Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erasmus Grasser
Person:
Halm, Philipp Maria Grasser, Erasmus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3069451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3070665
Wahrscheinlich ist der gleichen Gruppe auch das prächtige, glänzend auf Licht- 
und Schattenwirkung hin durchgearbeitete Wappen der Tänzl von Tratzberg in Schloss 
Reichersbeuern im Bez.-Amt Tölz einzureihen, das die Mittelfüllung der Kassetten- 
decke des südwestlichen Eckzimmers einnimmtß Wenn auch erst in den Jahren 1514 bis 
1518 entstanden, verharrt die Decke mit ihren spätgotischen Profilen ebenso wie das 
Wappen in seinen heraldischen Formen, so namentlich auch in den prächtigen wilden 
Männern, noch durchaus in den Gewohnheiten der Spätgotik (Taf. LXXX). 
Mit ausserordentlich feinem räumlichen Empfinden in das Sechseck komponiert, 
von ungewöhnlicher Delikatesse in allen Einzelheiten, von einer jede Schwierigkeit 
spielend überwindenden Sicherheit des Messers, repräsentiert das Wappen den Höhe- 
punkt dekorativer Schnitzkunst in Altbayern und gemahnt, ohne dass damit an stili- 
stische Einzelheiten gedacht sei, in seinem flotten, temperamentvollen Wurf durchaus 
noch an Erasmus Grasser. 
Unbeantwortet bleibt die Frage, inwieweit von Grasserschem Einfluss noch die 
Rede sein kann, auch bei den Hochaltarfiguren der ehemaligen Kollegiatstiftskirehe 
St.Wolfgang bei Dorfenz und namentlich bei dem, einem barocken Altar eingefügten, 
Hochrelief der Kreuzigung Christi ebendort aus der Zeit um 1500, das weniger im 
szenischen Aufbau als in Einzelheiten seines reichen figürlichen Apparats an den Ra- 
mersdorfer Altar oder das Berliner Altärchen erinnert, zugleich aber auch manchen, 
selbst der Münchener Schule überhaupt fremden Zug aufweist, dagegen eher Beziehun- 
gen zur Inntaler Gruppe vermuten lässt. 
Anderseits müssen aber auch Zuschreibungen abgelehnt werden, die z. B. in einem 
Christus am Kreuz in Münchener Privatbesitz den verlorengegangenen Grucifixus 
zu den beiden Pippinger Assistenzfiguren Maria und Johannes Grassers im Bayerischen 
Nationalmuseum oder in der männlichen Büste Inv. Nr. 4082 ebenda die Hand des 
Meisters erkennen wollen. Es genügt im ersteren Falle, auf die völlig andere, wesentlich 
härtere, um nicht zu sagen: derbere Holzbehandlung des Christus im Gegensatz zu 
Maria und Johannes hinzuweisen, um die Unhaltbarkeit dieser Anschauung darzulegen. 
Die männliche Büste aber gibt sich ohne weiteres als eine Arbeit der schwäbischen 
Schule zu erkennen. Wie Grasser derartige Propheten gestaltete, lehrt uns ein Blick 
auf das Chorgestühl der Münchener Frauenkirche." 
Man hat mit Erasmus Grasser namentlich auch einige steinplastische Arbeiten in 
Verbindung gebracht. In erster Linie ist hier der Gedenkstein für Seitz von Törring- 
Seefeld und seine Frau Dorothea von Losenstein in Kloster Andechs zu nennen, auf 
dessen kompositionelle Verwandtschaft mit dem Grabmal des Ulrich Aresinger Ber- 
thold Riehl zum erstenmal verwiesen hat, indem er sagt, dass „sicher eine Arbeit des- 
und Taf. 94. 
Ebenda I. S. 2052 ff und Tat. 243. 
Hubert Wilm, Die gotische Holzfigur, Leipzig 1923, Tai. 122 u. 123. Ebensowenig kann ich in dem dort 
auf Taf. 124 abgebildeten Kopf eines Himmelfahrtschristus die Hand Grassers erkennen. Dagegen liegt 
vielleicht in dem Gottvater-Fragment, Tat. 125, eine Arbeit seines Kreises vor.  Die männliche Büste 
abgebildet bei Hubert Wilm, Gotische Charakterköpfe (1925) Taf. 73.
        

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