Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Indianer-Kunst
Person:
Utzinger, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3125431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3126141
XII. 
Max Picard : 
der Name 
Das Goldgestaltertum der Quimbaya bleibt heute noch unendliches 
Märchentum. Undeutbare Menschen kommen aus der Finsternis, der 
Refrain ihres Herzens, die Goldlyrik ihres fernen Artistentums ist still. 
Die Indianerin, vollkommen in goldenem Schmuck gehüllt, vom sagen- 
haften Rio de la. Vieja erscheint wie eine Heilige, wie eine Patronin, be- 
hutsam, folgsam, in verehrungswürdiger Adoration. Wie eine Liebes- 
stimme, wie eine Hymne, wie ein Gebet im Wind der Kordilleren. 
Strahlende Schönheit kommt zu den Ungeweihten, deren Sinne an 
losen Zügeln sitzen. 
Sebastian de Belalcazars und Juan de Ampudias Mannen entkleiden 
die goldene Schwester, die arme Kreatur, das ruhmvolle Licht eines 
gläubigen Lebens. 
Aus der Miene dieser geduldigen historischen Miniature wurde 
insgesamt die Axt an der indianischen Seele. Das Konzil ihres Todes 
war da. Mit diesem Geschenk ging der Genius dahin. 
„Sie sprechen mit dem Teufel". Was Schim pf sein sollte, war letzte 
Weihe. Irgendein Häuptling heißt dort Estrella caida, „gefallener Stern", 
in wundervoller Poesie. Auf dem Namen liegt der gleiche Schmelz der 
Güte und Gedankennoblesse wie auf den kleinen klingenden Goldarbeiten. 
Tänzerisch, glückselig schwingt sich eine Frömmigkeit zum Himmel. 
Schlicht-vorbildliche Leistung erhascht unmittelbarste vertraute Dichtung 
in der Umklammerung eines entrückten Pantheons. Die Sündhaftigkeit 
westlicher Stundenzeiger schäumt hier nicht im Umkreis des schönen 
Denkens. Ein unerhörter Luxus vollkommensten Geschmacks verziert 
die kleinen Flaschen aus Gold, die die Gestalt stehender und sitzender 
nackter Menschen annehmen und beinahe eine phantastische kunst- 
gewerbliche Inschrift tragen könnten. Die Linien verlaufen ruhig, man 
verspürt eine Liebkosung des Gegenstandes, den gesättigten Adel eines 
Mirakelspiels, sie sind nicht so unentwirrbar wie die aufregende Emp- 
Endung pittoresker Begegnungen in Mexiko und Peru. Ein verzückter 
Materialismus, der den zarten Duft schlafender Askese atmet und der
        

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