Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3167347
Bahnhöfe 
handenfein von Gepäckbahnfteigen und bei Anordnung je eines befonderen Zugangs- und 
Ausgangsperfonentunnels fowie eines Gepäcktunnels, etwa nach Fig. 18. Wie die eingezeich- 
neten Pfeile andeuten, lind nicht nur die Wege der zu- und abgehenden Reifenden voneinander 
, , .  I und von den Wegen des Gepäcks getrennt; auch 
 die Wege der zugehenden Reifenden, mögen lie von 
Z  1111111111  t den Fahrkartenfchaltern unmittelbar oder über die 
 Gepäckannahme hinweg {ich nach den Bahntteigen 
 begeben oder auch inzwifchen noch die Wartefäle 
 m   g auffuchen, kreuzen {ich nur in vereinzelten Fällen. 
 Das aufzuliefernde Gepäck gelängt durch befondere 
   uns.    Ein än e vom Vorplatz zur epäckannahme, und 
  5' qif ebeäfo gkann das angekommene Gepäck von der Ge- 
l Üllffl-  IIW1I  päckausgabellelle, an der der Weg der abgehenden 
  Reifenden entlangführt, auf befonderem Wege auf 
 v den Vorplatz hinausbefördert werden. Befonders. 
"  bequem kann das nicht abgenommene Gepäck bei 
Figv w demnächltiger Weiterreife neu aufgegeben werden, 
weil Gepäckannahmeitelle und Gepäckausgabeftelle 
zufammenhängen. Angekommene Reifende, die {ogleich weiterfahren wollen, gelangen durch 
den Vorraum der Gepäckabfertigun zur Eintrittshalle. 
Ungeachtet {olcher Vorzüge ä diefe Anordnung, die nach ihrer anfcheinend erlten An- 
wendung in Straßburg wiederholt benutzt worden ift, beim Bau einer Reihe neuerer Bahnhöfe 
verlaffen worden. Diele weifen ftatt deilen einen entfprechend breiteren Tunnel oder eine 
breitere Brücke auf, für Zu- und Abgang gemeinfam dienend. Die neuere Anordnung kann 
man {ich aus der in Fig. 18 dargeltellten, abgefehen von verfchiedenen Möglichkeiten der Einzel- 
durchbildung, {o entftanden denken, daß der befondere Ausgangstunnel (die Ausgangsbrücke) 
fowie die Ausgangshalle fortgelaffen werden. Die Gründe für diefe neuere Entwicklung liegen 
wohl am wenigften auf dem Gebiete der Sparfamkeit hintichtlich der Anlagekolten, eher {chon 
auf demjenigen der Erleichterung und Verbilligung der Bahniteigfperre (f. oben Forderung e). 
Damit hängt es aber zufammen, daß bei nur einem Weg für Zu- und Abgang die ganze 
Bahnhofsanlage an Einfachheit, Klarheit und Ueberfichtlichkeit gewinnt (Forderung b). Ein 
befonderer Ausgangsweg wird auch erfahrungsmäßig nur dann als folcher benutzt, wenn er für 
die ankommenden Reifenden kürzer oder bequemer ift als der Zugangsweg. Wenn hiernach 
die neuere Entwicklung für die Mehrzahl der Fälle gerechtfertigt erfcheint, {o wird man doch 
auf Bahnhöfen mit he onders {tarkem Verkehr, befonders wo der Nahverkehr mit dem Fern- 
verkehr gemifcht iit, zweckmäßig auf eine Verkehrsteilung Bedacht nehmen, die aber nur dann 
(f. oben) Erfolg haben kann, wenn dabei beachtet iit, daß der Verkehr ftets den Weg geringlten 
Widerftandes auffucht. 
Die Form IV wird in der Regel nur da in Frage kommen, wo es an genügendem Platz 
für ein neben die Bahnfteiggleisanlage zu {tellendes Empfangsgebäude fehlt. Bei Hochlage der 
Bahn ift es {chwierig, wenn auch nicht unmöglich, zwifchen den Pfeilern des Unterbaues die- 
Eintrittshalle, die Abfertigungs- und Warteräume in ausreichender Größe und überfichtlich unter- 
zubringen. Für den Fall tiefliegender Bahn, alfo bei Brückenlage des Empfangsgebäudes, bilden 
die beiden Bahnhöfe Hamburg-Hauptbahnhof und Kopenhagen hervorragende Beifpiele. Ham- 
burg entfpricht etwa der Skizze Fig. 17 mit Zugang von der einen, Ausgang nach der anderen 
Parallelltraße. In Kopenhagen ilt auch der Bahnhofsvorplatz brückenmäßig über die Gleife 
gelegt, {o daß die ganze Anlage noch mehr als die Hamburger derjenigen eines Kopfbahnhofes 
ähnelt. Die Anordnung IV mit Brückenlage des Empfangsgebäudes geltattet es, gute Ueber- 
tichtlichkeit mit verhältnismäßig kurzen Wegen für die Reifenden zu verbinden. Betrieblich 
leidet {ie aber an erheblicher Unüberiichtlichkeit. Es fmd auch gemifchte Anordnungen denkbar. 
So lind auf dem Bahnhof Lübeck Eintrittshalle und Abfertigungsräume nach Forml angeordnet, 
die Wartefäle nach Anordnung IV über die Gleife gelegt. Man kann auch die Forml (ebenfo 
die Formen II und III) bei entfprechender Stadtlage durch Zu- und Ausgänge auf der Gegen- 
{eite des Hauptvorplatzes ergänzen, die namentlich für den Nahverkehr in Betracht kommen 
werden. Ferner iit eine Abänderung der Form I dahin denkbar, daß auf der einen Seite der 
Bahnfteiganlage ein Abfahrtgebäude, auf der anderen ein Ankunftgebäude, je mit Vorplatz, beide 
verbunden durch die die Bahnlteiganlage unterquerenden Tunnel bzw. iiberquerenden Brücken, 
angeordnet werden. Im ganzen kann man nach der neueren Entwicklung die Forml als Regel- 
form betrachten, während die Form IV und die zuletzt erwähnten Mifchformen nur bei Vor- 
liegen befonderer örtlichen Verhältniffe angezeigt ericheinen. 
Die vollftändige Trennung der Wege des Gepäcks von denen der Reifenden erzielt man, 
wenn man überall, abwechfelnd mit den Perfonenbahnfteigen, Gepäckbahnfteige anordnet, in 
denen die Aufzüge von Gepäcktunnel oder Gepäckbrücke her einmünden. Eine auskömmliche 
Löfung (die bei befchränkter Geländebreite einer Vollanlage mit zu knappen Bahnlteigsbreiten 
oder zu wenigen Bahniteigen vorzuziehen ift) erhält man aber auch fo, daß man unter Verzicht 
auf befondere Gepäckbahnfteige das Gepäck den Perfonenbahnfteigen (unter Vermeidung des 
Entlangkarrens auf ihnen) an ihren Enden zuführt, d. h. dort, wo die Gepäckwagen der Züge 
zu halten pflegen, und wo der Verkehr der Reifenden, fofern er überhaupt {o weit reicht, nur 
noch fchwach ift. Fig. 19 zeigt dieie Anordnung für einen Bahnhof der Form I. Wefentlich ilt 
ES, daß an der Stelle a (Fig. 19) die Kreuzung der Wege von Reifenden und Gepäck durch 
Uebereinanderfortfiihrung vermieden wird, bei hochliegender Bahnfteiganlage fo, daß der Per- 
{onentunnel in halber Höhe angeordnet ift und der ebenerdig angeordnete Gepäcklängsweg 
nach dem linken Bahnlteigende unter ihm hinwegkreuzt (Dresden-Neultadt).
        

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