Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Buddhistische Plastik in Japan bis in den Beginn des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Person:
With, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3057623
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3059691
dimensionalität, die innere Weichheit des Körperorganismus, die plastische Durch, 
bildung der Grundformen und die malerische Auswertung der Oberfläche haben durch 
die Verwertung des Tonmaterials eine bewußtere Bedeutung erhalten. Wir müssen 
Übereinstimmung und Weiterführung der im letzten Kapitel angedeuteten Probleme 
noch einmal betonen: die Tiefenanlage geht in rundkörperliche Ganzheit über, die 
räumliche Befreiung der Anlage führt zur Elastizität der Masse und einer leichteren 
Gruppierung der Körperglieder, die linear,dekorative Gewandgebung wird plastisch 
ausgewertet; was z. B. im Iakushi Tafel 167 vorbereitet war, wird hier klarer gefaßt: 
der umfassende Gewandcharakter, der einheitlich umschließende Profilumriß, die weiche 
Zusammenfassung der einzelnen Teile  alles das wirkt hier zu einer unmittelbaren 
Sichtbarkeit der Gesamtform zusammen, die nichts mehr von dem theoretischen 
Eindruck einer Rechnung oder einer Konstruktion an sich hat. Daneben enthält aber 
die Komposition noch besondere Bildmotive, die aus der älteren Stilauffassung stammen: 
so der skandierende Aufbau der frontalen Ansicht, und der Rückenabschluß, durch 
den die Seitenansicht etwas hart abgeschlossen wird. Wichtig aber ist, daß alle alter, 
tümlichen Motive nicht als Auswirkung eines archaischen Stilprinzips auftreten, sondern 
nur als Mittel zur speziellen Darstellung des heiligen Bodhisattvatypus gelten; maß, 
gebend ist der ideale Inhalt; sie sind nicht Ausdrucksformen eines Stiles, sondern nur 
inhaltliche Motive. 
Tafel 191 und 192. Die Figur Tafel 191 schließt sich eng an die eben behandelte 
Figur an. Die Bildform ist hier noch reiner auf ideelle Werte abgestimmt. Die Rumpf, 
partie ist schlanker und höher, die Beinpartie schmäler zusammengefaßt, die Gewand, 
behandlung weicher und der Ausdruck der Reliefierung farbiger. Noch stärker unter, 
scheiden sich die Seitenansichten (Tafel 192); die Brust ist flacher, der Leib nicht vor, 
geschoben, die Arme und Hände sind noch weicher eingebettet und der Kopf ist weniger 
prononziert. Die irreale Versachlichung der Naturform gibt der lebendig schmiegsamen, 
zierlichen Gestalt den Ausdruck feierlicher Haltung und stiller Größe. Die Reinheit 
ihres Aufbaues, die zarte Abtönung der Formgebung, die Innigkeit der Haltung und 
die stille Friedfertigkeit des Ausdrucks geben ihr einen unvergleichlichen Wert. 
Tafel 193 bis 195. Weiter geht bereits die Figur Tafel 193; hier ist die Frontalität 
entschiedener durchbrochen und die rundkörperliche Freiheit kommt noch einheitlicher 
zum Ausdruck. Die Zusammenfassung aller Bildteile in eine unabgesetzte plastische 
Einheit ist hier vollkommen durchgeführt. Ich greife noch einmal auf Figur Tafel 189 
zurück. Das Entscheidende war dort, daß der hohe aufrechte Oberkörper gegenüber der 
horizontalen Beinpartie die Dominante bildete; dementsprechend waren die Unterarme 
nicht als verbindende Glieder betont, sondern nach innen in den Schoß hineingelegt; 
das gab dem Aufbau eine sehr bewegte Harmonie. Die Brust war vorgebeugt, der Kopf 
geneigt und der Leib gewinkelt. Um aber diese aufrechte Tendenz durchzuführen, mußte 
der untere Teil der Figur an der Basis erhöht werden; erst dadurch schob sich der 
Oberkörper nach aufwärts und nach oben. Das wird nun in dieser Figur folgerichtiger 
durchgeführt: die Beine sind nicht mehr gekreuzt, sondern untergeschlagen (Tafel 193), 
wie es noch heute der offizielle Anstand injapan vorschreibt; dadurch fällt alle horizontale 
Gliederung fort. Schoß und Oberkörper bilden eine ungeschiedene Masse, die rein 
nach der Tiefe zu gegliedert wird. Der Schoß liegt in schräger Aufsicht, der Oberkörper 
fällt nicht mehr hinterhalb des Schoßes ab, sondem bleibt erhöht, da das Gesäß durch 
die Füße erhöht ist (Tafel 194). Die Lastverteilung des ganzen Körpers wird dadurch 
ungleich weicher und ausgeglichener als noch bei den Figuren 189, 191. Die kräftige 
Winkelung des Leibes bildet die tiefste Stelle; Leib und Schoß verlaufen schräg abwärts, 
der Oberkörper verläuft schräg vorwärts; der Kopf ist leicht erhoben und weit nach 
vorn geschoben; der Hals ist ein lebendig,schmiegsamer Teil geworden, und die Schultern
        

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