Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Afrikanische Plastik
Person:
Einstein, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3135774
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3136057
Afrikanische Plastik. 
Stück 6 und 7 machen durchaus den Eindruck von Porträts. Bei der vorgefaßten 
Meinung, afrikanische Kunst sei primitive Typenkunst, übersieht man leicht die 
fein abgestufte afrikanische Porträtkunst. 
Die afrikanische Kunst wurzelt wie die ägyptische im Totendienst, dem Ahnen- 
kult. Hiermit greifen wir das religiöse Zentrum afrikanischen Kunstschaffens. 
Zu diesem magischen Kreis gehören auch die Tierdarstellungen, im ganzen handelt 
es sich dann um Bilder des Totemtieres. Ankermann hat in seiner klassischen Arbeit 
über "Seelenglaube und Ahnenkult bei afrikanischen Völkern" die Seelenvorstellun- 
gen mit ungemein feinem kritischem Sinn analysiert. Er wies auf die Vielfältigkeit 
dieser Anschauungen hin und schälte den Begriff der Bildseele, des Erinnerungs- 
bildes heraus, der älter ist als die rein geistige Vorstellung der Seele. S0 antworteten 
die Zulu dem Missionar Callaway, als er sie befragte, ob der Schatten, den er werfe, 
sein Geist sei: "Nein, er ist nicht dein ltongo, aber er wird der ltongo oder Ahnen- 
geist deiner Kinder sein, wenn du tot bist". Wir hören öfter von Eingeborenen, 
daß sie sich weigern ein Zimmer zu betreten, worin Bilder hängen „wegen der Seelen, 
die in den Bildern sind"; die Wasu antworteten Dannholtz: "das, was sich im Tode 
vom Körper trennt ist der Schatten". Ahnliches erzählt Nyendael über die Bini: 
"Sie nennen den Schatten eines Mannes Passadore oder Führer, der bezeugen muß, 
ob ein Mann gut oder böse gelebt hat". Also auch hier finden wir das Schattenbild, 
die Bildseele. So sagten auch die Bini Dappert „die Schattenbilder der Ahnen 
erscheinen dem Schlafenden". Diese Vorstellungen erinnern an die Bedeutung, 
welche die Agypter dem Ka beimaßen. 
Magische Auffassung der Menschendarstellung und Beziehung des Ahnen 
zum Totemtier lassen den Künstler leicht zu religiös-phantastischen Mischformen 
greifen. J e nachdem das Erinnerungsbild an den Toten stärker oder schwächer ist, 
wird das Ahnenbild mehr oder weniger porträtmäßig geraten. Jedoch kennen wir 
auch beglaubigte Porträts von Lebenden. So ließ nach der Bakubaüberlieferung 
der Häuptling Shamba Bulongongo zu seinen Lebzeiten seine Statue verfertigen, 
damit die kommenden Geschlechter sich seiner erinnern und in Wirrnissen Trost 
beim Anblick seiner Statue finden. Es ist bezeichnend, daß Porträts Lebender be- 
wußt als Ahnenstatuen für die Nachkommen angefertigt werden. 
So dürften die Beninbronzen Ahnenbilder und gleichzeitig Porträts sein. 
Eine Anzahl neuerer Köpfe wurde auf den Jujualtären gefunden; die alten Bremen 
entdeckten die Mitglieder der englischen Strafexpedition halbvergessen in Schatz- 
besser Rumpelkammern. 
Tafel 
dürfte wie Tafel 7 ein Porträt sein. Die Bronze mag eine Adelige oder Fürstin 
darstellen. Man ersieht dies aus der Menge der Korallenschnüre, die den Benin- 
leuten Besonderes bedeuteten. Als eines ihrer höchsten Feste feierten sie das Korallen- 
fest in Gegenwart des sonst hermetisch verborgenen Königs. Hierbei wurde über 
den Korallen geopfert, man besprengte sie mit dem Blut der enthaupteten Üpfer. 
Es ist uns ein Gebet überliefert, das der König über den blutgeweihten Korallen 
sprach: „O Perlen, wenn ich euch anlege, gebt mir Weisheit; laßt weder Juju noch 
schlimmen Zauber mir nahen". Auf dem Kopf trägt die Fürstin eine Perlennetz- 
mütle; am Sockel ist das Sippentier, ein Fisch, abgebildet. Der Kopf zeigt die 
beninsche Bildniskunst auf ihrer Höhe. Trotz der Verschiedenheit des Materials
        

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