Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Afrikanische Plastik
Person:
Einstein, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3135774
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3136036
Afrikanische Plastik. 
T a f e l 4. 
Reiterstandbild. Diese Plastik dürfte den iorubischen Donnergott Schango, 
getragen von der Göttin Oja, darstellen. Im Stile durchaus ähniÖhe Reiterbilder 
finden wir bei den Binis. Vor allem erinnere sich man der Reliefs, worauf Edle von 
Benin abgebildet werden. die von kleinen Seitenfiguren begleitet sind. Anderer- 
seits entsprechen diesen beninschen Reliefdarstellungen Kompositionen, die wir 
auf jorubischen Tontöpfen finden. So entspricht ein im Berliner Museum befind- 
licher Tontopf aus Joruba kompositionell durchaus den Beninreliefs, worauf Männer 
mit Welsbeinen dargestellt werden. Die Trägerin des Reiters erinnert an die figu- 
rierten Kamerun- und Uruasessel, die auf späteren Blättern unseres Buches gezeigt 
werden. Es gibt eben einen bestimmten Vorrat afrikanischer Bildmotive, die im 
ganzen westafrikanischen Kulturkreis verarbeitet und abgewandelt werden. Unwill- 
kürlich erinnert uns das jorubische Reiterstandbild an frühromanische Arbeiten. 
Ich weise auf eine überraschend ähnliche süddeutsche Schachbrettfigur des l4. Jahr- 
hunderts hin, die sich im Kaiser-Friedrich-Museum befindet. Irgendwie überredet 
uns die Verwandtschaft der afrikanischen Kulturen zu der Annahme, daß diese Kultur 
entstand, als heute getrennte Völkerschaften, die kaum noch voneinander wissen, 
früher einmal enger beisammen saßen, ehe sie, vielleicht aus dem Völkerbecken 
Abessyniens. nach Süden und Westen abwanderten. wir möchten noch einmal daran 
erinnern, daß man aus der Ähnlichkeit beninscher und iorubischer Plastik schließen 
kann, daß die letztere nicht erheblich älter sein dürfte als die beninsche. 
T a f e l 5. 
Ein Holzrelief aus Joruba. Zeigt die afrikanische Skulptur eine besondere 
plastische Energie, so verharren Reliefs oft in stillem, einfachem Flächenspiel ohne 
Modelö. Man hüte sich jedoch vor Allgemeinerung. Gerade ältere Stücke, 
wie das abgebildete lfabrett oder Beninreliefs, sind dramatisch bewegt gebildet. 
Sicher ist das lfabrett älter als dieses Flachrelief; dabei ist das jüngere Stück primi- 
tiver und einfacher gearbeitet. Kunst bildet sich eben nicht unter allen Umständen 
vom Einfachen zum zusammengesetzten. und gewiß verlaufen Stiländerungen oft 
im umgekehrten Sinn. Dies Relief ist ein schönes archaisierendes Stück; sein Ver- 
fertiger suchte vielleicht die Ruhe vor der Verwilderung des heimischen Stils. Qb 
dies sich primitiv Geben ein bewußtes Archaisieren war oder ob wie im alten Ägypten 
zwei entgegengesetzte Stilarten gleichzeitig parallel liefen? Beides ist schwer zu 
entscheiden. Jedenfalls, diese primitive Geste ist mehr gewesen als stumpfes Dösen; 
denn wenn irgendwo Kunstüberlieferung bestand, dann in Afrika, wo Kunstübung 
noch heute an bestimmte Familien gebunden ist, wo es zur Zeit der großen Reiche 
Hof- oder Priesterkunst gab, die, man kann sagen, von einer Kaste geübt wurde. 
Bei solcher Überlieferung entsteht notwendig ein vollwertiges Kunstbewußtsein, 
das allerdings im großen ganzen heute verschüttet ist. 
Mit den afrikanischen Reichen und Dynastien brach die Überlieferung entzwei, 
und zwar nicht nur der Kunst, auch der zentralafrikanischen Religions- 
systeme. Reste einer Kunstüberlieferung, die das einzelne formale Motiv be- 
wußt bewahrt und von anderen unterscheidet, fand man noch bei den Bakubas, 
die jedes F ormmotiv einer Weberei oder Schnitzarbeit mit besonderem Namen 
bezeichnen. Den ruhigen ebenen Flächenstil unseres Jorubareliefs finden wir bis zum 
Kasai und Sankuru herunter an vielen Türen, Pfosten und Truhen. Das schönste 
Stück dieser Gattung ist wohl eine Truhe des Tervuerener Kongomuseums, die dort
        

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