Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A bis Bohren
Person:
Lueger, Otto Frey, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3163279
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3164647
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Alkoholfreie Getfänke 
Alkoholometrie 
fäure gebunden, im Walrat vor; Zerylalkohol CWHMO kommt, an Zerotinfaure gebunden, 
im chinefifchen Wachs vor; Myrizylalkohol CaoHwO kommt als Palmitinfäureefler im Bienen- 
wachs vor. Mezger 
Alkoholfreie Getränke find Erzeugniffe, welche die alkoholhaltigen Ge- 
tränke, wie Wein und Bier, erfetzen follen. 
Bei der Unterfuchung der alkoholfreien Getränke findet man jedoch häufig bis zu 0,5 Gew.- 
Proz. Alkohol und darüber, der aus den Fruchteffenzen und aus vorangegangener Gärung der 
verwendeten Fruchtfäfle flammt. Wenn ein Getränke daher nicht mehr als 0,5 Gew.-Proz. Alkohol 
enthält, muß man es praktlfch als alkoholfrei gelten laffen. Die alkoholfreien Getränke werden 
hergefiellt entweder durch Pafteurifieren der Fruchtpreßfäfte (Traubenmoft, Apfelfaft) oder durch 
Vermifchen von natürlichen oder künftlichen, gezuckerten Fruchtfaften mit natürlichen oder 
künftlichen kohlenfauren Wäffern. Auch wird alkoholhaltigen Getränken durch befondere Ver- 
fahren der Alkohol entzogen. Zu den alkoholfreien Getränken zahlen natürlich auch die fo e- 
nannten Braufelimonaden; auch aus Milch, insbefondere Magermilch, werden alkoholfreie äc- 
tränke hergeftellt. Nach den Unterfuchungen des Verfaffers (f. u.) enthalten alkoholfreie Weine 
zwifchen 0,1 und 0,5 Gew.-Proz. Alkohol, zwifchen 13 und  Extrakt und zwifchen 0,45 
und 0,9803 Gefamtfäure, als Aepfelfäure berechnet, während die aus Fruchtfäften unter Zufatz 
von kohlenfaurem WaHer hergeftellten Getränke einen Alkoholgehalt von 0.05 bis 0,5 Gew.- 
Proz., einen Extraktgehalt von 6,5 bis 15170 und einen Säuregehalt von 0,075 bis 0,737 "In, als 
Aepfelfäure berechnet, enthalten. 
Literatur: Zeitfchr. f. Unterfuchg d. Nahrungs- u. Genußm. 1908, 15, 14. -Zeitf'chr. f. angew. 
Chemie 1907, 2116.  Jacobfen, E., Handb. f. d. Getränke-lnduftrie, Berlin 1925. Mezger 
Alkoholometrie ift die Lehre von der Beftimmung des Alkohols in feinen 
wäfferigen Löfungen. 
I. Die Löfung enthält nur Alkohol und Waffer; geringe Beimengungen, 
die in dem Gemifch von der Fabrikation her enthalten find, werden nicht be- 
rücktichtigt. Auch geringe Mengen Farbftoff u. dgl., die durch Lagern in Fäffern 
aufgenommen find, und von zu geringem Einfluß, um einen Fehler zu ver- 
anlaffen. 
1. Am häufilgtten gefcliieht die Ermittlung des Alkoholgehalts, indem man das fpeziiifche 
Gewicht der Flüf igkeit beftimmt. Man kann hierfür jede geeignete Methode anwenden; in der 
Praxis wird faft ausfchließlich die Beflimmung mittels des Alkoholometers ausgeführt. Das 
Alkoholometer, auch Branntweinwage oder Spirituswage genannt, ift ein Skalen- 
aräometer, auf defTen Skala ftatt der fpezififchen Gewichte der Prozentgehalt der Flüffigkeit an 
Alkohol abgelefen wird. Da das fpezififche Gewicht des Waffers größer ift als das des Alkohols, 
wird das Alkoholometer um fo tiefer in die Flüffigkeit einfinken, je mehr Alkohol diefelbe 
enthält. Das fpezlfifche Gewicht einer Flüffigkeit hängt jedoch auch von feiner Temperatur ab. 
Da die Ausdehnung durch die Wärme bei den Alkoholmifchungen bedeutender ift als bei dem 
Alkoholometer, fo wird dasfelbe nur bei der Temperatur, für die es hergeftellt ifl, die man 
Normaltemperatur nennt, den wahren Alkoholgehalt, die wahre Stärke anzeigen. Bei 
höheren Wärmegraden wird es einen höheren, bei niederen einen geringeren Alkoholgehalt 
anzeigen, als die Flüffigkeit hat. Man bezeichnet diefe Angaben als die fcheinbare Stärke. 
Zur Ermittlung der wahren Stärke bedarf es fomit einer Feftftellung der Temperatur, weshalb 
man das Alkoholometer gewöhnlich mit einem Thermometer verbindet und als Thermo- 
alkoholometer bezeichnet. Gibt das Alkoholometer an, wieviel Liter Alkohol in 1001 
einer Mifchung vorhanden find, fo heißt es Volumalkoholometer (Trallesfches 
Alkoholometer); gibt es an, wieviel Kilo Alkohol in 100 kg der Mifchung vorhanden find, fo 
heißt es Gewichtsalkoholometer (Rlchterfches Alkoholometer). Der Gebrauch des 
Alkoholometers gefchieht wie der eines jedes Aräometers (f.  Das Gefäß, in das die zu 
unterfuchende Flüftigkeit gefüllt wird, muß etwa zweimal fo weit fein als der größte Durch- 
mefier des Alkoholometers, und fo hoch, daß das Alkoholometer nicht den Boden berührt. Die 
forgfältig gereinigte Alkoholometerfpindel wird langfam in die Flüfligkeit gefenkt, fo daß eine 
Benetzung oberhalb der Linie der Einftellung vermieden wird. Zur Ablefung bringt man das 
Auge in eine Stellung dicht unterhalb des Flitffigkeitsfpiegels. Der höciilte der abzulefenden 
Skalenftriche gilt als fcheinbare Stärke. Die Thermometerablefung folgt der Alkoholometer- 
ablefung unmittelbar. Alkoholwaffermifchungen bilden wichtige Handelsobjekte, und zwar enthält: 
Branntwein     22- 50 Gewichtsprozente Alkohol, 
Weingeift      75-80 „ „ 
Spiritus       65-85 „ , 
Sprit.       85-94 „ , 
Abfoluter Alkohol   97-99 , „ 
(Steuerbehördlich werden alle diefe Mifchungen unter der Bezeichnung ,Branntwein' zu- 
fammengefaßt.) 
Wegen der Wichtigkeit der genauen Alkoholbeftimmungen in diefen Produkten find die 
Grundlagen der alkoholometrifchen Meffungen Gcgenftand zahlreicher Unterfuchungen gewefeii 
und in faft allen Ländern ift die Art der Ausführung gefetzlich geregelt. 
Die erften, mit außerordentlicher Sorgfalt gemachten Beftimmungen find auf Veranlaffung 
der englifchen Regierung von Gilpin ausgeführt und 1790, in verbefferter Form 1794 publiziert. 
Da er den abfoluten Alkohol noch nicht kannte, fondern mit dem ftärkften, durch Rektifikation 
zu erzielenden Alkohol (89,2 Gewichtsprozente) arbeitete, mußten feine Zahlen umgerechnet
        

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