Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Buddhistische Plastik in Japan bis in den Beginn des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Person:
With, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3057623
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3059768
tritt, während in diesen Figuren mehr der realistische Grundton durchschlägtl. Die 
Gestalt sitzt nach europäischem, beziehungsweise chinesischem Muster, indem beide 
Beine herabhängenä Auch hier liegen, wie bei Figur 202, die Beine schräg und die 
Knie sind auswärts gestellt; auch die linke Hand ist ähnlich wie dort gebildet. Das 
Gewand zeigt wieder den großen, stofflichen Zusammenhang, der sich auf die Drei! 
dimensionalität des Körpers bezieht, dinglich selbständig und gesondert ist, den Körper- 
formen Raum läßt und den größten Teil der Bildform einnimmt. Die Faltenbehandlung 
ist aber etwas trocken und steif; an den Beinen treten die zersprengten Falten, die 
wir in den Figuren 74 und 75 zum ersten Male vorfanden, wieder auf. Auffallend ist 
die übertrieben massige Behandlung der Kniee und Beine, die sich glatt gegen den 
Stoff anpressen, so daß die Oberflächentönung verloren geht. Das große Gesicht trägt 
wieder einen durchaus persönlichen Ausdruck; wie stark in dieser Zeit der Gesichts, 
ausdruck wechselt, gewissermaßen auf den Ausdruck persönlicher Stimmung gestellt 
wird, zeigt der Vergleich mit den Figuren 202 und 203; in Figur 202 wirkt das Gee 
sicht offen, selbstsicher, schlau, ein wenig spöttisch überlegen und nicht ohne eine gew 
wisse Banalität; bei Figur 203 flüchtig, bewegt, fragend, ungeduldig; hier aber mürrisch 
und ein wenig griesgrämig. Bei allen drei Figuren kehren die dicken, versteiften, und 
abstehenden Ohren wieder; die Gewohnheit der durchbrochenen Ohrläppchen verschwine 
det allmählich wieder. 
Bei diesen drei letzten Figuren traten im Gegensatz zu den Werken der archaisierenden 
Richtung die Beziehungen zu den Werken des Tangstiles wieder deutlicher in den Vordere 
grund, besitzen aber eine ungleich beweglichere, plastische Auswertung, die mit den gleiche 
zeitigen Formtendenzen der Tonfiguren in Verbindung zu stehen scheint. Die Bewegtheit 
der Bildform hat an durchgreifender Komplizierung gewonnen, die plastische Charakterie 
sierung geht bis ins FlüchtigeMomentane über; der Formausdruck erscheint vehementer, 
wechselvoller, geht bis zur Willkür, umfaßt nicht mehr Zustände sondern Vorgänge; 
der Handlungsreichtum greift bis in nebensächliche Einzelheiten über. Der nackte 
Körper wird anatomisch skizziert, das Gewand dekorativ plastisch übertrieben; bild- 
mäßige Verhältnisse werden gegenständlich motiviert. Die Figuren wirken skizzenhaft 
improvisiert, sehr persönlich (vgl. auch Tafel 171), lebhaft, frisch, formal interessant  
aber auch oberflächlich, ein wenig banal und durchaus nicht als heilige Bodhisattvw 
darstellungen. Es ist immer ein verdächtiges Zeichen, wenn man ein Bildwerk als 
interessant bezeichnen kann; an Stelle eines Kunstwerkes eine Formsensation, bei 
deren Betrachtung einem aber das Herz nicht aufgeht. 
In diesen Figuren kehrt ein ähnliches Formverhältnis wieder, wie wir es bei 
den Werken des 3. Kapitels vorfanden; die mehrfachen Hinweise auf diese Figuren 
bestätigen im einzelnen solche Verwandtschaft. Auch hier besteht dabei eine auffällige 
Verschiedenheit zu den übrigen gleichzeitigen Richtungen, die sich in einer gegenstänw 
liehen Veräußerlichung und barocken Übertreibung sekundärer Bildrnomente ausspricht. 
Es liegt somit die Vermutung nahe, da!) in diesen Werken sich jene provinziellwchinee 
sischen Richtungen des Mischstiles (3. Kapitel), die durch den an sich ganz bedeutungs, 
losen Gandharakreis beeinflußt oder  wie man richtiger sagen möchte  korrumpiert 
worden waren, fortsetzen; dabei orientiert sich die allgemeine Formgebung dieser jüngeren 
Figuren eben an dem HakuhoeFormschatz, wie jene älteren Werke sich an den Form, 
1 Ich muß an dieer Stelle betonen, daß die zahlreichen Hinweise auf Realistik und Be- 
obachtung lediglich zur Klärung des entwicklungsgeschichtlichen Sachverhaltes dienen sollen, nicht 
aber irgendwie bedeuten, daß der Vergleich von Formbild und Naturbild zu einer Wertung 
führen könne. 
' Noch mehrere solcher Figuren ließen sich anführen, mußten aber wegen Papiermangel fort- 
fallen, was aber insofern nicht sehr bedauerlich ist, da ihr künstlerischer Wert gering ist und sie 
lediglich als Typus interessieren.
        

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