Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3164808
Ammoniakharz 
Die Hauptmengen des Ammoniaks werden gegenwärtig bei der trockenen Dettillation der 
Steinkohle gewonnen. Daneben finden noch die Verfahren Anwendung, bei denen der Stick- 
Itoff mit dem Wafferftoff direkt oder durch Vermittlung von Nitriden {ich zu Ammoniak ver- 
einigt. Bei der trockenen Deftillation der Steinkohle wird das Ammoniak den Deftillationsgafen 
durch Auswafchen mit Waffer entzogen. Das hiebei entftehende Gaswaffer ift eine Flüffigkeit, 
die nach Schwefelammonium und Teer riecht. Es enthält das Ammoniak in Form von Salzen. 
Je nachdem, ob das Gas einen Zyanwäfcher pafiiert oder nicht, enthält es weniger oder mehr 
Ammoniak. In erfterem Falle kommt ein Gehalt bis 19,2 g an Ammoniak im Liter, in letzterem 
Fall ein folcher bis zu 28 g in Betracht. Man kann das Ammoniak aus dem Gaswaffer durch 
Behandlung mit Schwefelfäure in Form von Ammoniumfulfat oder durch Auskochen und Ver- 
dichten als Salmiakgeitt gewinnen. Beim Erhitzen zum Sieden zerfallen nur die leicht zerfetz- 
lichen Salze, die Karbonate und die Sulfide des Ammoniaks. Um auch die fogenannten fixen 
Salze zu fpalten, ift es nötig, dem Gaswaffer eine itarke Bafe zuzufetzen, man verwendet in 
der Praxis für diefe Zwecke Kalkmilch. Die Zerfetzung des Gaswaffers gefchieht in kontinuier- 
lich während des Durchfluffes arbeitenden Apparaten nach dem Kolonnenfyftem. Hierbei wird 
das in dünner Schicht fließende Gaswaffer nach dem Gegenftromprinzip mit Dampf ausgekocht. 
Zur Reinigung der Ammoniakdämpfe, d. h. zur Befeitigung von Kohlenfäure und Schwefel- 
wafferftoff, bedient man tich der Kohlenfäureabfcheider und des Wafchens der Dämpfe mit 
Kalkmilch, das Waffer wird in Kühlern abgefchieden und das trockene Ammoniakgas durch 
Holzkohle, Paraffinöl und Natronlauge durchgeleitet, bis es zur Abforption kommt. Der chemifch 
reine Salmiakgeiit kommt in zwei Handelsmarken vor. Die eine enthält bei einem fpez. Ge- 
wicht von 0,91 25 "[0 Ammoniak, die andre, der Eisfalmiak, bei einem fpez. Gewicht 
von 0,882 35 "[0 Ammoniak. Verwendet wird der Salmiakgeift in der Textilinduftrie, 
Bleicherei, Färberei ufw.; Eisfalmiak wird vornehmlich zur Erzeugung verflüfligten Ammoniaks 
für die Kälteinduftrie henutzt. Das erfte im Großen anwendbare Verfahren zur Daritellung von 
Ammoniak aus Luftftickftoff rührt von Frank-Caro her; wenn man über ein im elektrifchen 
Ofen erhitztes Gemenge von Aetzkaik und Kohlenftoff Stickftoff leitet, fo bildet iich Kalzium- 
zyanamid (Kalkftickftoff), das als Düngemittel eine Rolle fpielt. Diefes kann durch überhitzten 
Waiierdampf in Kalziumkarbonat und Ammoniak gefpalten werden. Andre Verfahren zur Ueber- 
führung von Luftftickitoff in Ammoniak beruhen auf der Bildung von Metallnitriden, z. B. 
Aluminiumnitrid, die {ich zum Teil mit Waffer unter Abfpaltung von Ammoniak zerfetzen. 
Literatur: Ullmann, Enzyklopädie der techn. Chemie, Berlin 1914 ff. Mezger 
Ammoniak mittels Synthefe, nach Fritz Haber und Bofch. 
Die fynthetifche Darftellung des Ammoniaks aus Wafferttoff und Stickftoff bei hoher Tem- 
peratur und ftarkem Druck und bei Gegenwart gewiffer Katalyfatoren wird von der Badifchen 
Anilin- und Sodafabrik nach dem Verfahren von Haber und Bofch ausgeführt. Die günftigite 
Temperatur liegt bei 6000; dabei ift ein Druck von 200 Atmofphären nötig. Befonders geeignete 
Katalyfatoren find Osmium und Uran, jedoch treten fie im praktiichen Betriebe gegenüber Eifen- 
oxyd weit zurück. Als Katalyfatoren können ferner Nickel, Kobalt, Molybdän, Wolfram, Mangan, 
Platin, Chrom und deren Verbindungen verwendet werden. Die Wirkung diefer Katalyfatoren 
wird allgemein durch die Gegenwart von Fremditoffen, den fogenannten Aktivatoren, fehr ver- 
ftärkt. Solche Fremdftoffe der Katalyfatoren find Oxyde, Hydroxyde und Salze der Alkalien, 
alkalifche Erden und Erdmetalle ufw. Diefe Aktivatoren werden entweder den fertigen Kon- 
taktfubftanzen zugefetzt oder Iind in den zur Herftellung der Kontaktfubftanzen verwendeten 
Mifchungen enthalten. Es gibt aber auch für die Ammoniakfynthefe fogenannte K on t a ktgi f te, 
die die Ausbeute wefentlich zu verringern oder auch ganz aufzuheben imttande lind. Solche 
Kontaktgifte frnd z. B. Schwefel, Selen, Tellur, Phosphor, Arien, Bor und deren Verbindungen, 
manche Kohlenftoffverbindungen, gewiffe niedrig fchmelzende Metalle und die aus ihren Ver- 
bindungen durch Wafferftoff leicht reduzierbaren Metalle, wie z. B. Blei, Wismut, Zinn, und 
fchließlich manche Sauerftoffverbindungen, wie z. B. S02. Nach Bernthfen genügen äußertt 
geringe Mengen diefer Körper, die felbft in den als reinit bezeichneten Handelsprodukten oder 
in fogenannten reinen Gafen fait immer noch vorhanden find, die Katalyfatoren in ihrer Wirkung 
wefentlich zu beeinträchtigen oder fie fogar völlig wirkungslos zu machen. So genügt z. B. 
ein Gehalt von 1'700 Natriumfulfat, um Eifen aus technifchem Eifenoxyd als Katalyfator völlig 
wirkungslos zu machen. Ferner itt ein Eifen mit 0,105 Schwefel im allgemeinen unbrauchbar 
und mit 0,01 "I0 fchon fehr minderwertig. Diefe Kontaktgifte dürfen auch nicht in den zu ver- 
Wendenden Gafen Stickttoff und Wafierftoff enthalten fein, und fchon ein Schwefelgehalt von 
1 : 1000000 kann fehr fchädlich fein. Hiernach wäre elektrolytifcher Wafferftoff ohne vorherige 
Reinigung nicht zu verwenden. Nach Bernthfen follen aber auch diefe Schwierigkeiten über- 
wunden fein, fo daß es an den großen Mengen diefer abfolut reinen Gafe, die für die Fabri- 
kation im großen benötigt werden, nicht fehlen wird. Die Anlagen in Oppau und Leuna der 
Badifchen Anilin- und Sodafabrik können bei vollem Betrieb 300000t Stickftoff in Form von 
Ammoniak auf diefem fynthetifchem Wege gewinnen. Diefes Verfahren zur Bindung des Luft- 
ftickitoffs erfcheint als das preiswürdigfte. 
Literatur: Zeitfchr. f. angew. Chemie 1913, Nr.1.  Muhlert, F., Die lnduftrie der Ammoniak- 
und Zyanverbind., Leipzig 1915.  Oft, H., Lehrb.d. chem.Technologie, Leipzig 1924. Hafellwf 
Ammoniakharz (Ammoniakgummiharz, Ammoniakgummi, Am- 
moniacum, Gummi resina Ammoniacum), der eingetrocknete Gummi- 
harzfaft der in den periifchen Steppen und im Gebiete des Amu- und Sir-DarJa 
wachfenden, blS 3 m hohen Umbellifere Dorema Ammoniacum Don. (Peucedanum 
Ammomacum Nres).
        

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