Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3166646
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Augenbunze 
Augenpunkt 
die hintere: 19,8843 mm; die Entfernung beider Knotenpunkte itt 0,3698 mm. Die den vorderen 
Brennpunkt und den vorderen Hauptpunkt betreffenden Maße find von Ferraris-Lippich 
verbeffert worden, da Wüllner ein Rechenfehler unterlaufen war. Bei obigen Angaben {ind diefe 
Verbefferungen bertickiichtigt worden. 
Von dem bereits erwähnten blinden Flecke aus breiten {ich die Arterien und Venen der 
Netzhaut nach allen Seiten aus. Die Netzhaut ift bedeckt mit feinen, dicht beieinander ftehenden 
Nerventaftern; von jedem diefer Lichtaufnahmeapparate führt eine Nervenfafer zum blinden 
Flecke. Diefe Nerventaiter zerfallen in zwei Arten, die feinen zylindrifchen „Stäbchen' und 
die breiteren, mehr kegelförmigen „Zäpfchen". Im ,Sehgrübchen' des gelben Flecks, der Stelle 
des fchärfften Sehens, {ind nur Zäpfchen in mofaikartiger, der Farbenempfindlichkeit in unterm 
Auge entfprechender Anordnung vorhanden; hier kommt das ,Farben{ehen" zuftande. Mit 
wachfender Entfernung vom gelben Flecke nehmen die Stäbchen an Zahl zu; fie [ind befonders 
für Helligkeitsunterfchiede empfindlich und treten namentlich bei der Wahrnehmung 
nichtfixierter Gegenftände {owie beim Sehen im Zwielicht in Tätigkeit. Auf der Netzhaut be- 
findet {ich der Sehpurpur, der durch das Licht zerfetzt, aber fortwährend neu gebildet wird. 
Der Augenhintergrund zeigt {ich bei Unterfuchungen mit dem Augenfpiegel bei ver- 
{chiedenen Menfchenraffen verfchieden gefärbt; die Farbe ändert {ich vom Orangerot bei liell- 
blonden Europäern bis zum Dunkelbraun bei Negern. Der Augenhintergrund der menfchen- 
ähnlichen Affen ift dem der Neger {ehr ähnlich. Allen übrigen Säugetieren fehlt das Seh- 
grübchen, das aber die Vögel betitzen. An Stelle des gelben Flecks befitzen die Säugetiere 
eine größere lichtempfindliche Zone, die bei verfchiederien Tiergattungen verfchieden gettaltet 
iit und als „Zentralbezirk' bezeichnet wird. Sehr intereffarite Augenfpiegelunterfuchungen an 
Tieren hat der englifche Augenarzt G. Lindfay Johnfon angeitellt. 
Literatur: [1] Leuckart, Organologie des Auges, in Ciräfe und Sämifch, Handb. d. gefamten 
Augenheilkunde, Leipzig 1875.  [2] Carriere, Die Sehorgane der Tiere, München 1885.  
[3] Helmholtz, H., Handb. d. phytiologifchen Optik, 2. Autl., Hamburg und Leipzig 1892.  
[4] Lifting, Beitrag zur phyfiol. Optik, Göttingen 1845.  [5] Derf., Wagners Handwörterb. d. 
Phyfiologie, 1851, Bd. 4, S. 451.  [6] Wüllner, A., Einleitung in die Dioptrik des Auges, Leip- 
zig 1860.  Derf., Lehrb. d. Experimentalphyiik, 2. Bd., 3.Aufl., Leipzig 1871.  [7] Matthieffen, 
L., Grundriß der Dioptrik gefchichteter Linfenfyfteme, Leipzig 1877.  [8] Fick, A., Dioptrik 
des Auges, in Hermanns Handb. d.Phy{i0logie, Bd. 3.  [9] Czapski, Grundzüge der Theorie 
der opt. lnltrumente von Abbe, 2. AutL, herausgeg. von O. Eppenitein, Leipzig 1904.  [10] 
Ferraris-Lippich, Die Fundamentaleigenfchaften der dioptrifchen lnftrumente, Leipzig 1879.  
[ll]Johnfon, „Contributi0ns to the comparative anatomy of the mamalian eye" in „Philosophical 
Transactions of the Royal Society of London", Serie B, Bd. 194. (Aug. Schmidt) F-Melfel 
Augenbunze (Au genpunze) dient zur Erzeugung geringer Vertiefungen 
oder Erhöhungen in Metall durch Schlagen. 
Augenmaß, die Fähigkeit, räumliche Größen (Längen, Winkel, Flächen) 
untereinander zu vergleichen und das Ergebnis diefer Vergleichungen in irgend- 
einer Form zum Ausdruck zu bringen. 
Der pfychifche Vorgang bei diefen Vergleichungen ift ein {ehr komplizierter, für den wir 
eine vollftändige Erklärung zurzeit noch nicht befitzen. Die Aeußerung des Urteils ift nicht 
das Ergebnis eines einfachen Eindruckes, fondern einer Kombination mehrerer Empfindungs- 
merkmale  Wir tind aber nicht in der Lage, diefe Elemente zu trennen. Man nimmt an, 
daß bei, dem erften Element, beim Sehen mit fixiertem Blick, die den Bildpunkten entfprechende 
Netzhautdiftanz der Schätzung zugrunde liege, bei dem zweiten die bei der Blickbewegung 
aufzuwendende Muskelarbeit. Beide Momente iind bei dem Zuftandekommen der Größerivor- 
{tellung beteiligt, indem {ie {ich gewitfermaßen gegenfeitig unterftützen und die Genauigkeit 
erhöhen   Die Fähigkeit, Größen richtig zu vergleichen, beruht auf Erfahrung und daher 
ift die Uebung im Schätzen nach dem Augenmaß für die verfchiedeniten Berufsarten von 
größter Wichtigkeit. Die richtige Schätzung iit von einer Reihe äußerer Umttände abhängig, 
0 vor allem von der Lage, der Farbe, der Oberflächenbefchaftenheit der zu vergleichenden 
Gebilde; auch der Bau und die Gewöhnung des menfchlichen Auges {elbft find von erheb- 
lichem Einfluß. Befondere Rolle {pielt auch der Uniftand, ob es {ich um direkte Vergleichung 
oder um Zuteilung in Unterabteilungen, z. B. von Längenintervallen, handelt. Man hat verfucht, 
durch geeignete Vertauichung der zu vergleichenden Stücke befonders phyfiologifche Fehler- 
quellen zu vermeiden  Reveriionsprisma)  Auch die richtige Abfchätzung von Ent- 
fernungen gehört z. T. hierher. Diefe ift außer von der Uebung der Schätzenden ftark von der 
Befchaffenheit des zwifchenliegenden Geländes, ebener Boden, Waldparzellen, Wafferfläche ufup, 
abhängig, wodurch mehr oder weniger geeignete Vergleichsobjekte geboten werden.  Für die 
Schätzung von Winkelgrößen iit zu vergleichen: Winkelmeffung und Himmel. 
Literatur: [1]Helmho1tz, Handb. d. phyfiolog. Optik, 3.Ab{chn., Leipzig 1867.  Kries, J. v., 
Beiträge zur Lehre vom Augenmaß, Hamburg u. Leipzig 1891.  [2] Reinhertz, Mitteilung einiger 
Beobachtungen über die Schätzungsgenauigkeit an Maßltäben, insbefondere an Nivellierfkalen, 
Halle 1894- [3] Labitzke, P., Experimentelle Unterfuchungen über die Fehler der Mittelein- 
{tellungen mit befonderer Berückfichtigung attronom. Meffungen, Göttingen 1914.  Müller, C., 
Einiges über Beobachtungsfehler beim Abfchätzen an geodätifchen lnftrumenten, aus den Fort- 
fchritten der Pfychologie und ihrer Anwendungen, Leipzig 191d, 4. Heft. 1. Lllmbrüfvl- 
Augenpunkt, beim altronomifchen Fernrohr, der Punkt, in dem das Auge 
die günttigite Stellung zur Ausnutzung von Helligkeit und Gefichtsfeld hat.
        

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