Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Michelangelo
Person:
Michelangelo <Buonarroti> Knapp, Fritz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3062428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3062769
Was das Ganze betrifft, so charakterisiert schon die Wahl des Motives, wobei 
dem Künstler freie Hand gelassen war, ganz den Geist Michelangelos im Gegensatz 
zu Leonardo. Dieser, durchaus Maler, wählt eine Szene aus der Reiterschlacht von 
Anghiari. Eine in rasendem Kampfe zu dichtem Knäuel zusammengeballte wirre Masse 
von Reitern und Fußsoldaten befriedigt sein Verlangen nach Massendarstellungen und 
mächtigen Gruppierungen. Konzentrisch ausstrahlend lösen und lockern sich all- 
mählich die Massen. Den Plastiker Michelangelo dagegen konnte nichts mehr als die 
immer neue, immer reichere Gestaltung der bewegten Figur reizen, und so wählt er 
eine Szene aus dem Kampf der Florentiner gegen die Pisaner bei Cascina, wo Soldaten 
beim Bade von dem Feinde überrascht werden. Nackte Gestalten fahren auf, erheben 
sich, stürzen zu den Kleidern, zu den Waffen. Dem Reichtum an künstlerischen Be- 
wegungsmotiven kompliziertester Art steht eine außerordentliche Sorgfalt der Durch- 
modellierung gegenüber. Daß es dem ehrgeizigen jungen Künstler besonders um die 
Vorzüglichkeit der realistischen Durchbildung zu tun war, beweist eine Anzahl Zeich- 
nungen (zumeist in der Albertina). Er wählt die kompliziertesten Stellungen in dem 
fast quattrocentistischen Streben, Meisterstücke anatomischer Ausführung und Verkürzung 
zu geben (vgl. die Abb. S. XXII). Bis ins kleinste sind die Körper nach dem Modell 
durchgearbeitet. Neben einzelnen Detailstudien zu Muskeln, zu Armen und Beinen 
stehen Studien zu ganzen Figuren, die klarer fast als seine fertigen Werke die eigne 
Auffassung Michelangelos offenbaren. Hier lebt nichts mehr von dem kleinlichen, im 
Detail sich verlierenden Geist des Quattrocento. So sehr ihn die Durchbildung der
        

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