Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malereien der Buschmänner in Südafrika
Person:
Moszeik, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3137073
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3138262
jedoch zu weit führen, sich hier in Spekulationen über den möglichen Sinn 
der Skizze einzulassen. Was die Details der Fig. 122 anlangt, so sind diese 
nicht einmal über jeden Zweifel hinsichtlich dessen, was sie vorstellen sollen, 
erhaben. Die Frauengestalt links hält wohl einen Feuerbrand in den Händen 
und ist im Begriff, ihn auf die drei Steine am Boden vor ihr zu legen, wie 
es bei den Eingebornen Sitte ist, um Wasser zu kochen oder Fleisch zu 
rösten. Nicht recht ersichtlich ist dagegen, weshalb die Länge der Arme 
bei den beiden männlichen Figuren so stark übertrieben ist. Denkbar 
wäre, daß ein Zusammenhang der letzteren mit der weiblichen Person aus- 
gedrückt werden sollÄ) Auch die Bedeutung der 5, den erwähnten Steinen 
gleichenden Gegenstände ist unklar. Besondere Beachtung an der Gruppe 
verdienen die kleinen Kinder; man Endet sie äußerst selten allein abgebildet, 
bisweilen aber mit ihren Müttern, wie denn überhaupt Paare in den ver- 
schiedensten, zum Teil selbst gewagten Situationen  ich denke an einen 
Mann auf den Schultern eines andern in einer Höhle am Bockspruit  
unter den Buschmannmalereien keine Rarität bilden. An derselben Stelle 
und außerdem auf der Farm Woodslands (Maclear), sah ich eine Abbildung, 
illustrierend das cprlörnn ptyivacz. Das seltene Vorkommen derartiger Szenen 
ist eigentlich auffällig, da bei einigen Tänzen der Buschmänner der coram 
publico ausgeführte coitus zu den notwendigen Zeremonien gehörte.  
Unangenehm in die Augen fallend in Fig. I22 ist die schlechte Ausführung 
der Details, besonders die Gleichgültigkeit, mit der die anatomischen Ver- 
hältnisse der männlichen Gestalten behandelt sind, während hingegen der 
Reichtum der Bewegungen bei allen Personen, selbst bei den Kindern, dem 
Bilde einen ganz besonderen Reiz verleiht. 
Noch viel mehr als bei Fig. 122 gewinnt man beim Studium einer 
gewissen Kategorie von Buschmannmalereien, welche sich durch das Auf- 
treten von eigenartigen Linien auszeichnet, den Eindruck, daß der Zeichner 
eine Begebenheit und zwar ein Nacheinander hat veranschaulichen wollen. 
Bilder der Art sind ausnehmend selten  in der Literatur wird ihrer nur 
einmal Erwähnung getan  ich will daher die vier von mir selbst auf- 
gefundenen hier kurz beschreiben. 
I) Auf der Farm Belloch nahe der Basutolandgrenze in einer ganz 
kleinen dunklen Höhle. Das Gemälde gibt einen Leoparden wieder, welcher 
IO Eingeborne in voller Flucht vor sich hertreibt, einer der letztern trägt 
statt eines Menschenkopfes den eines Rehbocks. Von jeder der mensch- 
lichen Figuren gehen lange, nach links oben gebogene Linien aus und führen 
zu andern Figuren, die eine zusammengekauerte Stellung einnehmen, die 
Beine an den Leib gezogen; von diesen Personen haben einige ebenfalls 
Rehköpfe. Auch von der obern Reihe lassen sich Striche weiter verfolgen, 
1) s. weiter unten. 
Q2
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.