Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Buddhistische Plastik in Japan bis in den Beginn des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Person:
With, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3057623
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3058634
Verlängerung  die"Stirnhochgezogen, die in- 
der Mitte sich zu einer Vorstirn verdickt;' die kräftigen Linien der geschwungenen 
Augenbrauen geben den Gesichterneinen energischaselbstbewußten Ausdruck, der sich 
im Zochotenno (Tafel 53) "bis zum Drohen steigert. Eswürde zu weit führen, die Untere 
schiede dieser einander so ähnlichen Figuren, im einzelnen aufzuzeigenl; am 05m, 
sichtlichsten variieren neben dem Ausdruck der Gesichter die Hände: "die Hand des 
Zochotenno (Tafel 53), die den Stab oder dasSchwert hält, ist zornig zusammengeballt; fest? 
legt der Daumen sich über die geschlossenen Finger, während die Hände des Kwomo, 
kutenno (Tafel 47) in leichter und feinsinniger Geste das Schreibzeug halten. Der stillere 
Ausdruck seines gelehrsamen Gesichtes paßt durchaus zu seinem Amt, während die ge- 
schlossenen Fäuste des Zochotenno seinem Kriegergesicht entsprechen. Alle vier Geß 
stalten tragen durchbrochene Kronen mit Steinen am Stirnreif oder mit blumenartigen 
Rosetten besetzt. Die Grundform besteht bei allen aus einem überhöhten Mittelmotiv 
und je einer seitlichen Ornamentfläche, also ähnlich wie die Krone der jumedono; iv 
doch endet die reich verschlungene, durchbrochene Ornamentik dieser Ritterkronen in 
glatten, flächigen Lappen, die das bewegte Linienspiel zusammenschließen und glätten 
(Tafel 47, 53). Die Heiligenscheine, die am Hinterkopfe befestigt sind und schräg zum 
Kopfe stehen, sind rund, bemalt und mit durchbrochenen Bronzebändern geschmückt. 
Die übernatürlichen Kennzeichen wie Schopf, Urnag und die langen Ohren fehlen in, 
haltgemäß dieseniGestalten. Es liegt im Inhalt begründet, daß die Darstellung  im 
Verhältnis zu den unpersönlichen Gotv und Engelbildern -r in den Himmelswächtern 
einen gewissen Realismus spielen, läßt, der aber durchaus nicht über die Grenzen des 
alten Suikostiles hinausgeht. Man brauchte, nur an den Darstellungsreichtum der romv 
nischen Plastik, der doch ein ähnliches Spannungsverhältnis zwischen Gegenstand 
und Form wie dem Suikostil eigen war, zu erinnern, um auch in den kräftigen 
Rittergestalten der Himmelskönige" keinen archaischen Widersinn zu empfinden. Auf 
der anderen Seite offenbart der Vergleich mit den Shitennos des 8. jahrhunderts, wie 
einheitlich der Ausdrucksinhalt dieser frühen Kunst umgrenzt bleibt. iDas SJahrhundert 
hat vor allem den dramatisch bewegten Sinn dieser Gestalten empfunden und dargev 
stelltä Unter ihren Füßen krümmen sich in hilfloser Kraft die bezwungenen feind, 
lichen Mächte; Gesten und Gesichter der Könige sind erregt von drohender Anspannung 
und siegreichem Kraftbewußtsein. Wie anders stehen die Shitenno im Kondo des 
Horyuji da: ernst, ruhig und still, aber nicht weniger wachsam als die des Kwaidainin 
oder des Kofukuji. Was in den Tempyodarstellungen zur dramatischen Bewegtheit 
wird, das drückt sich hier gewissermaßen latent, als Energie der Form aus; alle Bea 
wegung und aller Ausdruck bleiben konzentriert, entfalten sich nicht zum einmaligen 
Ausdruck des Geschehens, sondern bleiben verdichtet als ein Sinnbild des Vorgangs 
und der Kraft. Auf Grund dieser strengen Beschränkung auf das Wesentliche der Dar, 
stellung und auf Grund der stilistischen Strenge, die trotz der Gegebenheit des realen 
Motives alle Bewegungv und. Ausdrucksprobleme von der Hand weist, dürfen wir 
ihr-e Datierung eher an den Anfang, als in die Mitte des Jahrhunderts setzen, die bereits 
derartige Formrnotive auf beweglichere Formeln brachte.    
Tafel 54. Es ist merkwürdig, daß uns keine weiteren Darstellungen der Himmelskönige 
aus dem 7Jahrhundert erhalten sind. Nur eine Holzstatuette im Museum von Nara (Tafel 54) 
1 Die Heiligenscheine des Kwomolrutennq und des Tamontennq tragen die Namen mehrerer 
Holzschneider; nach "Iapauese temples aud their treasures," Seite 106, soll einer von ihnen, Iamaß 
guchi no Atai Oguchi, bis zur Mitte des Jahrhunderts tätig gewesen sein; Es ist aber erstaunlich, 
wie in den vier Bildwerken alle persönliche Formbeeinflussung zurücktritt.  
' So die Shitennos des Kofukuii, Nara (Abbildung Nilwß Seikwä, 33ml I) und im Kwaidainil 
des Todaiii (Abbildung, japanese temples und tbeir treasures, Tafel 2.27 bisz29);  
        

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