Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3166993
Azetylendzloride 
Azetylzellulofe 
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Azetylenchloride lind Verbindungen, die aus Azetylen und Chlor entliehen. 
Zum Beifpiel das Azetylentetrachlorid (Tetrachloräthan), C2H2Cl4- Es ifi nicht 
brennbar, liedet bei 144" und dient als Löfungsmittel für organifche Stoffe, befonders Fette, 
Harze, Oele, Schwefel ufw. In feuchtem Zuftande greift es Metalle langfam an unter Bildung 
von Dichloräthylen. 
Trichloräthylen, C,HCI„, entlteht durch Kochen von Azetylentetrachlorid mit Kalk- 
fchlamin. Es wird in der Technik kurz „Tri ' genannt, ift eine chloroformähnliche Fliiffigkeit 
vom Siedepunkt 850 und einem fpezififchen Gewicht von 1,47. Es iit bei Gegenwart von Waffe: 
gegen die technifch gebräuchlichften Metalle indifferent, nicht brennbar und daher ein aus- 
gezeichnetes Erfatzmittel für Benzin und Tetrachlorkohlenltoff, an deren Stelle es zur Extraktion 
von Fetten, Oelen, Harzen ufw. ausgedehnte Verwendung findet. Auch ,Tri'-haltige Seifen 
finden technifch wegen ihrer befonderen fettlöfenden Wirkung ausgedehnte Anwendung. 
Das Pentachloräthan, CBHCIS, hat einen Siedepunkt von 159", das Perchlor- 
äthan, C,Cl4, einen folchen von 119", das Dichloräthylen, C2H2Cl2, einen folchen von 
520. Alle diefe Produkte lind flüffig. Das Hexachloräthan, CzClß, ift ein fetter, kampfer- 
ähnlich riechender Körper, der bei etwa 185", ohne zu fchmelzen, fublimiert. Es findet als 
Erfatz für Kampfer und in der Sprengftoffindultrie zur Herftellung von Sicherheitsfprengltoifen 
AHWEIldLlHg. Mezger 
Azetylenruß (Azetylenfchwarz), tieifchwarze Körperfarbe für Oel und 
Waffer, Ruß,_nahezu reiner Kohleniioff  aus Rückftänden der Karbid- 
fabrikation nicht durch Abfcheidung aus rußender Flamme, die nur  Aus- 
beute ergibt, fondern durch Ausnutzung der endothermifchen Eigenfchaft des 
Azetylengafes.    Audäs 
Azetylit, Kalziumkarbidmaffe mit Mantel aus Zucker, Nachentwicklungen 
von Azetylen nach Abltellen des Waffers verhindernd. 
Azetylfalizylfaure (Afpirin) wird durch Erhitzen von Salizylfäure mit Eilig- 
fäureanhydrid und konzentrierter Schwefelfäure gewonnen. Es bildet farblofe 
glänzende lfriltallnadeln voniäuerlichem Gefchmack, einem Schmelzpunkt von 
135" und findet als Fiebermittel Anwendung. Mezger 
Azetylzahl, geltattet die Beltimmung des Hydroxylgehaltes eines Fettes, 
Fettgemifches oder Fettbeftandteiles, gibt alfo ein Maß für den Gehalt an Oxy- 
fettfäuren oder Fettalkoholen. Mezger 
Azetylzellulofe (Zellulo f eazetat), Eiter der Zellulofe, die durch Ein- 
wirkung von Eiiigfäureanhydrid oder Azetylchlorid auf Zellulofe und Zellulofen- 
abkömmlinge bei Gegenwart eines Katalyfators entliehen. 
Die erften hergeltellten Azetylzellulofen waren technifch fchlecht verwertbar, weil iie in 
Azeton nicht löslich waren. Sie ltellten Zellulofetriazetate vor. Erft als es gelang, azetonlösliche 
Zellulofehydroazetate herzuilellen, die teils in Azeton teils in Efügäther löslich waren, konnten 
die Azetylzellulofen als Erfatz für das feuergefährliche Kollodium in Betracht kommen. Zuerli 
ltellte fo Bayer das Cellit fabrikmäßig her, welches zur Bereitung plaftifcher Maffen und 
photographifcher Films Anwendung fand. Gegenüber dem Zelluloidfilm, der fehr feuergefähr- 
lich ilt, zeigt der Azetatfilm eine geringe Feuergeiährlichkeit, er hat aber gegenüber dem 
Zelluloidfilm auch wieder große Nachteile. Allmählich wurden durch verfchiedene Azetylierungs- 
verfahren Zellulofetriazetate, die fogenannten chloroformlöslichen Azetylzellulofen erhalten, die 
einen geringen Zufatz an Alkohol und anderen Nichtlöfungsmitteln ertragen und fogar durch diefe 
Zufätze günßig beeinflußt werden. Ein anderes Verhalten zeigen die fogenannten azetonlöslichen. 
Zellulofeazetate, die [ich von den Triazetaten dadurch unterfcheiden, daß fie (ich in Azeton 
fowie zum Teil in Fettfäureäthern, insbefondere bei Gegenwart von Alkohol leicht löfen; iie 
lind in Chloroform in der Kälte fchwer löslich und werden als Zellulofe-Hydroazetate be- 
zeichnet. Sie entliehen in der l-iauptfache durch direkte Hydroliiierung der Azetylzellulofe 
mittels Waffers, verdünnter Säuren ufw. Je nach dem Grade der Hydroliiierung werden fo 
Azeiate von verfchiedenen Eigenfchaften gegenüber den Löfungsmitteln ufw. gewonnen. Als 
Ausgangsmaterial für die Herltellung der Zellulofeazetate kommt hauptfächlich unveränderte 
oder gebleichte Zellulofe (Watte, Papier, Zellftoff), ferner Hydrozellulofe (Kunltfeide, Viskofe), 
oder aber Abkömmlinge der Zellulofe, wie Oxyzellulofe, Nitrozellulofe, Alkalizellulofe ufw. in 
Betracht. Als Katalyfaioren bei der Azetylierung finden unter anderem Schwefelfaure, Chlor 
und Brom Verwendung. Die Azetylierung gefchieht zweckmäßig unter äußerer Kühlung mit 
Eis und wird fo geleitet, daß eine Durchfcnnittstemperatur von 15" nicht überfchritten wird. 
Die Azetylierung mit Schwefelfäure wird z. B. wie folgt durchgeführt: Baumwolle wird in ein 
Gemifch von Etligfäurearihydrid und Eisefiig eingetragen; in kleinen Portionen wird nun 
Schwefelfäure von 60" Be eingetragen und dabei die Temperatur möglichlt nieder (unterhalb 
30") gehalten. Nach 2-6 Stunden löfen {ich die Baumwollfafern _und es entlteht eine klare, 
firupartige Löfung. Eine Probe derfelben, mit Waffer gefällt, gibt ein flockiges Azetat, das {ich 
beim Erwärmen in 7001„ igem Alkohol löit. Die Löfungen erftarren in der Kälte zu einer klaren 
Gallerte. Bei weiterem Stehenlafien der Reaktionsmaffe entiteht nach einigen Stunden das. 
Zellulofehydroazetat, welches nach dem Trocknen in Chloroform löslich ift. Die Fällung der 
Azetylzellulofelöfungen rnit Waffer befitzt einerfeits den Vorteil, eine weitere Einwirkung des 
Efiigfäureanhydrids und der Kontaktfubltanzen, insbefondere der Schwefelfäure, aufzuheben,
        

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