Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Buddhistische Plastik in Japan bis in den Beginn des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Person:
With, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3057623
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3059912
wobei vor allem Raum und Licht als Komponenten der plastischen Wirkung heran, 
gezogen werden. Für die ganze Bewegung der Figuren bildet die Rundkörperlichkeit 
die formale Voraussetzung; sie verläuft organisch klar und ist plastisch,anschaulich 
verbildlicht. Die Unterkörperpartie wird durch die Kniestellung schräg zur vorderen 
Bildfläche gewinkelt; die Hüften sind kräftig markiert, der Leib ist eingeschnürt (Tafel 224), 
die Arme sind frei bewegt, der Kopf ist geneigt. Der ganze Körper ist durch eine durch, 
laufende, gewinkelte Bewegung in eine rhythmische Haltung übersetzt (Tafel 220,222); aber 
nirgends bricht die Bewegung nach den Seiten zu aus oder entfernt sich weit von der 
Rumpfmasse; es handelt sich nur um ganz leise Verschiebungen des beweglich gv 
schmeidigen Rumpfes: von den Füßen bis zu den Knien, von dort bis zu den Hüften 
und wieder nach den Schultern zu. Dazu kommen noch die Verschiebungen im Rund 
und nach der Tiefe: die Füße sind etwas schräg gestellt, die linke Hüfte ist zurück, 
gelegt (Tafel 222), der Nacken etwas nach oben gekrümmt (Tafel 223), Kopf und 
rechte Schulter beugen sich nach vorn, während der rechte Arm sich rückwärts hält 
(Tafel 224). Dabei ist die ganze Bewegung vereinheitlicht, der Umriß verläuft ohne 
große Ausladungen und der Rumpf ist geschlossen und verdichtet. Wir treffen also 
auch hier wieder auf die Tendenzen idealisierender Vereinfachung der organischen Ge, 
gebenheit unter Betonung der rundkörperlichen Tiefe. Die Steigerung  gegenüber 
den Bronzefiguren wie Tafel 187, 214  liegt, gemäß der Materialauswertung in der 
plastischen Ausrundung der einzelnen Bildteile wie Oberschenkel, Arme und Leib, in 
der Differenzierung der Handgesten und der weichen, plastischen Ausdeutung des ab, 
gesonderten Gewandes. An den dicken Faltenbögen an den Beinen (Tafel 220) fühlt 
man die  durch die weiche Oberfläche gemilderten  festen Einlagen durchschimmern; 
der seitlichen Ablösung des Gewandes von den Beinen und ihrer Verdickung ist alle 
Härte und unstoffliche Steifheit genommen; das Lackmaterial ermöglicht eine weiche, 
zwanglose Überleitung der Masse und eine reichere Gliederung. Die Gewandteile und 
die Gehängebänder werden als willkommene Möglichkeiten für eine plastische Be, 
reicherung ausgenützt; die Falten werden weicher, voller, wechselnder, werden ver, 
schlungen und verdreht, gehäuft und wieder auseinandergezogen, immer neue plasti, 
sche Werte bildend. Man geht bereits zu einer Steigerung der stofflichen Motive selbst 
über; so wird das Gehängeende an der Brust in reicher Fältelung durch das Brust, 
band durchgezogen (Tafel 220, 224), in beiden Fällen in ganz verschiedener Art; die 
Falten zwischen den Beinen rollen sich auf (Tafel 220), legen sich in vielfältige Muster 
zusammen: die Halsketten werden immer reicher ziseliert. Aber alles das steht in 
keinem durchaus notwendigen Zusammenhang mehr mit der Gesamtform und der 
bildlichen Grundidee; die sinnliche Freude der Hände lebt sich darin aus, das Material 
verleitet zu dieser dekorativen Detaillierung. Dasselbe gilt vom Körper; die Verschie, 
bungen der Masse, die natürlichen Schwellungen des Körpers, die natürlichen Intervalle 
 alles das wird im Sinne der plastischen Verlebendigung ausgewertet. In diesen Früh, 
figuren hält aber die Bildmäßigkeit noch immer ein stilles Maß ein; noch herrscht bei 
aller Pracht und Bewegtheit eine maßvolle Einfachheit und ein feiner Instinkt für die 
Grenzen künstlerischer Vornehmheit. Aber doch liegen darin bereits die Keime für 
eine Entwicklung, die vom Wesentlichen allmählich abführen und in einem formalen 
Virtuosentum enden mußte. Für diese frühen Zeiten aber brauchen wir uns durch 
solche Bedenken nicht stören lassen. Ein neues Reich künstlerischerWerte ist ent, 
deckt; die Anschauung ist zu einer aktiven Verarbeitung der natürlichen Werte über, 
gegangen; der Körper bildet den Inbegriff plastischer Werte, das Gewand einen solchen 
der malerischen Werte. Der Mensch in seiner ganzen menschlichen Erscheinung, seiner 
körperlichen wie geistigen Schönheit, ist zum Mittelpunkt aller Bildideen gewordenpEr 
ist zum Inbegriff alles Lebens geworden. Es scheint die Macht des Eros gewesen zu
        

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