Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3168458
Baumwollfpinnerei 
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die untere bewegt {ich in Pfeilrichtung.  Steht in diefem Fall eine Fafer {o weit über Garnitur a 
vor, daß {ie in b hineinhängt, {o wird {ie von den {charfkantigen Spitzen der Garnitur b 
erfaßt und fortgezogen. Die Spitze von a {ucht mit ihrer entgegenftehenden {charfen Kante die 
von b erfaßte Fafer feitzuhalten, und {o wird diefelbe geradegezogen. Auch wird 
notwendig da mehr Wolle {ich an b anhängen, wo mehr Wolle beifammen 
liegt (Büfchel); b wird daher auch eine Ausgleichung des Vliefes bewirken. a. 
2. Gleiche Richtung der Garniturzähne wie vorhin. Aber es bewegt {ich  
auch die obere Garnitur a in gleicher Richtung wie b, nur langfamer (Fig.9). i, 
Es findet wieder ein Geradelegen der Fafern ftatt; außerdem wird die mit  
Baumwolle gefüllte Garnitur b ihre Fafern mehr oder weniger an a abgeben. ii-w 
Bei den Stellungen Fig. 8 und 9 wird alfo eine Vergleichmäßigung der in den l-ig. s. 
beiden Garnituren a und b befindlichen Fafermengen {o üattfinden, daß ein 
Zuviel auf der einen Seite auf ein Zuwenig auf der andern Seite übergeht.  
3. Beide Garnituren ftehen fo, daß die Oberfchenkel der Zähne ver-  a 
längert {ich unter {tumpfem Winkel fchneiden, die Zähne find gleich 
gerichtet. Die untere Garnitur b bewegt iich rafch in Pfeilrichtung (Fig. 10), b 
die obere a {teht ftill oder bewegt ÜCh langfam in gleicher oder umgekehrter 
Richtung wie b. In diefem Fall finden die Fafern, von b fortgezogen, keinen  
erheblichen Widertland an der {tumpfen Seite der Zähne von a. Die Garni- F, 9 
tur b wird alle Wolle von a abnehmen. Den Fall 1 können wir auch das g'  
Karden der Baumwollfafern, den Fall 2 das Ueberführen, 3 das Ab-  
nehmen derfelben nennen.  2 a 
Die Verarbeitung der Baumwolle auf den Krempeln findet zur Zeit in  
folgender Weite ftatt. Der auf der Schlagmafchine erhaltene Wickel wird der j b 
Krempel vorgelegt und hier durch Speifewalzen unter Abwicklung allmählich 
Vorwalzen dargeboten, die das Spinngut auf die große Haupttrommel, den   5 
Tambouvr, übertragen; auf diefem findet die Verteilung entweder durch Walzen  0 
oder durch Deckel ftatt. Alsdann werden die Fafern auf die {ich langlamer B91  
drehende Abnehmwalze (Filet, Peigneur, Dotter) übertragen und aus dieier durch einen rafch 
auf und ab gehenden Kamm (Hacker) herausgekämmt. Der {o entttandene Flor wird durch 
 einen Trichter zu einem Bande zufammengezogen und zur geordneten 
 Aufftapelung in einen Preßdrehtopf geleitet. 
f a. f "i, Die einzelnen Krempel unterfcheiden {ich  
i, f, hauptfächlich durch die Werkzeuge, die die {yjj-QZÜÜÄZZZ  g 
 Q f; Auflöfung derl-laarbiifchelchen auf derlrlaupt-   Es 
w"    trommel beforgen. Dieie {ind entweder paar- Fig_12_ 
 weife angeordnete Walzen (Fig. ll) oder 
T Deck el (Fig. 12). Im erfteren Falle findet die Bearbeitung {o ftatt, 
Fignll. daß an der Arbeitftelle zwifchen der rafch umlaufenden Trommel T 
und der langfam laufenden Walze A (der Arbeitwalze, Arbeiter, Tra- 
vailleur, Worker) ein Durcharbeiten der auf der Trommel T zugetragenen Baumwollanhäufung 
durch die gleichzeitige Einwirkung der einander entgegengerichteten Drahthäkchen des Kratzen- 
befchlages eintritt, wobei gleichzeitig vom Zuviel von der Trommel T auf den „Arbeiter" A über- 
tragen wird, der es nach oben mit hereinnimmt. Diefe Haare werden dann durch die gleichgerich- 
teten Drahthäkchen der rafcher umlaufenden Wendewalzen W(Nettoyeur, Stripper) aus der Arbeit- 
walze herausgenommen und wiederum auf die am rafcheften laufende Trommel T übertragen. 
Krempel, die mit {olchen Walzenpaaren ausgerüftet tind, leiiten {ehr viel, aber durch 
das wiederholte Auseinanderzerren und Wiederzufammenftauchen liefern {ie rauhes Garn. Sie 
finden deshalb in der Baumwollfpinnerei nur für die Heritellung grober Garne, namentlich alfo 
in der „Abfallfpinnerei' (f. d.) Verwendung. 
Bei den Krempeln mit Deckeln (Fig. 12) wird die Baumwolle fortwährend in ein und der- 
{elben Richtung ausgeitrichen, das danach hergeftellte Gar-n erhält infolgedeffen mehr Strich 
als das moofige, auf den Walzenkrempeln vorbereitete, doch ftehen die Deckelkrempeln gegen- 
über den Walzenkrempeln bezüglich der Maffenleiftung zurück. Für mittelfeine Garne ver- 
wendet man deshalb das gemifchte Syftem  l-lalbwalzeng Halbdeckelkrempel  während 
man für die feinen Garne wegen ihrer oben genannten Vorzüge nur die Deckelkrempel benutzt. 
Halbwalzem, Halbdeckelkrempel. Fig. 13 zeigt eine gemifchte Karde, 
worin die {amtlichen Organe aller Kardenfyiteme enthalten find, in der Seitenanficht. Der Aus- 
lauftrichter i, trompetenförmig mit vorgelegter halbmondförmiger Schiene, nimmt den von 
der Abnehmerwalze A mittels des Hackers losgelöiten Flor zufammen und bringt ihn in Band- 
form. Es folgen gewöhnlich 2 Paar Riffelzylinder oder l Paar glatter Zylinder (q ql), die das 
Band preffen und fchwach verziehen und es in die Kannenpreffe (oder Drehtopfkanne) 
abliefern, ein Mechanismus, der mittels eines rotierenden fchrägen Rohres das Band in epizy- 
kloidalen Windungen in ein zylindrifches Blechgefäß, die Kanne (die unter dem Preßkopf K 
fteht), legt. Da auch die Kanne {ich langfam dreht, legen tich die Spiralwindungen an der 
Kannenwand herum {ich kreuzend übereinander und iind {o beim Transport vor dem Verwirren 
efchützt. 
g Verftellbarkeit der Organe. Die Kardengarnitur nutzt {ich ab, von 11 auf 6-5 mm, 
Darum iit ein Nachftellen aller arbeitenden Organe parallel gegeneinander nötig, weshalb überall 
Stellager. Kein Organ darf mit {einer Garnitur die des benachbarten berühren. Behufs genauen 
parallelen Einttellens werden Stahlblechlehren von 0,1 mm an zwifchen die Garnituren ge- 
ichoben. Auch der Kamm k ift verftellbar. Die Deckel {etzen {ich mit Unreinigkeiten voll und 
müden deshalb oft gereinigt werden. Bei dem ruhenden Deckel (Fig. 13) machen {ich daher 
Lueger, Lexikon der gefan-rten Technik. 3. Aufl. I 32
        

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