Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erasmus Grasser
Person:
Halm, Philipp Maria Grasser, Erasmus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3069451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3070676
selben"- d.h. Grassers- „vorliegt oder genauer gesagt derselben Werkstatt"? Seitz 
von Törring heiratete Dorothea von Losenstein 1495; damit ist das frühest mögliche 
Datum für den Stein gegeben (Taf. LXXXI). 
 Trotz Riehls vorsichtigem Urteil wurde bisher das Denkmal ohne Bedenken unter 
die eigenhändigen Arbeiten Grassers eingereiht;sehr mit Unrecht, denn abgesehen von 
der Anlehnung an einige Äusserlichkeiten des Aresinger-Steines spricht auch nicht ein 
Meisselhieb für seine Hand. Was zu dieser Zuschreibung verführte, ist die tektonische 
Umrahmung mit den Prophetenfigürchen, die Dreiteilung des Steines und die Verwen- 
dung des Monstranzfusses als Stütze für die Kreuzesgruppe des oberen Feldes. Das ist 
aber auch alles, was an Grasser erinnert. Im übrigen verbieten aber gerade diese äusser- 
lichen Entlehnungen in ihrer geringen künstlerischen Feinheit und Mache  man be- 
trachte nur die kümmerlichen, unverstandenen Rippen des Gewölbes, die schwächlichen 
Pfeiler, die unplastische Anlage des Monstranzfusses  die Zuschreibung an ihn, ge- 
schweige erst die geradezu kümmerliche Behandlung des Figürlichen. Da ist nichts mehr 
von der Beherrschung der menschlichen Figur und dem ungehemmten Gebrauch der 
Glieder zu spüren. Ängstlich kleben die Figuren flachangedrückt am Grunde, die ge- 
falteten Hände der Stifter an der Brust. Nichts vom Gefühl für räumliche Anordnung, 
wie bei dem Aresinger-Stein, der alle die Schwierigkeiten, wie sie dem Törring-Stein 
noch aus einer früheren Epoche anhaften, völlig überwunden zeigt, und dies bereits 
mehr als zehn Jahre vorher. Selbst in dem rein Handwerklichen, wie in den Blättern 
der Helmzier, erkennt man das Minderwertige der Arbeit. Man kann der gleichen Hand 
noch eine Anzahl anderer, ähnlich schwacher Grab- und Gedenksteine zuschreiben. Sie 
kennzeichnen sich alle als Arbeiten eines und desselben durch die wie aus einem Modell 
ausgedrückten, flach auf den Grund aufgeklatschten Reliefs mit den schräg gequetsch- 
ten Köpfen und mit ihren Locke um Locke modellierten schematischen Perücken. Die 
älteste dieser Arbeiten ist die Votivtafel für Herzog Sigismund von Bayern im Ost- 
portal der Südseite der Frauenkirche, die in einer Reihe von Distichen die Grundstein- 
legung der neuen Kirche durch den Herzog am 9. Februar 1468 besingt und in dem 
Bildfelde darüber den Stifter im Pilgergewande vor der thronenden Maria kniend dar- 
stellt? Ihr schliesst sich der Grabstein von Konrad von Eisenhofen, gest. 1472, und 
Joerg von Eisenhofen, gest. 1486, in der Klosterkirche von Indersdorf, Bez.-Amt 
Dachau, an, der im Bildfeld einen Ritter in spätgotischem Plattenharnisch mit dem 
Rennfähnlein in der Hand zeigt? Aus dem Jahre 1492 stammt dann der Gedenkstein 
an der alten Kesselbergstrasse bei Kochel, der besagt, dass Herzog Albrecht von 
Bayern nach den Angaben des reichen Münchener Patriziers Heinrich Barth diese 
wichtige Verkehrsstrasse auf seine Kosten machen liessß Ein schmales Bildfeld am 
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K. D. B. I. S. 849.  B. Riehl, Münchener Plastik a. a. O. S. 403.  Burger-Feulner a. a. 0. Bd. II. 
K. D. B. I. S. 992. 
K. D. B. I. S. 296. 
K. D. B. I. S. 667.  Pfund, Geschichtliche Erinnerungen an die Kesselbergstrasse, im Oberbayern Archiv 
XLVIII (1893194) S. 1l3ff.  Fritz Märklin, Die Kesselbergstrasse, in der Zeitschrift Das Bayerland XVI 
(1905) S. 543, woselbst zeichnerische Abbildung des Steines. 
Erasmuß Grauer
        

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