Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Buddhistische Plastik in Japan bis in den Beginn des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Person:
With, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3057623
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3059105
gelegt und die langen geschmeidigen Faltenlinien werden im Gürtel gesammelt. Das 
Kreuz ist leicht abgebogen. Die Dekoration mit Schmuckwerk ist reicher als in der 
Gegenfigur; vom Brustschmuck, der mit breiten Bändern unterlegt ist, fallen Ketten 
bis auf die Oberschenkel herab; vom Gürtel hängen seitwärts Bänder bis zu den Fuße 
gelenken herunter (Tafel 123). Das Gehänge liegt nicht am Körper an und ist an der 
linken Seite um sich selbst gedreht. Der Kopf ist nach vorn geneigt, die mächtige 
Kinnpartie verdeckt den Halsansatz. Die Gesichtsteile liegen eng aneinander, aber die 
plastische Durchbildung des Gesichtes ist grundlegend von älteren Werken verschieden: 
Das Haar ist tief in die Stirn gezogen, der Wölbung der Schädeldecke sich anschmiegend, 
die Stirn ist rund, der Nasenansatz vertieft und die flachen Brauen sind in der Augen, 
höhle abgewinkelt; die Backen und das lange Kinn sind voll und weich herausmodelliert, 
die kräftigen Lippen liegen tief in der Masse. Der Haarschopf überhöht den Kopf in 
gleichmäßiger Rundung; in der Mitte, wo die Strähne sich sammeln, liegt ein gee 
schmackvoller Schmuck im Haar. Fast zu behäbig und zufrieden wirkt der Ausdruck 
dieses Gesichtes; die feine vergeistigte Nuancierung der älteren Werke geht durch die 
volle, plastisch bewegte Modellierung verloren. Die Rundbildung läßt eine zusammene 
hängende Fülle von Profilansichten entstehen, wobei die einmaligen Seitenansichten 
nur Stationen darstellen. Die Frontalität, der die Figuranlage noch gehorcht, bedeutet 
nicht mehr die endgültige Zusammenfassung aller Ausdruckswerte in eine einzige, sicht- 
bare und gerade Front, sondern bildet nur die Hauptachse für die Flucht maßvoll sich 
entwickelnder Profilierungen; der Standpunkt des Beschauers bleibt nicht mehr auf 
die wagerechte Projektion beschränkt; die geschmeidigen Übergänge der runden Bildform 
folgen dem wandernden Blick und schließen erst in der reinen, noch immer neutral 
behandelten Rückansicht ab. Die abgewogene Eleganz der Umrisse dieser Figur, der 
ruhige Abfluß der Gestaltmasse und die Grazie ihrer Haltung wirken zu einem 
reichen Spiel bildmäßiger Ausschnitte zusammen. So ist die Figur nicht mehr an die 
reinen Vordere und Seitenansichten gebunden (vgl. Tafel 55), sondern ergibt auch in 
der Schrägansicht (Tafel 123) eine in sich geschlossene Bildeinheit. Ein Rückblick auf 
die Kwanchinjifigur (Tafel 60), bei der zum ersten Male sich die Möglichkeit, sie in 
einer Schrägstellung zu erfassen, ergab, verdeutlicht die ungestüme Weiterbildung, die 
sich inzwischen vollzogen hat.  
Abbildung 18. Auch diese Statuette läßt sich den koreanischen Werken des 
Taikwastiles angliedern. Gewandmotiv, Armhaltung und Gestaltanlage sind ähnlich 
wie bei der Figur 120. Nur ist dieDekoration reicher, die gesamte Haltung jedoch 
starrer. Ein ähnliches Verhältnis wie zwischen den Figuren gIund 103 besteht auch 
zwischen dieser Figur und Figur 120: das Gehänge ist über den Körper hinweggeführt, 
schließt die Arme wieder enger an den Rumpf an und zwingt ihn zur unbewegten 
Geschlossenheit. Diese Feststellung zeigt, daß in den Fällen, wo der Entfaltung der 
Körperbewegung hemmende Schwierigkeiten entgegenstehen, eine strenge Rückbildung 
in frontales Gleichmaß eintritt. Es liegt noch nicht im Sinne dieser Zeit, die Bewegung 
auf den Stoff überzuleiten, ebensowenig wie den Körper selbst zu drehen. Bei dieser 
Rückbildung erhält das Gehänge eine Form, die an die alte, linear-rhythmische Sila 
houettenbildung erinnert (vgl. Tafel 15). Was aber dort mit formaler Notwendigkeit 
sich entwickelte, bedeutet hier nur ein einzelnes Formmotiv, mit dem frei geschaltet 
wird; darin deutet die Figur bereits auf den späteren archaisierenden Stil hinl. Auch die 
Faltenbildung am Leib weist bereits auf den dekorativen Schematismus der späteren 
Richtung hin, ebenso die Bildung des merkwürdigen Halsschmuckes; wir werden diese 
Figur daher ziemlich weit gegen Ende des Jahrhunderts heraufsetzen können, wofür 
1 Vßrglßkhß 7. Kapitel"; dort nähereAngaben über die Motive formaler Rückbildung; die späteren 
Werke knüpfen an diese Figuren an. 
        

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