffers
        

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