Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Buddhistische Plastik in Japan bis in den Beginn des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Person:
With, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3057623
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3058781
auf die Gewinnung räumlicher Tiere, Belebung der stofflichen Teile, plastische Steigerung 
der Dekoration und allmähliche Ergründung der Körperform beziehen, im Rahmen der 
alten Formbehandlung zur Anwendung gelangen, kooptiert werden und nicht aus dem 
alten Formbestand, wie ihn die Torischule verkörpert, abgeleitet werden können. So 
bleibt diesen Figuren eine gewisse Ungleichheit innerhalb ihrer Formgebung zu eigen, 
die uns zu der Bezeichnung als "Mischstil" Veranlassung gibt. Die Unsicherheit, die in 
der Anwendung der neuen Formmotive herrscht, ist aber von der, wie sie Schüler, 
arbeiten aufweisen, zu unterscheiden und liegt in den inneren Schwierigkeiten, ein 
überwältigendes Vorbild dem eigenen Formbestand anzupassen, begründet. 
Tafel 71 bis 73. Es bleibt noch übrig, der Begleitfigur des Amida, die als Gegen, 
stück der eingangs besprochenen Figuren aufgestellt ist, den ihr zukommenden Platz 
anzuweisen. Leider ist gerade dieser Figur die Ehre zu teil geworden, von Fenelossa 
als Beleg für "westliche Einflüsse" abgebildet zu werden. Es handelt sich aber, wie 
bei der Amidafigur (Tafel I4), um eine viel spätere Nachbildung. Auch hier sind alte 
Motive nachgeahmt und eine gewisse Verdichtung der Grundmasse erstrebt; auch die 
Dekoration der Originalfiguren ist getreulich wiederholt. Aber im Ausdruck hat die Figur 
nichts mehr mit jenen gemein: An Stelle des mächtigen Ernstes und der gedrungenen 
schweren Haltung, ein leeres und geziertes Gebaren; statt der schweren Bronze eine 
leichte Lackfigur. Besonders in den Gliedmaßen kann der Kopist seine eigene Zeit 
nicht verleugnen: die gewölbten Zehen an den Füßen, die kleinen Hände mit den 
spitzen, gespreizten Fingern, die durchbrochenen Ohrläppchen und die schematische 
Eleganz des Gesichtes, die vor allem im Profil zum Ausdruck kommt (Tafel 72). Dazu 
kommt die Übertreibung in der plastischen Behandlung des Gehänges, das sich in 
unruhige, kapriziöse Drehungen auflöst. Der Vergleich der Rückansichten auf Tafel 68 
und 73 zeigt die Auflösung des geschlossenen Umrisses und die übertrieben stoffliche 
Auffassung der Gewandung; so legen sich an den Schultern und im Kreuz weiche und 
bauschigeunregelmäßige Falten zwischen die nachgeahmt strengen Linien. Die Figur 
wird zur selben Zeit ergänzt worden sein wie der Amida. 
Tafel 74. Die Kwannon aus der Serie der 48 Kleinplastiken wiederholt typische 
Merkmale der eben besprochenen Figuren: die Form der Lotusblätter, die schwere 
Bindung des Unterkörpers durch das Gewand, das vorn schließt, die gebundene Hal- 
tung der Arme, den großen Kopf und das Schema der Dekoration. Auch Einzelheiten, 
die auf Verwandtschaft mit den Begleitfiguren im Kondo des Horyuji schließen lassen, 
fehlen nicht: so die kurze Nase mit den mächtigen Augenbrauen, die eingezeichneten 
Augenlinien, die Haare, die in Strähnen sich über das Ohr legen, das doppelte Stirne 
band, die ornamentierten Säume der Falten, die quadratisch flachen Füße. Auch hier 
ist im Gegensatz zur Unbeweglichkeit des Gestaltlichen das freie Gehänge durch Wim 
dungen plastisch belebt. In der Führung des Gehänges, das nicht wie sonst um den 
Nacken geschlungen ist und den Rumpf diagonal überquert, sondern lediglich über die 
Unterarme gelegt ist, zwischen denen es in tiefem Bogen herabhängt, macht sich die 
größere Freiheit des Arrangements geltend; diese Art der Lagerung erfordert bereits eine 
größere Lösung zwischen Körper und Zutaten. Auch die Schmuckbänder wirken reicher 
und auffälliger; sie fallen vom Stirnband der Krone herab, urnschlingen den ganzen 
Körper und sind durch ihre Punktierung klar vom Körpergrund distanziert, bilden 
so besondere plastische Einheiten. Die beiden Rosetten an der Brust und am Leib 
sind durch Ketten verbunden. Der Körper hat durch freiere Massenverteilung an 
vegetabiler Lebendigkeit gewonnen. Ein welliger Umriß, ähnlich wie bei der Figur 
Tafel 60, löst den rechtwinklig starren Block auf; Brust und Leib sind schmächtig 
und zart, in seltsamem Gegensatz zu den schweren Füßen und dem großen Kopf. Zur 
gleich wird der Unterschied von bekleideten und nackten Teilen stark hervorgehoben,
        

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