Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erasmus Grasser
Person:
Halm, Philipp Maria Grasser, Erasmus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3069451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3070684
oberen Ende des Steines enthält ein Relief des Gekreuzigten mit Maria und Johannes, 
ganz mit jenem des Törring-Steines verwandt, und dem bayerischen und österreichischen 
Wappen. Zeitlich schliesst sich der Grabstein von Oswald von Weichs, gest. 1494, und 
seiner Frau Elsbeth in der Kirche von Indersdorf an.1 Die beiden knienden Figuren der 
Verstorbenen in der oberen Hälfte decken sich in Auffassung, Stellung und handwerks- 
mässiger Ausführung engstens mit den Stiftern, die beiden Wappen der unteren Hälfte 
in der Schildform und dem Schnitt der Helmzier mit dem Törring-Stein. Endlich ist 
demselben Steinmetzen noch die grosse Grabplatte des Stephan von Schmichen zu 
Wackerstein, gest. 1495, in der ehemaligen Klosterkirche von Diessen mit der lebens- 
grossen, aber schwächlichen Flachrelieffigur des Ritters zuzuschreiben? Ihr schliesst 
sich als letztes Werk der gleichen Hand der Törring-Stein von Andechs aus der gleichen 
Zeit an. Keine der erwähnten Arbeiten erhebt sich über ein bescheidenes Handwerks- 
können hinaus, und man kann nicht gut annehmen, dass derartig minderwertige Ar- 
beiten in Grassers Werkstatt, also sozusagen unter seinen Augen, entstanden. Es sind 
offenbar Produkte eines in der alten Schule erwachsenen Bildhauers, der zwar in den: 
Törring-Stein sich nicht dem Einfluss Grassers entziehen konnte, im übrigen aber saft- 
und kraftlos neben dem stärkeren Zeitgenossen stand. Wahrscheinlich haben wir in ihm 
den gleichen Meister zu erblicken, der im Jahre 1480 die oben erwähnte Votivsäule 
Herzog Albrechts IV. von Bayern fertigte? 
Lässt diese Gruppe um den Andechser Törring-Stein immerhin noch ihre Herkunft 
aus der Münchener Schule erkennen, so entbehrt eine andere Zuschreibung an Grasser 
selbst für den Schul- oder Werkstattbereich jeder Berechtigung und Begründung. 
Hager glaubte auf Grund der Stiftungsurkunde des Benefiziums der Kirche von Frauen- 
ried im Bez-Amt Miesbach von 1486, in der Erasmus Grasser als Zeuge erscheint, den 
Schluss ziehen zu dürfen, dass die beiden von einer Art Hochgrab herrührenden Grab- 
steine der Heiligen Marinus und Anianus in der Kirche von Wilparting von der Hand 
des Münchener Meisters stammen? 
Ohne diese archivalische Notiz hätte wohl niemals eine solche Vermutung auf- 
tauchen können ; denn irgendwelche stilistische Gründe, die zu diesem Schluss berech- 
tigen könnten, sind nicht gegeben. Die beiden Heiligen, Marinus als Bischof, Anianus 
als Diakon, sind in ganzer Figur dargestellt; die Köpfe ruhen auf Kissen. Um" die 
Schräge läuft die Inschrift, an je drei Seiten und an den Ecken durch kleine kragstein- 
artige Prophetenbüsten mit Spruchbändern unterbrochen. Der weiche Sandstein war 
starker Verwitterung und rohen Eingriffen, vor allem durch derbe Übermalung, unter- 
worfen, wodurch die ehemaligen Feinheiten in der Modellierung, wie solche immer noch 
etwa beim Kopfe des hl. Marinus und bei einzelnen Prophetenbüsten zutage treten, stark 
gelitten haben. Aber gerade diese besser erhaltenen Teile tragen nichts von Grassers 
Abbildung. 
K. D. B. I. S. 298, woselbst Abbildun 
K. D. B. I. S. 521. 
Siehe S. 65. 
K. D. B. I. S. 1530 und Anmerkung
        

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