Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3168306
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Baugrube 
Baugrund 
Baugrube. Im Trockenen werden die Baugruben von den fie begrenzenden Erdwänden 
umfchloffen, im und am Waffer müffen fie durch befondere Umfchließungen gebildet werden. 
Haben die Baugruben eine langgeftreckte fchmale Grundform, fo fpricht man  je nach ihrer 
Beltimmung  von Fundamentgräben oder Rohrgräben. Fefter Felfen, feltgelagertes 
Gerölle u. a. können in lotrechter Begrenzung abgefprengt bzw. abgegraben werden. Auch 
weniger fette Bodenarten bleiben auf geringe Tiefe lotrecht ftehen. Bei größeren Tiefen und 
bei lockereren Bodenarten werden die Grnben- bzw. Grabenwandungen geböfcht ausgeführt; 
um an Ausfchachtmaffe zu fparen, hält man die Böfchung möglichft Iteil; bei größerer Tiefe 
unterbricht man fie durch Bermen, damit kein Nachttürzen erfolgt. Sollen in lockerem Boden 
Baugruben mit Iotrechten Wandungen ausgefchachtet werden, fo müffen fie durch eine Zimme- 
rung oder Bölzung (f. d.) vor dem Zufammenttürzen bewahrt werden. Im und am Waffer 
bildet man eine Baugrube nur dann, wenn man das Waffer ausfchöpfen oder auf andere Weife 
entfernen kann. Das Umfchließen folcher Baugruben kann in verfchiedener Weife gefchehen: 
1. durch Spundwände (f. d.) in Holz, Eifen oder Eifenbeton, meift für Betonfundamente und 
folche aus Sandfchüttung verwendet. Die Wände verbleiben zum Schutz des Fundaments; 
2. durch Pfahlwände (f. d.) in denfelben Fällen, jedoch bei größerer Waffertiefe gebräuch- 
lich; 3. durch Fangdämme (f.  4. durch Schwimmkaften (f. d.) ohne oder mit Boden, 
auch Senkkalten genannt; 5. durch das Gefrierverfahren (f. Gefriergründung). 
Die Trockenlegung naffer Baugruben erfolgt entweder durch unmittelbares Auspumpen 
der Baugrube aus einer Vertiefung in ihrer Sohle, dem „Pumpenfumpf', oder aus neben der 
Grube gelegenen Brunnenfchächten, wobei in letzterem Fall der Wafferfpiegel etwas tiefer als 
die Baugrubenfohle zu fenken ilt. Die Wafferfchöpfmafchinen müffen licherheltshalber eine 
Steigerungsfähigkeit ihrer Leiftung bis zum Doppelten der normalen befitzen. Quellen auf 
der Baugrubenfohle leitet man, wenn man lie nicht fchließen kann, in befonderen Rinnen 
zum Pumpenfumpf oder macht {ie unfchädlich, indem man ein eifernes Rohr eintreibt, das mit 
feiner Oberkante über dem Außenwafferfpiegel gelegen itt. Wo bei Triebfand die Baugruben- 
fohle freigelegt werden foll, darf das wegen gefährlicher Auflockerung nicht durch unmittel- 
bares Auspumpen, fondern nur durch allgemeine Grundwafferabfenkung erfolgen. Grund- 
wafferabfenkungen (f. d.) in großem Maßftab mit rings um die Bauftelle eingefchlagenen, 
oft in mehreren Etagen angeordneten Rohrbrunnen, die etagenweife an eine ringförmige Saug- 
leitung und eine Pumpenanlage angefchloffen tind, werden neuerdings vielfach verwendet, um 
die Bauwerke in dem trockengelegten Untergrund wie in offener Baugrube [1] ausführen zu können. 
Literatur: [I] Die Wafferkraft1919, S. 174; Schweiz. Bauztg. 1924, S. 152; Nachrichten der 
Siemens-Bauunion Nr. 819, 1924. Ammann 
Baugrund, die natürliche Bodenfchicht, auf die das Fundament eines Bau- 
werks aufgefetzt wird; er heißt auch Untergrund. 
Nach der Tragfähigkeit unterfcheidet man: a) unpreßbaren Baugrund, deffen Druckfeltig- 
keit größer, und b) preßbaren, delTen Druckfeftigkeit gleich oder kleiner als jene des Funda- 
mentmauerwerks ift. Zu a) gehören gewachfene Felsarten, zu b) alle andern Bodenarten, die 
man nach ihrer kleineren oder größeren Zufammenpreßbarkeit unterteilt in 1. guten Baugrund 
(feftgelagerter Kies und Gerölle, trockener Mergel und Ton u.  2. mittelguten Baugrund 
(grober Sand, fetter Lehm u.  3. fchlechten Baugrund, der fchon merklich nachgibt (feiner 
Sand, nafTer Lehm und Ton, Dammerde, aufgefüllter Boden), 4. fehr fchlechten Baugrund, der 
unter Belaftung ausweicht (Torf, Moor, Humus, Flug- und Triebfand). Neben der Bodenart 
und ihrer Widerftandsfähigkeit itt für die Gründung von Bedeutung, ob die belafteten Schichten 
mächtig genug Iind, um den Druck genügend nach unten zu verteilen, ob nicht durch ftarke 
Neigung derfelben ein Abgleiten zu befürchten ift, ob ihr Bettand nicht durch aufweichende 
oder auswafchende Einwirkung von Waffer als Grund- oder offenes Waffer gefährdet wird, und 
0b fchließlich nicht andere Urfachen (Bergwerke, Stollen) Bodenbewegungen im Untergrund 
hervorrufen. Nur wo die Erdoberfläche aus fettem, frott- und wetterbettändigem Fels belteht, 
kann fie unmittelbar als Baugrund benutzt werden, fontt ift ttets entweder ein Abheben der 
oberen lockeren Bodenfchichten, mindeftens bis Frotttiefe (0,8-I,0 m), erforderlich, bis man 
genügend tragfähigen Baugrund erreicht, oder es müffen, wo er in zu großer Tiefe liegt, be- 
fondere Gründungsverfahren zur Anwendung kommen. Auf fchlechten Baugrund können 
Fundamente unmittelbar nur nach  in gewiffen Grenzen möglicher  VerbeHerung desfelben 
(f. unten) aufgefetzt werden, auf mittleren folche mit geringem Fundamentdruck, wenn kleine 
Setzungen ihren Beftand nicht gefährden, auf guten Baugrund können die meilten Bauwerke, 
auf fehr guten alle vorkommenden ficher gegründet werden. 
Da von der Sicherheit der Gründung der Beftand der Bauwerke weitgehend abhängt, 
find, foweit der Baugrund nicht vorher bekannt, forgfältige und fachgemäße Bodenunter- 
fuchungen (f. unten) vorzunehmen. Bei Gebäuden für den Aufenthalt von Menfchen und 
Tieren muß der Baugrund außer den technifchen auch hygienifche Bedingungen erfüllen: Ver- 
hütung der Durchfeuchtung der Innenräume und des Eindringens gefundheitsfchädlicher Gafe. 
Baugrundentwäfferung. Die Tragfähigkeit mancher Bodenarten wird verändert oder 
aufgehoben durch das Vorhandenfein von Waffer, das Iie aufweicht oder Rutfchungen ver- 
anlaßt. Handelt es (ich um vielfach iin Baugrund oder auf einer Rutfchfläche verteilte Waffer- 
adern, fo entwätiert und trocknet man fie durch Drainage (f. d.) mittels eines Netzes von 
Sickergräben (f. d.) oder Drainrohren oder beiden zugleich. Vorhandene Quellen faBt man 
oberhalb des Fundaments und leitet ihr Waffer ficher ab. 
Baugrundunterfuchungen werden vorgenommen: 1. durch Schürfungen (f. d.) 
in Form von Schürfgruben, -gräben, -fchlitzen, Jchächten und -ftollen, beites, aber wegen 
erforderlicher Zimmerung und Wafferhaltung meift teuerttes Verfahren, das genauen Auffchluß
        

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