Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der Stilentwicklung
Person:
Osthaus, Karl Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3150979
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3151513
Die Liebfrauenkirdxe In Halberstadi. 
Phot. Kgl. Meßblldansiali. Berlin. 
Romanische 
Kunst. 
Die Basilika, gleich dem Kuppelbau eine Schöpfung des Altertums, hat vor 
diesem die Streckung und die einseitige Richtung voraus. Sie begreift daher 
Möglichkeiten, die der Zentralanlage versagt sind. Unter diesen wählt der 
romanische Stil kaum mehr als die Streckung. Er ist blind gegen die Wirkung 
einer Folge achsial gebundener Räume. Die größten romanischen Kirchen sind 
zweiseitig orientiert, die Eingänge finden sich bescheiden auf den Langseiten. 
Man könnte also von dem Idealtyp eines gestreckten Zentralbaus sprechen. Die 
Auffassung der Bauglieder des Innenraums ist dieselbe wie im alten Byzanz. 
Wände und Pfeiler sind des Raumes wegen da, der metaphysisch begriffen 
wird. Alle Gliederungen sind aus der Mauermasse gehöhlt, es gibt kein Orna- 
ment im Geiste der plastischen Ausladung. Auch die figürliche Plastik ist diesem 
Gesetz unterworfen. Sie lebt nur als organisch gewordene Architektur. Auf 
ihre Schöpfungen paßt das Wort Bildsäule, denn ihre Bilder sind zur Säule ge- 
worden. Ihr Gesetz ist, daß sie den Umfang der Säule nicht überschreiten, ihre 
Freiheit, daß sie menschliche Proportionen verlassen, um den architektonischen 
besser Genüge zu tun. So erscheinen als die höchsten Gebilde dieser Kunst die 
starren überschlanken Figuren an den Westportalen zu Chartres. Auch die Ge- 
samtanlage des Portals ist eine Aushöhlung, indem die Bögen sich mit den Stein- 
schichten nach rückwärts verkleinern und ihre Kanten ausgemeißelt sind. 
Das Kreuzgewölbe lag dem romanischen Stil nicht am Herzen. Man ergab
        

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