Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3165631
Arbeiteryiedelungen 
Arbeitsdiagramm 
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Während man unter Arbeit die gelieferte Energiemenge fchlechtweg verfteht, unabhängig 
von der Zeit, in der Iie geliefert wurde, verfteht man im Unterfchied dazu unter Leiftung 
die in der Zeiteinheit umgefetzte Energiemenge. Bezeichnet man alfo die Arbeit mit L, die 
Leiitung mit N und die Zeit mit t, fo ift Nz-I; oder L :N- t; ändert fich die Leiftung, alfo 
die Intenfität des Energieumfatzcs im Verlauf der in Betracht gezogenen Zeit, fo itt dL : N- dt, 
alfo LIjN-dt. 
Um einen Hochbehälter vollzupumpen, ift eine gewiffe Arbeit nötig; die kleinite Pumpe 
kann fie liefern, wenn man ihr Zeit läßt. lft aber die Bedingung geftellt, der Behälter folle in 
gegebener Zeit gefüllt fein, fo ift damit die Leiftung der Pumpe und ihre Größe be- 
Ilimmt. Eine bettimmte Arbeit wird von der Mafchine großer Lelitung in kürzerer Zeit voll- 
bracht als von der kleineren Mafchine. Man bezahlt an das Elektrizitätswerk eine Monats- 
rechnung über die im Verlauf des Monats gelieferte Arbeit von L kwfst; der Zähler muß für 
die höchftens entnommene Leiltung von_N kW ausreichen. 
Einh eiten der Arbeit lind das Meterkilogramm, die Kalorie. Einheiten der Leiltung find die 
Pferdeftärke, das Kilowatt. Man kann aber auch die Leiftung in Meterkilogramm pro Sekunde, 
Kalorie pro Sekunde (mkglsec, calfsec) angeben, umgekehrt die Arbeit in Pferdekraftftunden, 
Kilowattftunden (PS xst, kWxst). Die Schreibweife: im ertten Fall Bruchftrich, im zweiten 
Fall Multiplikationszeichen, ift zwingend. Vgl. Einheiten und Maßfyftem, technifch es. 
Die Meffung der Arbeit und Leiftung erfolgt entweder mechanifch aus den Ele- 
menten: Kraft, Weg und Zeit oder Drehmom ent (f. d.) und Umlaufgefchwindigkeit. S. hierüber 
Meßmethoden, dynamometrifche. Oder man mißt Arbeit und Leiftung in Geftalt einer 
andern Energieform, in die man fie {ich verwandeln läßt: als elektrifche Leiftung der von einer 
Kraftmafchine angetriebenen Dynamomafchine oder des eine Arbeitsmafchine antreibenden 
Elektromotors (f. Meffungen , el ektri fch e), auch als Wärme, die in einer Flüfligkeitsbremfe 
frei wird (LBremsdynamorneter). Bei Kolbenmafchinen kann man die indizierte Leiltung 
auch mittels des Indikators beftimmen (f. Indikator, Indizierte Leiftung). A. Grumber; 
Arbeiterfiedelungen (Arbeiterkolonien) werden entweder als Werk- 
f iedelungen (f. d.) in der Nähe induitrieller Werke von deren Leitung errichtet, 
um dem Betriebe einen dauernden Stamm von Arbeitern zu üchern, oder als Klein- 
hausfiedelungen (f. d.) allgemeiner Art von gemeinnützigen Gefellfchaften 
und Bauvereinen oder auch von der politifchen Gemeinde angelegt. Stübben 
Arbeiterfiedelungen, im weiteren Sinne: planmäßig angelegte Nieder- 
laffungen für Arbeiter oder Arbeiterfamilien, vielfach auf gemeinnütziger Grund- 
lage errichtet mit dem Ziel der Ermöglichung des Grundeigentums-(l-läuferJErwerbs 
durch die Bewohner. Im engeren Sinne: ländliche Niederlaffungen zu vorüber- 
gehender, aber doch eine längere Zeit andauernder Befchäftigung arbeitswilliger 
und arbeitsfähiger Arbeitslofer. 
Nach früheren, ohne nachhaltigen Erfolg verlaufenen anderweitigen Verfuchen in Deutfch- 
land, Holland und Frankreich wurde der edanke der Gründung von Arbeiterkolonien (im 
engeren Sinne) von Paftor v. Bodelfchwingh mit der im Jahre 1882 erfolgten Gründung der 
Kolonie Wilhelmsdorf bei Bielefeld wieder aufgenommen. Auf den Arbeiterkolonien foll den 
arbeitswilligen und arbeitsfähigen Arbeitslofen neben fittlicher Hebung die Möglichkeit einer 
entfprechenden, vorwiegend land- oder forftwirtfchaftlicheri Befchäftigung bis zur Erlangung 
anderweitigen geordneten Fortkommens gewährt werden. Sie find fo ein nicht zu unterfchätzen- 
des Mittel zur Bekämpfung des Vagabundentums. Die Aufnahme in die Kolonie beruht (wenig- 
itens im Grundfatz) auf freier Entfchließung, ift alfo wohl zu unterfcheiden von der Einweifung 
in eine Zwangsarbeitsanftalt, Arbeitshaus u. dgl. Zurzeit faft über ganz Deutfchland verbreitet, 
erfreuen {ich die Arbeiterkolonien, durchweg private Wohltätigkeitseinrichtungen, weitgehender 
öffentlicher, namentlich auch itaatlicher Förderung und Unterftützung, insbefondere auch durch 
finanzielle Beiträge. Zur Wahrnehmung ihrer gemeinfamen lntereffen haben {ich die Vereine für 
Arbeiterkolonien zu einem Zentralverband der Arbeiterkolonien zufammengefchloffen. Ver- 
bandsblatt itt ,Der Wanderer", zugleich Organ des Gefamtverbandes der Verpflegungsftationen 
(Wanderarbeitsftätten) und des deutfchen erbergsverbands. Die Arbeiterkolonien gewährten 
urfprünglich nur Perfonen männlichen Gefchlechts Aufnahme, fpäter wurden auch Kolonien 
für weibliche Perfonen gegründet. Auf einzelnen Arbeiterkolonien wurden Trinkerheilttätten 
eingerichtet, auch ging man an die Gründung fogenannter l-leimatkolonien, die das Ziel 
dauernder Anfiedlung der Koloniften verfolgen. Von befonderer Wichtigkeit ift, um die Wieder- 
einführung der Koloniften in fefte Arbeitsftellen zu ermöglichen, die Verbindung der Arbeiter- 
kolonien mit den Organen der Arbeitsvermittlung (Arbeitsnachweifen ufw.). 
Literatur: Die Protokolle der ordentlichen Sitzungen des Zentralvorttandes deutfcher Ar- 
beiterkolonien, die Statuten und Jahresberichte der einzelnen Vereine für Arbeiterkolonien, die 
Zeitfchrift ,Der Wanderer". Ferner Artikel ,Wanderarbeitsftätten' in Bd. 8 des Handwörterbuchs 
der Staatswiffenfchaften, herausgegeben von Conrad, Elfter, Lexis und Löning, 3. Aufl., Jena 
1911. Dafelbft auch ausführliche Literaturangabe und kurze Ueberticht über die auf die Errichtung 
von Arbeiterkolonien oder ähnlichen Einrichtungen gerichteten Bettreburigen in außerdeutfchen 
Staaten. Kähler 
Arbeitsdiagramm. Jede Zuftandsänderung der Arbeitsflüftigkeit einer Wärme- 
kraft- oder Kältemafchine kann in zweierlei Weile zeichnerifch dargettellt werden.
        

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