Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Buddhistische Plastik in Japan bis in den Beginn des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Person:
With, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3057623
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3059485
nichts anderes aussagen, als was sich in der schmiegsamen Oberfläche des Gewandes 
ausdrückt; daß trotzdem die körperliche Erscheinung wirksam genug wird, um die 
Bildform organisch zu klären, zeugt von einer reifen Beherrschung plastischer Nuancen. 
Diese zarte und, man möchte sagen, lautlose Formgebung gibt der Figur ihre bea 
sonderen Stimmungsreize. Der Umhang ist um den ganzen Körper herumgelegt (Tafel 168); 
das oberhalb liegende Gewandende ist über die linke Schulter geschlagen; von beiden 
Schultern fällt der Stoff in parallelen Kurven ab, die wechselseitig um den Leib greifen und 
in der Masse enden (Tafel 167); dieser Uberwurf endet oberhalb der Füße, wo ein 
senkrecht gefalteter Rock sichtbar wird, der unten gerad abschließt und von den Füßenl 
nur den Spann sichtbar läßt. Beide Arme werden durch das Gewand eng an den Leib gelegt, 
nur eine flache Senkung, von der aus der Rumpf sich vorwölbt, bleibt stehen. Die körperliche 
Erscheinung bleibt so auf ein Mindestmaß organischer Darstellung beschränkt. Die 
langen, durchlaufenden Linien, die aus der ornamentalen Umwertung des Gewandes 
gewonnen sind, umschreiben den ganzen, rundplastischen Sachverhalt der Figur; das 
Gewand ist nur in seiner Gesamtbeziehung von Rückene, Seiten, und Vorderansicht 
verständlich; die Falten laufen fast sämtlich zum Rücken hin, beziehungsweise kommen 
vom Rücken her (Tafel 168); mit der Vorderansicht wird unwillkürlich die Rücke 
ansicht assoziiert. Die Seiten sind nur als rundliche Uberleitungen behandelt, als kurze 
Zwischenstationen der beiden Breitenansichten; die Versteifung des Gewandes zu Seiten 
der beiden Beine gibt dem Rundverlauf eine leicht frontale Betonung, während die 
steilen Falten des unteren Rockes, die gegen die Kurvenfalten des Mantels anlaufen, 
durch ihre senkrechte Lagerung die aufrecht stehende Figur sozusagen fundamene 
tieren und nach der Basis zu überleiten. Durch die Arme wird das Gewand gee 
hoben, so daß ein offener Schlitz entsteht; man sieht dadurch die Stoffenden sowohl 
der Rückenpartie als auch der Vorderansicht (Tafel 167). Das Gewand ist also ganz auf 
rundkörperliche Wirkung hin angelegt; es umfaßt die Figur von allen Seiten, vereine 
facht die Gesamtform und schließt sie in einem gleichförmigen Umriß ein. In langen 
Linien durchqueren die Falten die Vorderansicht von den Schultern bis zum Saum 
oberhalb der Füße. Diese Gesamtbeziehung zum rundplastischen Körper, wodurch die 
Bilderscheinung versachlicht und beruhigt wird, gibt der Schematisierung des Falten- 
wurfes ganz andere Bedeutung als bei den entsprechenden Suikowerkeng. Während in 
den Nebenfiguren der Tachibanatrinität die Seiten eine besondere Tiefenentwicklung 
erhielten (Tafel 165 a), treten hier die Seiten als solche zurück und werden unmittelbar 
in die abgeflachte Rundform des Rumpfes mit einbezogen; alle plastischen Werte env 
wickeln sich nur in den Breitenansichten. Die Seitenansicht (Tafel 168) zeigt den gea 
meinsamen Ablauf der Rücken, und Vorderprofile, die in gegenseitiger Beziehung 
stehen; nach den Füßen zu werden die Schwellungen von Nacken und Rücken und 
von Brust und Leib gleichmäßig zusammengefaßt; die Stelle, an der die beiden Sehnen 
am flachsten gegeneinander liegen, liegt nicht mehr, wie früher (Tafel 55) unmittelbar 
über dem Gewandschluß an den Füßen, sondern kurz unterhalb der herabhängenden 
Hand. Darin spricht sich ein entwickelteres Maßgefühl für organische Massengliederung 
und ihre natürliche Balancierung aus. Die Hände gleichen denen des Arnida (Tafel 160); 
die rechte Hand war abgebrochen und ist jetzt unrichtig, d. h. zu steil, angesetzt; wir 
müssen sie uns in einer Vierteldrehung nach außen denken, so daß der Umriß über, 
schnitten würdeß. So wie die Hand jetzt steht, wirkt "die Fingerhaltung unklar, und 
1 Die Füße sind aus Holz schlecht ergänzt und wurden daher vor der photographischen Aufnahme 
fortgenommen; auch der Sockel ist ergänzt. 
2 Diese scheinbare Übereinstimmung mit Suikowerken hat zu einer ziemlich kritiklosen Zu- 
schreibung des Werkes an Shotoku Daishi geführt. 
' Vergleiche Tafel 170.
        

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