Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erasmus Grasser
Person:
Halm, Philipp Maria Grasser, Erasmus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3069451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3071182
Was bisher zu seiner Erkenntnis erschlossen wurde, verdanken wir in erster Linie 
der englischen Shakespeare-Forschung, der die häufige Erwähnung des Tanzes in den 
Dramen des grossen Briten und damit zusammenhängend bei den übrigen englischen 
Dramatikern des 17. Jahrhunderts Anstoss zu tieferer Schürfung gab, und im Anschluss 
daran der Volkskunde. Wie reichlich nun auch hier die Quellen fliessen, so tragen die 
Ergebnisse doch durchaus nur den Charakter kommentatorischer Noten und können 
bei aller Gründlichkeit oder  richtiger wohl  Weitschweifigkeit kaum anders denn 
als eine Materialsammlung zu dem Thema des Tanzes bezeichnet werden. Wurde doch 
nicht einmal der leiseste Versuch unternommen, festzustellen, wie weit sich der Ausdruck 
Moriskentanz  englisch morris-dance  zurückverfolgen lässt, eine Untersuchung, 
die von grundlegender Bedeutung wäre. 
Die nachfolgenden Ausführungen können aus den oben erwähnten Gründen kaum 
mehr als ein Versuch zu einer Geschichte und Deutung des Moriskentanzes ange- 
sprochen werden. Sie wollen im wesentlichen nur einigen allgemeinen Beobachtungen 
und Eindrücken Raum geben, die sich bei der Lektüre vor allem des folkloristischen 
Materials aufdrängten, und die als Vermutungen und Kombinationen vielleicht er- 
lauben und ermöglichen, Brücken zu schlagen, wo sichere Quellennachrichten und ein- 
wandfreie Forschungsergebnisse fehlen. Im übrigen aber lag es nahe, einmal die ein- 
schlägigen künstlerischen Darstellungen des Tanzes unter sich und mit jenen des 
Schrifttums in Beziehung zu setzen, um dadurch dem Wesen und der Idee des Tanzes, 
wie er sich namentlich im 15. Jahrhundert bot, näherzukommen und damit zum V er- 
ständnis der Kunstdenkmäler und ihrer Zeit ein bescheidenes Teil beizutragen. 
Wenn diese Untersuchungen dabei in erster Linie von dem englischen Morisken- 
tanz ausgehen, so hat dies seinen Grund darin, dass, wie schon erwähnt, nirgends sonst 
das Material in solcher Fülle zusammengetragen wurde wie in England. Das mag für die 
ausserordentliche Verbreitung und die lange Lebensdauer des Tanzes dortselbst spre- 
chen. Dann aber erscheint es von besonderer Bedeutung, dass die Forschungen zur 
Moriske, während sie die übrigen Länder bis heute kaum angeschnitten haben, in Eng- 
land bis in das 18. Jahrhundert zurückreichen und nie ganz in Vergessenheit gerieten. 
Die meisten englischen Autoren nehmen an, dass der Moriskentanz unter Über- 
nahme des pyrrhischen Tanzes der Alten in Spanien erfunden und ausgebildet worden 
sei, und dass er, ursprünglich ein Schwertertanz, die jahrhundertelangen Kämpfe der 
spanischen Christen mit den Mauren dargestellt habe. Den Abkömmlingen der Mauren, 
 John Hawkins, A general history o] lhe science and practice o] music, London, II (1776) S. 134 ff.  
John Brand-Henry Ellis, Oberservations on popular antiquiiies, London, I (1813) S. 179, 187 und 204.  
Joseph Strutt, The sports und pasiimes of the people of England, London 1830, S. 223  Robert Nares, 
A glossarg or cnlleclion of words, phrases, names etc. in ihe works of english author's, London, II (1859) 
S. 583.-- Francis James Child, The english andscotlislz ballada, Boston, V (1888) S. 42 ff.  E. K. 
Chambers, The mediaeval stage, Oxford, I (1903) S. 160 und 182.  W. Carew Hazlitt, Failh und Folklore. 
Neuausgabe von John Brands, Popular antlquities, London, II (1905) S. 422.  John Forster, A Shake- 
speare wordboolr, London 1908, S. 405.  Graues Diclionary of music am! mvsicians, London, III (1910) 
S. 266.    
        

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