Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ursprung des Zunftwesens und die älteren Handwerkerverbände des Mittelalters
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3029058
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3031543
222 
Dritter 
Abschnitt. 
Das Magisterium. 
des Magisteriums. Verbände, die die Handwerkerschaft berufsmäßig 
vereinigten und ihr die Kraft des Zusammenschlusses verliehen, haben 
Wir zuvor kennen gelernt. Es fehlt indes noch die Ausbildung der 
besonderen Organe, die die mittelalterliche Verwaltung des Gewerbe- 
wesens kennzeichnen. 
Die Untersuchung des Magisteriums hat sich nach zwei Richtungen 
zu erstrecken; einmal auf die allgemeinen Grundlagen des Amtes, 
alsdann auf die Geschichte der einzelnen Magisterien. Gleich der 
des grundherrlichen Handwerkeramts, ist die Grundlage des Magi- 
steriums eine doppelte, eine jurisdiktionelle und eine fiskalische. Die 
Zuweisung einer besonderen Gerichtsbarkeit ergab sich aus der Ab- 
teilung und Ausscheidung des Handwerkeramtes innerhalb der Hof- 
wirtschaft. Das magisteriale Gericht hat in seinem Ursprung den 
vollen Umfang eines grundherrlichen Gerichts; es ist zuständig in 
allen Justizsachen, ausgenommen die schweren Verbrechen, die an 
Hals und Hand gehen. Das Amt bezieht ferner die Bußen, Gerichts- 
gefalle und Gebühren ungeteilt; kein anderes Gericht hat an ihnen 
einen Anteil 1. Es ist dies eines der hauptsächlichen Merkmale der 
selbständigen Amtsherrlichkeit. Mit der Jurisdiktion war gegebener- 
weise die Handhabung der Gewerbepolizei und des Gewerbegerichts 
(das spätere Zunftgericht) verknüpft. Der Inhaber des Magisteriums 
oder der von ihm eingesetzte Vertreter sprach die Strafen aus für 
schlechte Arbeit, für Untermaß und Untergewicht, für Übertretungen 
der Handwerksvorschriften jeder Art. Nach den alten Grundsätzen 
des Gerichtsveriahrens war er indes bei der Rechtsprechung an die 
Mitwirkung von Handwerksgenossen gebunden. Er hatte eine An- 
zahl honesti homines oder probi homines bei den Gerichtshandlungen 
zuzuziehen. Aus diesen probi und honesti sind die späteren Jurati 
des Zunftwesens, die Zunftgeschworenen, hervorgegangen. 
Das eigene Recht des Amtes hatte zur Folge, daß das Magisterium 
stets von dem allgemeinen 2 Gericht vollständig eximiert ist und 
mit diesem keinerlei Berührung hat. Dieses weitgehende Sonder- 
1 Mag. u. Frat. S. 18, 19, 37, 55, 78, 90, 94, 98, 100, 128, 132, 134, 141. 
1 Der Ausdruck "allgemeines Gericht" bezeichnet den Gegensatz zu dem 
Sondergericht (Handwerksgericht), der Ausdruck "öffentliches Gericht" den 
Gegensatz zu dem nicht öffentlichen, d. i. privaten Gericht. Vgl. Gewerberecht 
S. 125 Anm. 2.
        

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