Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erasmus Grasser
Person:
Halm, Philipp Maria Grasser, Erasmus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3069451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3070540
Gruppe mit der in den Armen Johannes zusammenbrechenden Maria aufgebaut, die 
an die entsprechende Szene auf dem Gemälde des Sakraments des Altars von Rogier 
van der Weyden im Museum zu Antwerpen oder seiner Kreuzigung im Prado in 
Madrid erinnert. Trotz all dieser Anschlüsse erscheint jedoch die Annahme, dass es 
sich um Teile eines niederländischen Altarwerks handeln könnte, ausgeschlossen. 
Dagegen spricht schon das für den Norden ungewöhnliche Material des Lindenholzes, 
das nach Süddeutschland verweist, ferner die Typen und der Mangel jener phanta- 
stisch-burgundischen Kostüme. Anderseits gemahnen die Schlichtheit der Gewänder 
und die vegetabile Schlankheit der Gestalten an Münchener Arbeiten und einzelne 
Köpfe, wie der des Johannes, der Maria oder der zum Kreuze emporblickenden heiligen 
Frau, durchaus an die Art Grassers. Befremdend im Kreise der Münchener Kunst 
könnte höchstens das stark ansteigende Terrain wirken, das aber keineswegs eine ver- 
einzelt auftretende Erscheinung gewesen zu sein scheint. Jedenfalls legen die Frag- 
mente, die sich stilistisch kaum in irgendeine andere Schule oder Gruppe des Nordens 
oder Südens einordnen lassen, die Vermutung nahe, dass sie aus dem Bannkreise, wenn 
nicht aus der Werkstatt des Erasmus Grasser stammen. Wir hätten mit diesem nieder- 
ländischen Einfluss für die Münchener Schule eine ganz gleiche Erscheinung zu ver- 
zeichnen, wie für die etwa ein oder zwei Jahrzehnte früher entstandenen Altäre in und 
um Schwäbisch-Hall) 
Noch engere Beziehungen zu Grasser sprechen aus dem Fragment. einer Kreuzigung 
im Besitze von Hofrat Berolzheimer in Untergrainau (Taf. LVII), das aus dem Mün- 
chener Kunsthandel kam. Eine Gruppe der Juden und des Hauptmanns unter dem 
Kreuz, auf ähnlich aufsteigendem Gelände angeordnet wie die drei Berliner Fragmente. 
nur in weit schwacherem Relief geschnitten. Die scharfgeprägten Gesichtstypen mit 
den spitzen Nasen, den knochigen Wangen, den sehnigen Hälsen und den verkümmer- 
ten Oberlippen können unmittelbar von Grasser abgeleitet werden, doch spricht. eine 
gewisse Temperamentlosigkeit gegen eine Ausführung seiner eigenen Hand. Sowohl 
dieses Relief wie die drei Berliner werden zeitlich in die Nähe des Ramersdorfer Altars, 
also etwa 1480 --149O, zu setzen sein. 
Von den Arbeiten in Stein, die man Grasser oder seiner Werkstatt zuzuschreiben 
pflegte, und über die noch in anderem Zusammenhange zu handeln sein wird, sei hier 
zunächst nur von dem grossen Monument für den Ritter Balthasar Bötschner von 
S0 weist ein dreiteiliger, ganz im Sinne der flämischen Altäre gegliederter Passionsaltar in der Votivkirche 
in Wien die gleichen komposit-ionellen Tendenzen auf. Der Altar stammte aus München, gelangte später in 
den Besitz des Bildhauers und Sammlers Hans Gasser in Wien und befindet sich seit 1858 als Stiftung 
Kaiser Franz Josefs in der Votivkirehe dortselbst. Er trägt, wie schon eine alte Abbildung in A. von Eye 
und Jakob Falke, Kunst und Leben der Vorzeit Bd. I (Nürnberg 185511858) Taf. 105, zeigt, zwei Wappen 
mit dem pfälzischen Löwen und den bayerischen Rauten, die, soweit eine Untersuchung es gestattete, sich 
als alt erwiesen, so dass man in dem Altar wohl eine bayerische Arbeit vermuten darf. Das kaiserliche Wap- 
pen zwischen beiden ist neu. Freilich weisen die Kostüme im Gegensatz zu den eben erwähnten Berliner 
Reliefs auf flämische Einflüsse. Vielleicht haben wir es bei dem Wiener Altar mit einer ähnlichen Erschei- 
nung wie bei den schwäbischen Altaren in Hall zu tun. Vgl. Julius Baum, Deutsche Bildwerke des 10. bis 
18. Jahrhunderts (1917) S. 38.
        

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