Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der griechischen Plastik
Person:
Overbeck, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3081113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3086339
DIE NFUATTISCHE KUNSTSGHULE. 
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selbst ein älteres Werk wiederholt, so gut wie gar keine Wahrscheinlichkeit für 
sich. Endlich kehrt der Name Apollonios ohne Vatersnamen noch zweimal 
wieder, erstens als Inschrift von zweifelhafter Echtheit an einem geringen Exem- 
plar des viel wiederholten jugendlichen, weineinschenkenden Satyrn (vgl. Denkm. 
d. a. Kunst II, Nr. 459) in der Sammlung des Lord Leconlield zu Petworth 
(Löwy Nr. 517), welche nicht einmal als Künstlerinschrift formulirt ist, und 
zweitens allerdings als Künstlerinschrift (ißlazolloßvzog äaroiei, Löwy Nr. 379) an 
einer Apollonstatue von geringerer Arbeit, welche in den Ruinen von Hadrians 
Villa bei Tivoli gefunden wurde und sich jetzt in der Sammlung Despuig auf 
Majorca befindetls). Doch ist die Echtheit auch dieser Inschrift wenigstens nicht 
unbestrittenm), es ist also, wenigstens vor der Hand weder mit der einen. noch 
mit der andern dieser Inschriften etwas zu machen. 
3. Kleomenesm). Einen Künstler Kleomenes, von dem sich in der Samm- 
lung des Pollio Asinius Marniorstatuen von Thespiaden, d. h. wahrscheinlich von 
Musenzi) befanden, nennt Plinius ohne nähere Angaben des Vaters des Künstlers, 
seiner Zeit und seines Vaterlandes. Diesen Kleomenes glaubte man bisher mit dem 
angeblichen Meister der berühmten s. g. Mediceischen Venus in Florenz identliciren 
zu dürfen, den die Inschrift an dieser Statue als Apollodoros' Sohn von Athen 
bezeichnet und als dessen Sohn man den Meister des s. g. "Germanicus" (s. unten) 
betrachtete, der in der Inschrift Kleomenes des Kleomenes Sohn genannt wird. 
Seitdem aber Michaelisn) über allen Zweifel festgestellt hat, daß die Inschrift 
der Mediceischen Venus eine Erfindung des 17. Jahrhunderts (nicht die 
Erneuerung einer antiken Inschrift) sei, muß nicht allein die berühmte Statue aus 
der Reihe der Werke gestrichen werden, aus der man die Charakteristik der neu- 
attischen Schule ableitet, sondern es fällt auch die Combination der Künstler- 
familie Kleomenes über den Haufen und es kann sich nur noch um die Frage 
handeln, ob man den Meister des s. g. Germanicus als den Sohn des bei Plinius 
genannten Kleomenes, oder als eben diesen Künstler betrachten will. Da jedoch 
Plinius nur einen Kleomenes kennt, während er, wo es sich um Künstler einer 
so nahen Vergangenheit handelt, Vater und Sohn wahrscheinlich unterschieden 
haben würde, wenn sie als solche gelebt hätten, so bleibt als wahrscheinlich ein 
einziger Kleomenes übrig, den Plinius, wie gesagt, ohne alle nähere Bezeichnung 
anführt und den wir als: Kleomenes, den Sohn des Kleomenes von Athen, 
aus der Inschrift der irrthümlich "Germanicus" genannten Statue im Louvre 
(unten Fig. 220) kennen. Indem auf diese Statue selbst im folgenden Capitel 
zurückgekommen werden soll, sei hier nur bemerkt, daß die Buchstabenformen 
der Inschrift auf die augusteische Zeit hinweisen, wonach es wahrscheinlich oder, 
wenn man die eben angedeutete Identifioation für richtig hält, gewiß wird, daß 
Kleomenes seine Thespiadenstatuen im Auftrage des Pollio Asinius selbst arbei- 
tete23), eine Annahme, der Plinius gewiß nicht widerspricht. Hier sei nur noch 
über den Gegenstand bemerkt, daß die Statue, wenngleich gewiß nicht das Porträt 
des Germanicus so doch eben so sicher das eines vornehmen Römers aus der 
Periode der beginnenden Kaiserherrsehaft ist, welchen der Künstler in der Haltung 
und im Costüm bekannter Statuen des Hermes Logios dargestellt hat. x 
Den Namen Kleomenes ohne nähere Bezeichnung findet man an dein 
untern Rande des runden Altars mit einer Reliefdarstellung der Opferung der  
lphigenia in der Ufiiziengallerie zu Florenz. Es ist freilich von bedeutenden,
        

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