Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der griechischen Plastik
Person:
Overbeck, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3081113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3084218
DIE KUNST VON PERGAMON. 
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position zeigt, nur daß er von links nach rechts, die capitolinische Statue von rechts 
nach links hingestreckt ist, und daß er eine große und stark blutende Wunde 
in der linken Rippenpartie zeigt, während die capitolinische Statue eine Schwert- 
wunde in der rechten Seite hat. Die einzige Schwierigkeit liegt nur darin, daß 
der neapolitaner Krieger behelmt ist und daß sein Körper nicht viel von der 
charakteristischen Eigenthümlichkeit der Gallier zeigt. Der Kopf ist nicht, wie ge- 
sagt worden ist24), modern, sondern gewiß echt, aber freilich zweifelhaft, ob zu 
der Statue gehörigß), ergänzt nur die Nase und der obere Theil des Helmes, 
die Zugehörigkeit ist aber gleichwohl sehr wahrscheinlich, da er seinen Zügen 
nach durchaus der eines Galliers ist. Freilich erscheinen die Gallier in den Dar- 
Stellungen der pergamenischen Schule, so viele derselben wir kennen, durchaus 
ohne Helm. Aber man muß doch sagen, daß, wie die bekleidete Figur 190 neben den 
übrigen nackten zeigt, die pergamenischen Künstler nach Mannigfaltigkeit gestrebt 
haben und da in späteren Gallierdarstellungen Behelmte vorkommen (s. Brunn 
a. a. O. p. 365), während kein Grund vorliegt, zu glauben, daß die Gallier nament- 
lieh seit ihrer Ansiedelung in Kleinasien, den Gebrauch der Helme nicht ange- 
nommen hätten, so wird man auch hier nicht umhin können, den Kopf eines 
gallischen Kriegers anzuerkennenß), dessen weniger kräftige Körperbeschaifenheit 
vielleicht mit Brunn daraus zu erklären sein wird, daß er als ein Alter charakterisirt 
werden und so der Eindruck von dem letzten Aufgebot aller Kräfte zur Ent- 
scheidungsschlacht verstärkt werden sollte. 
Nicht ganz ohne Bedenken ist die Bestimmung der neapolitaner Figur 
F ig. 189 Nr. lll, 3 und der vaticanischen Fig. 189, Nr. lll, 4 (Mon. d. l. XXI, 
7 u. 6) als Perser, die der dritten Gruppe angehört haben, doch sind über- 
wiegende Gründe für diese Benennung vorhanden und das Bedenken erledigt 
sich, wenn man annimmt, daß die pergamenischen Künstler nicht durchweg auf 
historischen Realismus des Costüms ausgegangen sind. Der in der neapolitaner 
Statue dargestellte Gefallene ist mit Schuhen und Hosen bekleidet, seinen Kopf 
bedeckt eine s. g. phrygische Mütze, d. h. die bei orientalischen Völkern in der 
griechischen Kunst ziemlich unterschiedlos angebrachte Kopfbedeckung, und neben 
ihm liegt am Boden ein krummer Säbel, der, wenn nicht specifisch persisch, so 
doch jedenfalls specifisch ungriechisch ist. Die strenge Durchführung persischen 
Costüms würde nun allerdings einen Rock mit langen Armeln bedingen, während 
die wenigstens halbe Entblößung des Oberkörpers von dem ärmellosen Chiton 
entschieden nicht persisch ist. Es liegt jedoch nicht fern, die theilweise Nackt- 
heit aus künstlerischen Gründen abzuleiten, und schwerlich wird man der, wenn 
auch nur frageweise aufgestellten Ansicht von Friederichs (Bausteine S. 325) 
beitreten dürfen, daß diese Figur anstatt eines Persers Vielmehr ebenfalls einen 
Gallier darstelle, „die ja auch Hosen trugen und auch wohl eine der phrygischen 
Mütze ähnliche Kopfbedeckung getragen haben könnten, gleichwie die Dacier 
auf der Traianssäule." Denn abgesehn davon, daß die hier ausgesprochenen Ver- 
muthungen über das gallische Costüm sehr ungewiß klingen, wird man doch 
wohl annehmen dürfen, daß die Künstler dieser Gruppen zur Darstellung von 
Galliern nicht zwei so ganz und gar verschiedene Typen verwendet haben, wie 
sie in den sicheren Galliern und der hier in Rede stehenden Figur vorliegen, 
Zu deren Charakterisirung als Perser obenan die für dies Volk besonders 
bezeichnenden Hosen, dann die orientalische Kopfbedeckung und der krumme
        

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