Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3166133
Atombau 
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mit leichten Riemen am Kopfe befeftigt, zur Beleuchtung dient eine gewöhnliche Laterne. Sind 
der Luft dagegen fchädliche Gafe beigemengt, fo wird die Atmung durch Zuführung von atmo- 
fphärifcher Luft oder von Sauerftoff ermöglicht. Ein Mann atmet in der Minute in der Ruhe 
etwa 101, bei angeftrengter Arbeit mit Atmungsapparat etwa 751 Luft ein. Statt der atmofphä- 
rifchen Luft, deren Stickltoff für die Atmung indifferent ilt, kann unbefchadet längere Zeit reiner 
Sauerttoff geatmet werden.  Für die Verwendung wird Sauerltoff von 120 Atm. Spannung 
in gepreßte Stahlbomben gefüllt, die auf einen Druck von 250 Atm. geprüft und mit Reduktions- 
ventil und Manomeler verfehen find. Auf den Bahnen findet der Verfand als gewöhnliches 
Frachtgut flatt.  Man unterfcheidet: Schlauchapparate, Refervoirapparate (zum 
Teil Tornifterapparate genannt) und Zirkulations- oder Regenerationsapparate. 
Bei den Schlauchapparaten wird dem Manne Atmungsluft aus einem mit guter Luft er- 
füllten Raume durch einen Schlauch zugeführt; für geringe Längen genügt die Afpirationskrait 
der Lunge. Bei größeren Längen wird die Atmungsluft von einem zweiten Manne mittels eines 
Blafebalges oder einer kleinen Preßpumpe in den Schlauch gedrückt, auch wird wohl der 
größere Teil des Schlauches durch eine fett angebrachte Preßluftleitung erfetzt, der Ueberdruck 
wird durch ein Reduktionsventil erniedrigt. Der Kopf des Mannes ift von einer Art Helm, 
ähnlich wie ein Taucherhelm, mit Schaulöchern, Ausblafeventil und Anfchlußftutzen für den 
Schlauch vollltändig umgeben, zuweilen auch der Oberkörper durch eine Jacke gefchützt, wenn 
es {ich darum handelt, die ltrahlende Wärme abzuhalten; der zugeführte Luftüberfchuß umfpült 
kühlend Kopf und Oberkörper. Die Schlauchapparate liehen zweckmäßig in Anwendung in 
chemifchen Fabriken, wo nur Räume von geringer Ausdehnung zu betreten find, oder im Berg- 
bau beim allmählichen Vordringen in ein Brandfeld (f. Grubenbrand); bei größerer Länge 
muß der Schlauch überwacht werden, das Nachziehen hindert die freie Bewegung. Letztere 
wird in vollem Maße durch die Refervoirapparate erreicht, da der Mann in einem Be- 
hälter eine entfprechende Menge Sauerftoff in komprimiertem Zuliande mit (ich führt. Zur Be- 
leuchtung dient eine elektrifche Akkumulatorlampe. Diele Apparate finden im Bergbau bei 
Arbeiten in Brandgafen und in Nachfchwaden (f. Wetter) Anwendung. Behälterapparate ein- 
fachtter Bauart, bei denen der Sauerftoff nach einmaliger Einatmung in die freie Luft ausgeatmet 
wird, finden wegen der fchlechten Ausnutzung des Sauerltoffes kaum noch Anwendung.- 
Von Regenerationsapparaten werden zur Zeit in Deutfchland am häufigften angewendet die 
Apparate Drägerwerke, Lübeck, und der Mafchinenfabrik Weftfalia, Gelten- 
kirchen  
Die Atmungsapparate, die zur Rettung Verunglückter dienen, haben eine Gebrauchsdauer 
von 2 Stunden. Kleinere Apparate für 30-45 Minuten Gebrauchsdauer (Selbftrettungs- 
apparate) follen in der Grube vorrätig gehalten werden und den Grubenarbeitern die Mög- 
lichkeit geben, den Bereich einer Grubenexplolion auch in unatembaren Gafen zu verlaffen, fie 
haben lich jedoch nicht eingeführt. 
Die Zweiftundenapparate beftehen im wefentlichen aus zwei Sauerftoffflafchen zu je ll, 
Spannung 120 Atm., mit Reduktionsventil, einem Mundltück oder einer Getichtsmaske, den 
Verbindungsfchläuchen für Ein- und Ausatmung, den mit Natriumkaliumhydroxyd in fefter 
Form gefüllten Behältern für die Abforption der gebildeten Kohlenfäure und der Feuchtigkeit 
und einem Oberflächenkühler. Diefe Teile lind in Form eines Tomilters vereinigt. Dazu kommt 
ein Atmungsfack, der einige Liter Luft faßt, um auch im Falle befchleunigter Atmung genügend 
Luft zur Verfügung zu haben. Die Sauerltoffbemeffung ift fo geregelt, daß im Apparat ein kleiner 
Ueberdruck herrfcht. Auf diefe Weite wird am betten vermieden, daß Außenluft in den Apparat 
eindringt. Die ausgeatmete Luft wird immer wieder regeneriert und neuer Sauerftoff für die 
Atmung in genügender Menge hinzugefügt. ln den Bergbaurevieren lind Stationen vorhanden, 
in denen Mannfchaften fyltematifch ausgebildet werden. 
Auf andern (irundfätzen beruhen die beiden folgenden Apparate: Im Pneumatogen 
foll aus Natriumkaliumfuperoxyd (Na,K2)O, durch Einwirkung des in der ausgeatmeten 
Luft enthaltenen Wafferdampfes und der Kohlenfäure Sauerftoff entwickelt werden. Da die Ent- 
wicklung in den erften Minuten nur langfam ftattfindet, wurde dem Apparat eine kleine Sauer- 
ltoffflafche hinzugefügt oder doch der Luftbeutel mit Sauerftoff gefüllt. lm Aerolith der 
l-lanfeatifchen Apparatbaugefellfcltaft in Hamburg foll fliifiige Luft zur Atmung 
dienen. Die Schwierigkeit, die flüfiige Luft jederzeit bereitzuhalten, dürfte der Einführung des 
Aerolith hinderlich fein.  Zufammen mit den Atmungsapparaten kann zweckmäßig der Pul- 
motor der Drägerwerke verwendet werden, um bei Verunglückten, bei denen die Atmung 
ausgefetzt hat, künltliche Atmung mittels Sauerftoffs herbeizuführen. Die motorifche Kraft des 
komprimierten Sauerftoffs betätigt ein kleines Pumpwerk, durch das abwechfelnd Sauerftoff in 
die Lungen gedrückt wird und die Lungen dann wieder entleert werden. Neuerdings wird die 
Einatmung eines Ciemifches von SauerltofH- 501„ Kohlenfäure empfohlen  Der Wie d erb el eb er 
Inhabad erleichtert die künftliche Atmung. Durch die Verbindung eines geeigneten Liege- 
brettes mit einer Armftreckvorrichtung und einem Bauchgurt wird abwechfelnd infolge Streckung 
der Arme über den Kopf die Erweiterung des Brutikorbes (Einatmung) und durch Anprelfen 
der Arme an den_ Bruftkorb detfen Zufammenpreffung (Ausatmung) bewirkt. Die Bedienung 
beider Apparate ift fo bequem, daß lie ftundenlang von einem Manne ausgeführt werden kann. 
Literatur: [1] Druckfchriften diefer Firmen.  [2] Rettungswefen und erfte Hilfe im 
preußifchen Bergbau i. J. 1922. Preußifche Zeitfchr. f. Berg-, Hüiten- u. Salinenwelen 1924, S. 39. 
 [3] Drägerhefte Nr. 100. Treptow 
Atombau.  Das Atom ilt nicht ein unteilbarer, homogen mit Maffe er- 
füllter Körper, fondern ein kompliziertes Gebilde, eine Art von Planetenfyitem. 
Wie um die Sonne die Planeten lich herumbewegen, fo rotieren im Atom zahl-
        

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