Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3164985
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Anhydrit 
Anilin 
Anhydrit (Karftenit, Muriazit), ein wafferfreies Kalkfulfat I CaSO4 
(41,2"fo Kalkerde, 58,8"j„ Schwefelfäure), kriftalliüert rhombifch, aber fehr felten 
und in kleinen Formen; meift derb und kriltallin; farblos oder rot, blau, grau; 
glas- und fettglänzend. l-lärte:3 (härter als Gips), Ipez. Gew. 2,8-3. Schmilzt 
fchwer und wird von Säuren wenig angegriffen. In konzentrierter Schwefelfäure 
vollkommen löslich, von kohlenfauren Alkalien zerlegbar. 
Nimmt bei zudringender Feuchtigkeit langfam und allmählich Waffer auf und vergrößert 
dabei fein Volumen um etwa GOVO und geht in Gips über. Diefe Umwandlung und diefes 
Auffchwellen der Anhydritfchichten war für die Erhaltung der faft durchweg unter Schichten- 
ftößen mit Anhydrit geborgenen Lager von Steinfalz (z. B. im füddeutfchen mittleren Mufchel- 
kalk) oder Steinfalz und Kali (im Zechftein Norddeutfchlands) von befonderer Bedeutung. 
Zudringende Tagwaffer wurden unfchädlich gemacht (,Gipshut" mancher fogenannfen ,Salz- 
horite"). Zugleich verfchloß das Auffchwellen der Anhydritlager bei ihrer Umwandlung in Gips 
die Kluftwege und Sickerbahnen der Waffer und fchützte dadurch die Salzlager der Tiefe. 
Umgekehrt begegnen dem Ingenieur durch den Gebirgsdruck in folchen in Umfetzung begriffenen 
Anhydritlagern des Berginnern oft große Schwierigkeiten beim Bau von Stollen, Tunnelausbruch uff. 
Von der Verwendung von Anhydrit (z. B. Stollenausbruch von Anhydritfels) zu Beton ift zu warnen. 
Der bei Vulpino (Bergamo in Oberitalien) gefundene graubraune Anhydrit (Vulpinit) eignet {ich zu 
Bildhauerzwecken, Herltellung von Tifchplatteii ufw. (Marmor bardiglio di Bergamo). Brduhüufer 
Anilin (Anilinum, Anil, Amidobenzol, Phenylamin) gehört zu 
den aromatifchen Bafen und befitzt die Zufammenfetzung CGHS  HNZ. Es ift 
eine der wichtigften und technifch bedeutendften Verbindungen der organifchen 
Chemie, da es das Ausgangsmaterial für die große Reihe der Anilinfarben 
(f. Farbftoffe, künftliche organifche) bildet. 
Das Anilin itt eine farblofe, ölige Flüfiigkeit von fchwachem, nicht unangenehmem Geruch 
und von aromatifch-brennendem Gefchmack. Spez. Gew. 1,0254 bei I5", Siedepunkt 182" bei 
760 mm Druck. In ganz reinem Zuftand erftarrt es in der Kälte und fchmilzt bei  An 
der Luft färbt es {ich unter allmählicher Verharzung braun; in Waffer ift es fchwer, in Alkohol 
und Aether leicht löslich. In der Hitze verdrängt es das Ammoniak aus deffen Salzen, während 
in der Kälte die umgekehrte Reaktion verläuft. Anilin iit ftark giftig; Gegengifte: Kaffee, Kämpfer, 
Aether. Durch Chlorkalk wird eine Anilinlöfung purpurviolett, ein Fichtenfpan durch Befeuchten 
mit einer Anilinfalzlöfung gefb gefärbt. Mit Kaliumdichromat und Schwefelfäure liefert das 
Anilin I-Iydrochinon und Chinon. Mit Kaliumpermanganat in alkalifcher Löfung erhält 
man Azobenzol. Mit Säure verbindet {ich das Anilin zu gut kriitallifierenden Anilin- oder 
Phenylammoniumfalzen. Diefelben tind meift ungefärbte, in feuchtem Zuitande rötlich bis violett 
gefärbte Verbindungen. Die Salze des Anilins erhält man durch Sättigung derfelben mit der 
betreffenden Säure, z. B. falzfaures Anilin CsHö -HN2HCI, fchwefelfaures Anilin (CeHä- NH2), 
11,804. Die wäfferige Löfung der Anilinfalze färbt Fichtenholz und Holundermark inteniiv gelb 
(Runge). Diefe Eigenfchaft benutzt man zum Nachweis des Holzfchliffs im Papier. Durch Ein- 
wirkung von falpetriger Säure auf die Anilinfalze in wäfferiger Löfung entliehen die ent- 
fprechenden Salze des Diazobenzols, z. B. C6H5  N: N- Cl Diazobenzolchlorid; wirkt dagegen 
die falpetrige Säure auf freies Anilin in alkoholifcher oder ätherifcher Löfung, fo entfteht 
Diazoamidobenzol CöHb-Nz-N-NH- C6115 (f. Diazoverbindungen). Unterchlorigfaure 
Salze rufen in wäfferiger nicht faurer Anilinlöfung eine violette Färbung hervor. Das Anilin 
liefert zwei Reihen von Subftitutionsprodukten. Die erften enthalten die Subftituenten im 
Benzolkern, treten als Mono-, Bi- und Trifubftitutionsprodukte und in den verfchiedenen Ifomeren 
auf (tIAromatifche Verbindungen) und werden entweder durch direkte Subftitution 
oder durch Reduktion der entfprechenden Nitroverbindungen gebildet (f. a.A r o m a t i fc h e B a fe n). 
Die zweiten entttehen durch Erfatz des WaiTerItoffs der Amidogruppe durch Alkohol- bzw. 
Säureradikale. Man erhält fie durch Einwirkung der Alkylbromide oder Jodide bzw. der Säure- 
chloride oder -anhydride auf Anilin. Die durch Säureradikale fubltituierten Aniline lind die 
fogenannten Säureanilide, unter denen das Azetanilid oder Antifebrin das bekanntefte ift. 
Von den Alkylfubftitutionsprodukten feien Methyl- und Dimethylanilin erwähnt, die zur Dar- 
Itellung von Farbitoffen große technifche Bedeutung befitzen: 
CGHE  NH- CH, (JGHE  N(CH3)2 
 Methylanilin Dimethylanilin 
Anilin wird in größtem Maßftab durch Reduktion des Nitrobenzols mit Eifenfeile und 
Salzfäure (früher nahm man Effigfäure) gewonnen. Die Reduktion nimmt man in gußeifernen, 
mit Rührwerk verfehenen Zylindern vor, indem man 100 Teile Nitrobenzol mit etwa der gleichen 
Gewichtsmenge Waffer übergießt und in das Gemifch allmählich 100 Teile Eifenfeile und 
5-10 Teile roher Salzfäure einträgt. Diefe geringe Menge Salzfäure reicht zur Reduktion aus, 
weil das zunächft gebildete Eifenchlorür als Reduktionsiibertrager wirkt: 
CGHE,  N02 4- 3 Fe -l- 6HCl : CGHE  NH, -l- 3 FeClz 4- 2 H20 
C6116  N0, -l- 2Fe-le 4 H20: CSHS  NH, -l- Fe2(OH),. 
Nach beendigter Reduktion fügt man Kalziumhydroxyd zu und deitilliert das gebildete 
Anilin mit gefpanntem Dampf ab. Diefes Rohprodukt, Anilinöl, wird teilweife auf reines 
Anilin verarbeitet. Das Anilin dient zufammen mit Toluidin zur Daritellung der Anilin- oder 
Teerfarbiioffe. Mezger
        

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